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Israel: Wieder Anschläge angekündigt

Die radikale Palästinenser- Organisation Islamischer Heiliger Krieg (Dschihad) hat wieder mit Anschlägen in Israel gedroht.

Reuters RAMALLAH. Die militärischen Jerusalem- Brigaden des Dschihad teilten am Donnerstag mit, sie fühlten sich nicht länger an eine Übereinkunft mit der Regierung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat gebunden, auf Gewaltakte in Israel zu verzichten. Zuvor hatten israelische Soldaten Dutzende Häuser in Rafah im Gaza-Streifen zerstört. Am Vortag hatten militante Palästinenser der Hamas-Organisation bei einem Überfall auf einen israelischen Armeeposten im Grenzgebiet zum südlichen Gaza-Streifen vier Soldaten getötet.

Dschihad hatte Arafats Waffenruhe-Appell vom 16. Dezember akzeptiert und seither keine größeren Anschläge mehr ausgeführt. Die Organisation hatte sich aber die Möglichkeit offen gehalten, israelische Soldaten in den besetzten Gebieten Westjordanland und Gaza-Streifen anzugreifen.

Der Aufkündigung dieses Moratoriums gingen Aktionen der palästinensischen Polizei gegen Dschihad-Mitglieder voraus sowie die Zerstörung Dutzender Häuser durch israelische Soldaten im Gaza-Streifen. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, die israelische Soldaten seien mit gepanzerten Fahrzeugen und Planierraupen in die Stadt Rafah eingedrungen. Die Armee teilte mit, einige Häuser seien zerstört worden, da Palästinenser von dort aus israelische Soldaten beschossen hätten. Die Soldaten zogen sich später aus dem Ort nahe der Grenze zu Ägypten zurück.

Augenzeugen berichteten, die Soldaten hätten in Rafah etwa 30 Häuser zerstört. Nach Angaben eines Mitarbeiters der Vereinten Nationen (UNO) könnten auch bis zu 45 Häuser zerstört worden sein. Die Soldaten hätten die Einwohner mit Schüssen aus ihren Häusern vertrieben, berichteten Augenzeugen. Ein Anwohner sagte, sein Sohn habe ihn geweckt und ihm gesagt, dass die Armee mit Planierraupen anrücke. "Ich hatte keine Zeit, irgendetwas zu tun. Ich packte meine Töchter, und wir rannten raus." Nach dem Abzug der Armee suchten Einwohner in den Trümmern ihrer zerstörten Häuser nach Habseligkeiten.

Seit Beginn des palästinensischen Auftandes gegen die israelische Besetzung im September 2000 haben militante Palästinenser aus Rafah wiederholt israelische Soldaten überfallen. Bei dem Aufstand wurden bisher 803 Palästinenser und 238 Israelis getötet.

Der Überfall vom Mittwoch folgte einer Phase relativer Ruhe, nachdem Arafat Mitte Dezember zu einem Verzicht auf Gewalt gegen Israel aufgerufen hatte. Die Palästinenser-Regierung verurteilte den Anschlag, doch Israels Ministerpräsident Ariel Scharon machte Arafat dafür ebenso verantwortlich wie für einen angeblichen Versuch, große Mengen Waffen in die Palästinenser- Gebiete zu schmuggeln. In der vergangenen Woche hatte Israel nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern des Roten Meeres ein Schiff aufgebracht, auf dem 50 Tonnen Waffen und Sprengstoff gefunden worden seien. Die Ladung soll aus dem Iran stammen und für den Gaza-Streifen bestimmt gewesen sein.

Die USA halten die von Israel gegen die Palästinenser- Regierung vorgebrachten Beweise für glaubhaft. Nach einem Treffen mit israelischen Geheimdienst-Experten hieß es in US- Regierungskreisen in Washington am Mittwoch, es sei zwingend, anzunehmen, dass sowohl ranghohe Personen in der Palästinenser- Regierung und der Fatah-Organisation Arafats als auch Arafat selbst von der Waffenlieferung gewusst haben müssten. Darauf deuteten die von Israel vorgelegten Geheimdienstinformationen hin.

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