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Israel ist im Oktober-Urlaub

Im Herbst kennt Israel nur einen Termin: "Nach den Feiertagen". Man t rifft sich "nach den Feiertagen", man beschliesst "nach den Feiertagen", man zahlt "nach den Feiertagen".

Im Herbst kennt Israel nur einen Termin: "Nach den Feiertagen". Man t
rifft sich "nach den Feiertagen", man beschliesst "nach den
Feiertagen", man zahlt "nach den Feiertagen". Gemeint sind das jFCdi
sche Neujahrsfest, der Versohnungstag und das LaubhFCttenfest im
Herbst.
Dieses Jahr hat es mit dem Ausdruck "nach den Feiertagen" eine besond
ere Bewandtnis. Schon lange haben sich israelische Arbeitnehmer
nE4mlich nicht dermassen auf die jFCdischen Feiertage gefreut. Weil
das jFCdische Neue Jahr (ab 3.10 2 Tage lang), Yom Kippur (am
13.10. ) und das LaubhFCttenfest (ab 18. 10. wE4hrend einer Woche m
it ganz oder reduziertem Arbeitspensum) in die Wochenmitte fallen,
sind alle Aemter und viele BFCros im Oktober hF6chstens an zehn Tag
en geF6ffnet. FerienkFCnstler kF6nnen sich deshalb unter "Opferung
"
weniger Urlaubstage einen ganzen Monat Ferien gF6nnen. Das Land steh
t im Oktober folglich praktisch still. Am Yom Kippur sind sogar
Ein- und Ausreisen unmF6glich. Kein Flugzeug fliegt Israel an, der F
lughafen ist wE4hrend 24 Stunden geschlossen. Die israelischen
Fernsehsender machen am VersF6hnungstag Pause, der Rundfunk reduzier
t sein Programm auf einen schrillen Pfeifton, Restaurants bleiben
geschlossen, der F6ffentliche Verkehr ruht - nur die Rabbiner sind i
m Dienst.
Diejenigen Israelis, die auch am hF6chsten jFCdischen Feiertag nich
ts von der Synagoge wissen wollen, haben rechtzeitig geplant. Viele
sE4kulare Israelis setzen sich in dieser Zeit vorFCbergehend ins Au
sland ab. Derzeit sind praktisch alle FlFCge ab Tel Aviv ausgebucht.
Wer im Land bleibt, aber dem religiF6sen Diktat entgehen will, sorgt
vor: Er beschafft sich DVDs, oft gleich dutzendweise. Die Regale
der Videotheken werden leergefegt. Auch FahrradhE4ndler haben in die
sen Tagen FCberdurchschnittlich viel zu tun. Am garantiert
autofreien Yom Kippur nehmen Kinder die Strassen der City mit ihren F
ahrrE4dern in Beschlag. Pflichtbewusste Eltern lassen deshalb
rechtzeitig die RE4der instand stellen. Die Branche meldet stolze Wa
chtumsraten von 30 Prozent und mehr.
Ueber mangelnde Nachfrage mFCssen sich an Yom Kippur auch Notfallsta
tionen nicht beklagen, weil vielen Frommen das Fasten in der
mediterranen Hitze nicht bekommt. RegelmE4ssig werden zudem FCber h
undert Kinder im Spital eingeliefert - mit Verletzungen, die sich
die Jugendlichen beim Zusammenstoss mit Krankenwagen zugezogen haben,
die mit ohnmE4chtig gewordenen Frommen in die Klinik rasen. Zur
NormalitE4t, so es in Israel denn eine solche gibt, kehrt das Land e
rst wieder am 26. Oktober zurFCck.


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