Israel sperrt Westjordanland erneut ab
Erneut Selbstmordattentat im Gaza-Streifen

Ein palästinensischer Radfahrer hat sich nach Angaben aus israelischen Militärkreisen am Montag im Gaza-Streifen in der Nähe einer Militärpatrouille in die Luft gesprengt und drei Soldaten leicht verletzt.

rtr/dpa JERUSALEM. Der Anschlag habe sich in der Nähe der jüdischen Siedlung Kfar Darom ereignet, hieß es. Am Sonntag waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen mit Pendlern besetzten Bus in Jerusalem sieben Menschen getötet worden. Zuvor hatten der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon und der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas am Samstag erstmals über den internationalen Friedensplan für den Nahen Osten beraten.

Als Vergeltung für die jüngsten Selbstmordanschläge wird Israel die erst vor kurzem gelockerten Absperrungen in den Palästinensergebieten wieder verschärfen. Das berichteten israelische Medien am Sonntagabend nach einer Regierungssitzung in Jerusalem. Das Westjordanland sei bereits wieder völlig abgeriegelt worden. Drastische militärische Maßnahmen sollten jedoch nicht ergriffen werden, hieß es in israelischen Medienberichten. Dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas solle Zeit gegeben werden, der Gewalt Einhalt zu gebieten. Als Geste des guten Willens hatte die israelische Regierung vor dem Treffen von Ministerpräsident Ariel Scharon mit Abbas am Samstagabend die Absperrungen gelockert.

Scharon lehnte auf der Dringlichkeitssitzung des Kabinetts den Vorschlag ab, Palästinenserpräsident Jassir Arafat aus dem Westjordanland auszuweisen. Wie das israelische Fernsehen berichtete, hatte Verteidigungsminister Schaul Mofas zu der jüngsten Gewaltwelle gesagt, Arafat hätte schon vor zwei Jahren ausgewiesen werden sollen. Die Anschlagsserie vom Wochenende hatte neun Israelis das Leben gekostet. Allein sieben waren von einem Selbstmordattentäter mit in den Tod gerissen worden, der seine Bombe in einem Jerusalemer Bus gezündet hatte.

Im nördlichen Gazastreifen eröffneten israelische Soldaten am Sonntagabend das Feuer auf palästinensische Jugendliche, die die Patrouille nahe dem Flüchtlingslager Dschebalia mit Steinen attackiert hatten. Nach palästinensischen Angaben wurde ein zwölfjähriger Junge tödlich getroffen, 13 Palästinenser wurden verletzt. In Nablus im Westjordanland wurde nach Angaben des israelischen Rundfunks ein junger Palästinenser von Mitgliedern der Fatah-Organisation ermordet, weil er angeblich mit israelischen Behörden zusammengearbeitet hatte.

Angesichts der Welle der Gewalt verschob Scharon eine Reise nach Washington, wo er an diesem Dienstag mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen wollte. Ein palästinensischer Regierungssprecher verurteilte die Anschläge, forderte Israel jedoch gleichzeitig zur Mäßigung auf. Insgesamt wurden bei den Gewalttaten auch sechs Palästinenser getötet.

Das erste offizielle Treffen zwischen Abbas und Scharon wurde am Samstagabend vom Selbstmordanschlag eines 21-jährigen Palästinensers überschattet, der sich im Zentrum der geteilten Stadt Hebron vor einem israelischen Siedlerpaar in die Luft sprengte. Der Mann und seine schwangere Frau wurden auf der Stelle getötet. Wenige Stunden später drangen zwei schwer bewaffnete Palästinenser in die jüdische Siedlung Scharei Tikwa ein. Sie wurden jedoch entdeckt und kurz darauf von israelischen Soldaten erschossen.

Am frühen Sonntagmorgen sprengte sich dann ein als orthodoxer Jude verkleideter Palästinenser in einem städtischen Linienbus im Norden Jerusalems in die Luft und riss sieben Israelis mit in den Tod. Mehr als 20 Fahrgäste, darunter auch sechs Soldaten, erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Das Fahrzeug wurde durch die Wucht der Explosion vollständig zerstört.

Etwa 30 Minuten später tötete sich dann an einer Straßensperre bei einem arabischen Vorort im Norden Jerusalems ein weiterer Palästinenser mit einem Sprengsatz. Er löste die Explosion aus, als israelische Polizisten ihn kontrollieren wollten. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die radikale Hamas-Organisation mit dem Attentäter ursprünglich einen zweiten Selbstmordanschlag auf einen Bus plante.

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