Israel nennt keinen Termin für einen Abzug aus den autonomen Gebieten
Scharon widersetzt sich dem Druck aus USA

Die israelische Regierung ist bereit, die jüngste Besetzung autonomer Gebiete wieder aufzuheben. Entgegen der Aufforderung von US-Präsident Bush soll dies aber nicht sofort geschehen. Auch der Nahost-Diplomatie von Außenminister Fischer werden kaum Erfolgschancen eingeräumt.

hn TEL AVIV. Im Nahost eskaliert die Gewalt weiter. Eine Woche nach der Besetzung von sechs autonomen Städten im Westjordanland durch Israels Armee rückten gestern Eliteeinheiten nördlich von Ramallah gegen das Dorf Bet Rima vor. Dabei wurden mindestens zehn Menschen getötet.

Nach Angaben eines israelischen Armeesprechers soll es sich um Terroristen gehandelt haben, darunter auch die Mörder von Tourismusminister Rehavam Zeevi, der vor einer Woche einem Attentat zum Opfer fiel. Zu dem Mord hatte sich die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) bekannt, deren Anführer im August von der israelischen Armee getötet worden war. Zu heftigen Gefechten kam es auch in anderen Städten im Westjordanland, u.a. in Bethlehem. Insgesamt kamen gestern im Westjordanland mindestens 16 Palästinenser ums Leben.

Die Aktion gegen Bet Rima begann, obwohl US-Präsident George W. Bush von Israels Premier Ariel Scharon kurz zuvor den sofortigen Abzug der Soldaten und den Verzicht auf ähnliche Aktionen verlangt hatte. Doch diese Aufforderung wird in Jerusalem heruntergespielt. Das von der USA benützte Wort "immediately" sei nicht mit "sofort" zu übersetzen, so Außenminister Schimon Peres, sondern mit "so bald als möglich". Und seine Sprecherin meinte, der Druck aus Washington sei "nicht groß".

Jerusalem hat Bedeutung des Nahost-Konflikts für USA noch nicht begriffen

Jerusalem habe eben noch nicht begriffen, dass das Nahost-Problem für Bush seit dem 11. September ein untergeordnetes Problem sei, meint ein westlicher Beobachter. Solange die USA im Krieg gegen den Terror engagiert seien, müssten Israelis und Palästinenser ihr Verhalten an den strategischen Interessen Amerikas ausrichten, um die arabischen und moslemischen Koalitionspartner nicht zu reizen.

Scharon bestritt inzwischen Berichte in der israelischen Presse, die von einer tiefen Krise im US-israelischen Verhältnis sprechen. Die Freundschaft mit den USA habe auch in schwierigen Zeiten Bestand, sagte er in der Knesset. Die Militäraktion bezeichnete Scharon als "erfolgreich", weil zahlreiche gesuchte Terroristen ausgeschaltet worden seien, dabei auch Angehörige der Hamas und der PFPL. Der Premier nannte keinen Termin für den Abzug der Soldaten, meinte aber, dass jene Gebiete, in die die Armee einmarschiert sei, nicht auf Dauer kontrollt werden sollten.

Das israelische Sicherheitskabinett will am heutigen Donnerstag die Forderung des US-Präsidenten diskutieren. Der Abzug könnte allerdings frühestens am Wochenende stattfinden, verlautete aus dem Büro Scharons. Die Armeeführung empfiehlt einen Rückzug in Raten.

Inzwischen versucht Bundesaußenminister Joschka Fischer, Bewegung ins israelisch-palästinensische Verhältnis zu bringen. Im Rahmen seines Besuchs in Israel ist für heute ein Treffen mit Scharon geplant. Am Freitag wird Fischer seinen israelischen Amtskollegen Peres treffen. Anschließend wird er in Gaza von Palästinenserchef Jassir Arafat erwartet. Doch Fischers Möglichkeiten seien begrenzt, so ein Diplomat. Nachdem sich Scharon offensichtlich nicht einmal durch Bush beeindrucken lasse, werde Fischer als Vermittler wenig bewirken können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%