Israelische Armee besetzt Palästinenserort
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe

Die israelische Armee hat in der Nacht zum Dienstag die palästinensische Ortschaft Beit Dschala besetzt und dabei einen palästinensischen Polizisten getötet sowie mehrere Menschen verletzt.

afp BETHLEHEM. Ein Armeesprecher erklärte, Israel werde den Ort vorübergehend besetzt halten, um weitere Gefechte zu verhindern. Ziel sei, "unschuldige Zivilisten und ausländische Bewohner sowie heilige Stätten" zu schützen. Von Beit Dschala war zuvor auf die angrenzende jüdische Siedlung Gilo in Ost-Jerusalem gefeuert worden. Die Schusswechsel dauerten trotz der Besetzung am Morgen an. Bei Rafah im Süden des Gazastreifens drangen in der Nacht vier von israelischen Panzern flankierte Planierraupen etwa hundert Meter in die palästinensische Zone vor und zerstörten mehrere Wohnhäuser. Dabei wurden vier Palästinenser verletzt.

Am Montag hatten sich israelische Truppen in Gilo stundenlange Schießereien mit militanten Palästinensern geliefert, während israelische Kampfhubschrauber über der Stadt kreisten. In palästinensischen Flüchtlingslagern wurde derweil über Lautsprecher zum bewaffneten Widerstand gegen Israel aufgerufen. Der Einmarsch nach Beit Dschala wurde nach israelischen Rundfunkberichten von der Mehrheit des israelischen Kabinetts gebilligt. Außenminister Schimon Peres soll dagegen gestimmt haben.

Auslöser der Gefechte war der Angriff der israelischen Armee auf den Chef der radikalen PLO-Gruppe Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Abu Ali Mustafa. Die Armee hatte am Montag zwei Raketen auf das Büro Mustafas in Ramallah im Westjordanland gefeuert und den 63-Jährigen getötet. Drei weitere Menschen wurden bei dem Angriff verletzt. Die Armee betonte, Mustafa sei für zahlreiche Anschläge verantwortlich. Die palästinensische Autonomiebehörde sprach von einer "Kriegserklärung". Bei einem Vergeltungsschlag der PFLP am Nachmittag wurde ein jüdischer Siedler bei Nablus im Westjordanland schwer verletzt. Nach israelischen Rundfunkberichten erlag der 38-Jährige später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die US-Regierung erneuerte ihre Kritik an der israelischen Politik der gezielten Tötungen von Palästinensern. Der Sprecher des Außenministeriums in Washington, Richard Boucher, sagte, Israel müsse verstehen, dass das Vorgehen seiner Streitkräfte die Gewalt nicht beenden könne. So werde eine "bereits gefährliche Situation weiter angeheizt". Die Europäische Union, Frankreich und die arabischen Länder sowie die israelische Opposition verurteilten den tödlichen Angriff auf Mustafa.

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