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Israel würdigt Bemühungen der Palästinenser

Nach der seit Wochen andauernden Gewalt im Nahen Osten hat Israel am Freitag Bemühungen der Palästinenser um ein Ende der Unruhen gewürdigt.

Reuters JERUSALEM. Er räumte zugleichein, dass Palästinenser-Präsident Jassir Arafat Zeit brauche, um die Lage zu beruhigen. Im Westjordanland wurden bei neuen Unruhen nach palästinensischen Angaben zwei Palästinenser erschossen. Zu den befürchteten Zusammenstößen nach dem Freitagsgebet der Moslems in Jerusalem kam es zunächst nicht.

Jatom sagte im israelischen Rundfunk, es gebe zwar weiter Schusswechsel und Zusammenstöße in den Palästinenser-Gebieten, doch sei es möglich, dass es bald bessere Ergebnisse gebe. Israel wisse, dass Arafat die mit dem ehemaligen israelische Regierungschef Schimon Peres vereinbarte Beendigung der Gewalt nicht umgehend umsetzen könne. Arafat und Peres hatten sich darauf in der Nacht zum Donnerstag verständigt. Danach hatten jedoch weder Arafat noch Barak eine erwartete Aufforderung zum Ende der Gewalt abgegeben.

Hoffnungen auf eine Entspannung der Situation waren am Donnerstag durch die Explosion einer Autobombe in Jerusalem gedämpft worden. Bei dem Anschlag wurden zwei Israelis getötet. Zu der Tat bekannte sich die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad. Arafat verurteilte den Anschlag.

Barak hat Arafat aufgefordert, sein Volk zur Einstellung der Unruhen aufzurufen. Dem Vernehmen nach schob der israelische Regierungschef nach einem Treffen mit Sicherheitsexperten am Donnerstagabend militärische Maßnahmen vorerst auf, um der Umsetzung der Vereinbarung zwischen Arafat und Peres mehr Zeit zu geben. Barak sagte am Freitag, Israel sei bereit, sowohl für den Frieden zu kämpfen als auch gegen Gewalt und Terrorismus vorzugehen.

Der israelische Außenminister Schlomo Ben-Ami kritisierte am Freitag einen Aufruf der Palästinenser-Behörden vom Vortag, in dem diese dazu aufgerufen hatten, nur mit friedlichen Mitteln gegen Israel zu protestieren. Dies genüge nicht, sagte Ben-Ami in einem Interview des US-Fernsehsenders CBS. Er sagte zudem, Israel glaube, dass Arafat mehr Zeit benötige, um zu zeigen, dass er die Situation unter Kontrolle habe.

Zwei Palästinenser starben

In Tulkarm starb nach Angaben palästinensischer Mitarbeiter eines Krankenhauses ein 21-jähriger Palästinenser, auf den israelische Soldaten geschossen hätten. Der Mann habe sich an Protesten vor einem militärischen Verbindungsbüro Israels und der Palästinenser beteiligt. Die israelische Armee teilte mit, sie habe den Mann nicht getötet. Dieser sei anscheinend von hinten erschossen worden. In Ramallah erlag nach Angaben palästinensischer Krankenhauskreise ein 18-jähriger Palästinenser seinen Schussverletzungen, die er zuvor bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten erlitten habe.

Bei den Unruhen kamen danach bislang mindestens 170 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Palästinenser. Die Gewalt war Ende September nach einem Besuch des israelischen Oppositionschefs Ariel Scharon auf dem Tempelberg ausgebrochen. Scharon ist ein strikter Gegner der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern, die Barak wegen der Unruhen inzwischen offiziell ausgesetzt hat.

Zugang zum Tempelberg erlaubt

Die rund 3000 Teilnehmer des Freitagsgebetes in Jerusalem gingen friedlich auseinander. Israelische Sicherheitskräfte hatten nur älteren Palästinensern den Zugang zum Tempelberg erlaubt, wo sich freitags normalerweise etwa 60 000 Moslems zum Gebet versammeln. Palästinensische Sicherheitskräfte versperrten rund 200 Demonstranten den Zugang zu einer Brüstung oberhalb der jüdischen Klagemauer. Sie nahmen fünf Jugendliche in Gewahrsam, die Steine auf israelische Soldaten nahe der Klagemauer geworfen hatten. Als Indiz für die Bemühungen der Palästinenser um eine Entspannung der Situation galt die Absage einer Demonstration, die der Islamische Dschihad ursprünglich am Freitag im Gaza-Streifen geplant hatte. Die Gruppe teilte mit, sie sei einer Aufforderung der Palästinenser-Behörden nachgekommen.

Die Bundeswehr schickte unterdessen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin ein Erkundungskommando aus sechs Ärzten in den Gaza-Streifen. Diese sollten den Transport von 50 verletzten Palästinensern nach Deutschland vorbereiten, den Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seiner Nahost-Reise in dieser Woche Arafat zugesagt hatte.

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