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Israelische Armee dringt erneut in Nablus ein

Nach dem tödlichen Überfall auf eine jüdische Siedlerin hat Israel am Sonntag die vielfach auf Kritik gestoßenen militärischen Vorstöße auf palästinensische Gebiete fortgesetzt und drei Extremisten festgenommen.

rtr NABLUS. Im Süden Israels wurden bei einem Überfall auf einen Militärstützpunkt fünf Menschen verletzt. Israelische Truppen drangen nach palästinensischen Angaben erneut vorübergehend in die Stadt Nablus im Westjordanland ein und durchsuchten zahlreiche Häuser. Dabei seien bei Schusswechseln sieben Palästinenser verletzt worden, zwei davon schwer, hieß es in palästinensischen Sicherheitskreisen. Fünf Ladenlokale seien beschädigt worden, bevor sich die Armee nach mehr als zwei Stunden wieder zurückgezogen habe. Die israelische Armee teilte mit, sie habe im Osten der Stadt mehrere Häuser nach militanten Palästinensern durchsucht, die in Anschläge auf Israelis verwickelt sein sollen.

Zudem drang die Armee mit Panzern südlich der Ortschaft Deir el Balah im Gaza-Streifen auf ein landwirtschaftliches Anwesen vor und durchsuchte nach palästinensischen Angaben zwei Häuser. Dies bestätigte die Armee zunächst nicht.

Bei einem Überfall von zwei Männern auf einen Militärstützpunkt in der Stadt Beerscheba wurden nach Angaben der Armee fünf Menschen verletzt. Ein Sanitäter sagte im Rundfunk, offenbar seien vier von ihnen schwer verletzt. Die beiden Täter - offenbar radikale Palästinenser - seien mit einem Auto vorgefahren, hätten das Feuer vor der Kommandozentrale eröffnet und seien anschließend von israelischen Soldaten erschossen worden. Der Stützpunkt liegt in der Altstadt von Beerscheba. "Es herrscht ein großes Durcheinander", sagte ein Ladeninhaber dem Fernsehsender Channel Two. "Frauen weinen, die Menschen sind hysterisch. Wir sind hier sowas nicht gewohnt."

Am Samstag hatten Palästinenser bei Nablus nach Angaben der israelischen Armee eine Israelin erschossen und einen Israeli verletzt. Die Armee hatte daraufhin den zweiten Tag in Folge Razzien in dem palästinensischen Dorf Tamun im Westjordanland fortgesetzt. Nach Angaben der Armee wurde weiter nach palästinensischen Extremisten gesucht, die im Verbindung mit der Tötung von drei israelischen Siedlern stehen sollen. Israel ist in den vergangenen Monaten immer wieder nach Anschlägen und Überfällen auf palästinensisches Gebiet vorgedrungen, um Extremisten festzunehmen oder gezielt zu töten. Dieses Vorgehen wurde international kritisiert.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat wird nach einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Israel seit Monaten von israelischen Panzern daran gehindert, sein Büro in Ramallah zu verlassen. Dazu sagte der spanische Außenminister und gegenwärtige EU- Ratsvorsitzende, Josep Pique, im Umgang mit dem Nahen Osten müsse wieder die Politik ins Zentrum der Diskussion gestellt werden. Israel könne Arafat nicht auffordern, hart gegen Extremisten vorzugehen, "und gleichzeitig seine Bewegungsfreiheit begrenzen und einengen".

Ministerpräsident Ariel Scharon wurde am Sonntag in Israel zurückerwartet. Er hatte bei Gesprächen in Washington die US-Regierung nicht dazu bewegen können, Arafat zu isolieren. Die USA erklärten allerdings, sie würden weiterhin Druck auf Arafat ausüben, damit er gegen extremistischen Organisationen vorgeht. Seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000 sind mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen, die Mehrzahl von ihnen Palästinenser.

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