Israelische Armee im Zentrum Bethlehems
Israel will Arafat nur Ausreise erlauben

Nur wenige Stunden nach dem Osterfest ist die israelische Armee am Dienstagmorgen in das Zentrum Bethlehems vorgedrungen.

dpa TEL AVIV/BETHLEHEM. Nach palästinensischen Angaben stehen Panzer und gepanzerte Mannschaftswagen nur wenige Meter von der Geburtskirche entfernt. Aus dem Flüchtlingslager Deheische, am Fuße der Stadt Bethlehem, wurden Schießereien gemeldet. Die Armee hatte dieses Lager erst vor etwa drei Wochen besetzt und nach Extremisten durchsucht.

In Betunia bei Ramallah (Westjordanland) setzte die Armee ihre Offensive gegen das Hauptquartier der palästinensischen Geheimpolizei fort, in dem sich etwa 400 Menschen aufhalten sollen. Zuvor hatten Soldaten das Gebäude mit Maschinengewehren und Panzerkanonen beschossen. Der Chef der Geheimpolizei im Westjordanland, Dschibril Radschub, hatte bereits am Wochenende vor einem Massaker gewarnt, falls die Armee das Gebäude stürmt, in dem nach israelischer Meinung auch mutmaßliche Extremisten Unterschlupf gefunden haben sollen. Radschub hat dies bestritten.

Unter anderem vermuten die Israelis, dass sich in dem Gebäude der als Führer der Intifada geltende Anführer der Fatah-Organisation im Westjordanland, Marwan Barguti, befindet. Bei dem israelischen Angriff soll es nach palästinensischen Angaben Tote und Verletzte gegeben haben. Die Armee begann inzwischen auch mit umfangreichen Suchaktionen in der Stadt Tulkarem, die die Truppen in der Nacht zum vierten Mal innerhalb weniger Monate besetzt hatten.

Israelische Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der liberalen Tageszeitung "Haaretz" von einem Angriff auf das Hauptquartier Radschubs abgeraten, da dieser als ein möglicher, gemäßigter Nachfolger von Palästinenserpräsident Jassir Arafat gilt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon habe jedoch auf den Angriff gedrängt.

Die israelische Regierung ist offensichtlich entschlossen, Palästinenserpräsident Jassir Arafat für immer aus den Palästinensergebieten zu verbannen. "Haaretz" berichtete am Dienstag, europäischen Diplomaten sei vom Büro von Ministerpräsident Jassir Arafat mitgeteilt worden, sie dürften den in Ramallah eingeschlossenen Arafat nur besuchen, wenn sie ihn aus Ramallah bringen würden. Eine Rückkehr Arafats in die autonomen Gebiete gäbe es dann aber nicht mehr.

Nach Informationen des Blattes erwägt Außenminister Schimon Peres, Arafat die Ausreise in ein anderes Land zu gestatten, falls dieses bereit sei, ihm Asyl zu gewähren. Peres habe über diesen Vorschlag mit Ägypten und anderen Ländern diskutiert, die den Vorschlag jedoch zurückgewiesen hätten. Arafat dürfe in diesem Fall keine seiner in seinem Büro angeblich versteckten Männer mitnehmen.

Die EU und die US-Regierung haben in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass Arafat für sie der gewählte Repräsentant der Palästinenser und ihr Verhandlungspartner ist. Scharon hatte Arafat zunächst zum "Feind Israels" und am Sonntag sogar zum "Feind der Welt" erklärt. Beide Begriffe sind völkerrechtlich nicht relevant.

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