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Israel: Keine Einigung auf Waffenruhe

Israel und die Palästinenser haben auch bei ihrer dritten Verhandlungsrunde über eine offizielle Waffenruhe im Nahostkonflikt am Freitag keine Einigung erzielt. Beide Seiten trennten sich nach mehrstündigen Gesprächen unter Vermittlung des US- Gesandten Anthony Zinni am Abend, ohne einem Abkommen näher gekommen zu sein.

dpa JERUSALEM.Die Verhandlungen, die angesichts der Serie palästinensischer Selbstmordanschläge in einer äußerst gespannter Atmosphäre stattfanden, wurden nach Angaben des israelischen Rundfunks auf kommenden Sonntag vertagt. Die Konfliktparteien konnten sich den Angaben zufolge nicht darauf einigen, wie der so genannte Tenet-Plan für eine militärische Entspannung zwischen den Konfliktparteien umgesetzt werden soll. Die israelische Delegation habe von den Palästinensern wiederholt gefordert, zunächst etwas gegen die palästinensischen Selbstmordattentäter zu tun.

Zinni hatte beide Seiten trotz der jüngsten Terroranschläge in Israel an den Verhandlungstisch gebracht, bei denen am Mittwoch und Donnerstag in Israel zehn Israelis und die Attentäter getötet wurden. Auch am Freitag kam es im Westjordanland zu einem Selbstmordattentat. Ein junger Palästinenser sprengte sich an einer überraschend von der Armee eingerichteten Straßensperre im Grenzgebiet zu Israel in die Luft. Ein israelischer Offizier wurde dabei leicht verletzt.

Die israelische Polizei ging davon aus, dass der Attentäter einen Selbstmordanschlag in einer grenznahen israelischen Stadt plante. Zu dem Anschlag bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.

Zinni war am Morgen in Ramallah zunächst mit Arafat zusammengetroffen, der nach dem Selbstmordanschlag vom Donnerstag in Jerusalem von der US-Regierung öffentlich abgemahnt worden war. Anschließend sprach der US-Vermittler mit den palästinensischen Unterhändlern Dschibril Radschub und Mohammed Dachlan, um die unterschiedlichen Positionen beider Seiten bei der Interpretation des Plans von CIA-Chef George Tenet anzunähern. Dieser soll innerhalb weniger Wochen zur Beendigung der Gewalt zwischen beiden Seiten führen.

Vor der dritten Verhandlungsrunde am Freitagnachmittag zeigte sich Israels Außenminister Schimon Peres ungewöhnlich pessimistisch. Die Terroranschläge der vergangenen Tage hätten "alles zerbrochen, was (US-Vermittler) Zinni aufgebaut hat", warnte Peres vor ausländischen Diplomaten. Es sei inzwischen fraglich, ob Arafat, wie geplant, in der kommenden Woche zum arabischen Gipfeltreffen nach Beirut reisen könne.

Ministerpräsident Ariel Scharon hatte zuvor gedroht, Israel könne angesichts der palästinensischen Gewalttaten "nicht unbegrenzt" auf Vergeltungsangriffe verzichten. Der palästinensische Kabinettsminister und ehemalige Chefunterhändler Sajeb Erekat meinte dagegen vor dem Treffen, zwar gebe es "nach wie vor große Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Seiten", dennoch hoffe er, "dass wir bald eine Waffenruhe ausrufen können".

Nach Angaben Erekats verlangten die Palästinenser bei den Verhandlungen "Gleichzeitigkeit" bei der Umsetzung der von Tenet geforderten Maßnahmen. Israel verlange dagegen, dass die Palästinenser zunächst mit der Verhaftung mutmaßlicher Extremisten und der Beschlagnahme tausender illegaler Waffen beginnen, bevor sich die israelische Armee auf Positionen zurückzieht, die sie vor Beginn des Palästinenseraufstands hielt.

Die israelische Polizei nahm am Freitag den palästinensischen Staatsminister für Jerusalem, Siad Abu Sajad, in Ost-Jerusalem vorübergehend fest. Sajad, ein als gemäßigt bekannter Politiker, darf die Stadt offiziell nicht betreten, weil er keinen israelischen Ausweis besitzt.

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