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Israel setzt Angriffe auf palästinensische Ziele fort

Ungeachtet der Bemühungen der USA und der Europäischen Union (EU) um ein Ende der Gewalt in Nahost hat die israelische Armee am frühen Dienstagmorgen wieder ein Hauptquartier palästinensischer Sicherheitskräfte angegriffen.

rtr GAZA-STADT. Das Gebäude im Norden des Gaza-Streifens sei vollständig zerstört, niemand jedoch verletzt worden, sagten Sicherheitsvertreter. Am Dienstag trifft der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, im Nahen Osten ein. Die EU-Außenminister hatten Palästinenser-Präsident Jassir Arafat am Abend zuvor aufgefordert, sein Volk zu einem Ende des Aufstandes gegen Israel aufzurufen. Israel wiederum solle keinen weiteren militärischen Druck auf die Palästinenser-Regierung ausüben.

Israelische Kampfhubschrauber feuerten Angaben der palästinensischen Sicherheitskräfte zufolge mindestens fünf Raketen auf das Gebäude der Sondereinheit "Force 17" ab. Zudem seien zwei Boden-Boden-Raketen eingeschlagen. Das Gebäude sei leer gewesen. Am Montag hatte die Armee in Hebron ein palästinensisches Auto mit Raketen beschossen und dabei zwei Kinder getötet und zwölf Menschen verletzt. Nach israelischen Angaben galt der Angriff einem Führungsmitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad, das Ärzten zufolge schwer verletzt überlebte.

Israels Regierung hatte die "Force 17" vor kurzem als terroristische Gruppe gebrandmarkt. Der Islamische Dschihad hatte sich genauso wie die militante Organisation Hamas zu einer Serie von Selbstmordattentaten bekannt, bei der seit Anfang Dezember 29 Menschen getötet wurden. Zuletzt hatte ein Selbstmordattentäter am Sonntag in Haifa mehrere Menschen verletzt. Die Hamas kündigte in einer Erklärung an die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) eine Fortsetzung der Anschläge an.

Die EU-Außenminister forderten Arafat auf, die "terroristischen Netzwerke" von Hamas und Dschihad zu zerschlagen. US-Außenminister Colin Powell sagte in Berlin, die militanten Palästinenser griffen nicht nur Israel, sondern auch Arafats Führungsposition an. "Darauf muss er reagieren", sagte er. Die EU forderte von Israel, seine Truppen zurückzuziehen und Tötungen "außerhalb des Rechts" zu stoppen. Israel solle zudem die Abriegelungen in den Palästinenser-Gebieten aufheben und den Ausbau jüdischer Siedlungen in Westjordanland und Gaza-Streifen beenden.

In Washington teilte das US-Außenministerium mit, US-Vermittler Anthony Zinni warte auf eine Reaktion der Konfliktparteien auf eine Reihe von harten Forderungen, die er am Sonntag unterbreitet habe. Zinni hatte am Montag unmittelbar vor dem israelischen Angriff in Hebron Gespräche mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon geführt. Das US-Ministerium wies Berichte zurück, nach denen Zinni mit seiner Abreise gedroht haben soll, wenn beide Seiten keine Fortschritte bei der Beendigung der Gewalt machten. In israelischen Sicherheitskreisen hatte es geheißen, Zinni habe eine Frist von 48 Stunden gesetzt, in der beide Seiten zeigen müssten, dass es ihnen mit einem Ende der Gewalt ernst sei.

Seit Ende September 2000 hält ein Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besetzung ihrer Gebiete und für einen unabhängigen Staat an. Etwa 1000 Menschen kamen dabei bisher ums Leben.

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