Israelis richten sich auf längere Belagerung ein
Arafat will Palästina nicht verlassen

Während Jassir Arafat in seinem Büro in Ramallah unter israelischer Besatzung ausharrt, versuchen seine Berater, sich über die Ziele seines Erzfeindes Ariel Scharon klar zu werden.

ap RAMALLAH. Die offizielle israelische Darstellung lautet, der palästinensische Präsident solle isoliert, aber nicht festgenommen werden. Am Dienstag sprach Scharon erstmals öffentlich davon, Arafat ins Exil zu schicken.

Schon in der vergangenen Woche sei das Thema im Kabinett diskutiert worden, verlautete aus israelischen Regierungskreisen. Scharon drang dem Vernehmen nach auf eine Abschiebung Arafats. Einige Minister hätten aber zu bedenken gegeben, dass der palästinensische Präsident als freier Mann im Ausland Israel mehr Probleme bereiten könnte.

Im Gespräch mit dem EU-Gesandten Miguel Moratinos schlug Scharon dann am Dienstag vor, Arafat solle ins Exil gehen. "Ich habe ihm gesagt, sie können ihn mit einem Hubschrauber mitnehmen, wenn sie wollen", sagte Scharon im israelischen Rundfunk. Eine Rückkehrmöglichkeit gebe es für Arafat aber nicht.

Dieser wiederum hat wiederholt betont, er werde auf keinen Fall das Land verlassen. In einem Interview mit dem arabischen Sender El Dschasira erklärte Arafat vor einigen Tagen: "Sie (die Israelis) wollen mich in Haft, im Exil oder tot. Ich aber sage ihnen, ich werde lieber zum Märtyrer. Möge Gott uns zu Märtyrern machen." Am Dienstag bekräftigte der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath: "Arafat wird Palästina nicht verlassen."

Das wahrscheinlichste Szenario ist daher eine fortdauernde Belagerung. Die Hoffnung Scharons, mit dem immer stärker werdenden Druck auf Arafat ein Ende der Anschläge zu erreichen, scheint sich allerdings nicht zu erfüllen. Im Gegenteil: Die Gewalt ist weiter eskaliert, fast täglich sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Umgekehrt wächst der internationale Druck auf Scharon, die Truppen aus Ramallah zurückzuziehen, und dies wiederum könnte Arafat einen Vorteil im Wettstreit um die öffentliche Meinung im Ausland verschaffen.

Langjährige Widersacher

Mit Arafat und Scharon stehen sich zwei Männer gegenüber, deren persönliche Feindschaft eine lange Geschichte hat. Im Jahr 1982 lieferten sich die palästinensischen Partisanen unter Arafats Kommando in der libanesischen Hauptstadt Beirut einen erbitterten Kampf mit den eingedrungenen israelischen Truppen. Scharon war damals Verteidigungsminister. Erst vor wenigen Wochen tat er einer erstaunten Weltöffentlichkeit kund, er bereue, Arafat nicht schon damals umgebracht zu haben. Vor diesem Hintergrund scheint die israelische Offensive in Ramallah zur neuerlichen Kraftprobe der beiden Widersacher zu werden.

Nachdem die israelischen Truppen am Freitag die Mauern um Arafats Hauptquartier in Ramallah durchbrochen und mehrere Gebäude besetzt hatten, forderten Staats- und Regierungschefs in aller Welt Scharon eindringlich auf, Arafats Unversehrtheit zu garantieren. Die israelische Regierung ihrerseits hat wiederholt versichert, dem palästinensischen Präsidenten werde kein Schaden zugefügt.

Die Streitkräfte scheinen sich unterdessen auf einen längeren Aufenthalt in Ramallah einzurichten. Panzer und Militärfahrzeuge beziehen Stellung in den Straßen rund um den Amtssitz Arafats, der sich mit Beratern und Leibwächtern in einem Bürotrakt aufhält. Über eines aber ist sich die israelische Regierung aber offenbar im Klaren: Sollte Arafat etwas zustoßen, und sei es unabsichtlich, wäre eine weitere Eskalation des Konflikts nicht aufzuhalten. Die Soldaten hätten strikte Order, nicht in Arafats Büroräume einzudringen, sagte der israelische Befehlshaber der Operation, Generalmajor Giora Eiland. "Sie müssen sogar vermeiden, auf das Gebäude zu schießen, und dafür sorgen, dass Arafat persönlich nichts passiert."

Israelische Truppen griffen unterdessen am Dienstag die Zentrale der palästinensischen Sicherheitspolizei in Beitunja bei Ramallah an. Eine Panzereinheit und Kampfhubschrauber beschossen die Gebäude und setzten mehrere von ihnen in Brand. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben etwa 20 Menschen verletzt. Der palästinensische Sicherheitschef Dschibril Radschub wies israelische Angaben zurück, wonach sich in der Polizeizentrale mehrere Verantwortliche für die jüngsten Selbstmordanschläge befunden haben sollen.

Die Hausdurchsuchungen in Ramallah dauerten weiter an. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Freitag 700 Palästinenser festgenommen. In Bethlehem kam es nach dem Vorstoß weiterer Truppen zu Gefechten mit palästinensischen Kämpfern. Am Rand des Krippenplatzes schossen Palästinenser mit Sturmgewehren auf Panzer. Deren Besatzung erwiderte das Feuer mit schweren Maschinengewehren. Später wurde auch ein Kampfhubschrauber gegen die Palästinenser eingesetzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%