Israelische Armee töte Hamas-Kämpfer
US-Gesandter trifft belagerten Arafat

Der US-Sondergesandte Anthony Zinni ist als erster Diplomat mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zusammengetroffen, seit israelische Soldaten dessen Amtssitz in Ramallah vor einer Woche besetzten. Weitere Treffen sollen folgen.

HB/ Reuters/ Ramallah. Beide hätten für die "kommenden Stunden" weitere Treffen zwischen Vertretern der USA und der Palästinenser vereinbart, verlautete nach dem 90-minütigen Gespräch aus palästinensischen Kreisen.

Die israelische Armee tötete am Abend im Westjordanland sechs Mitglieder der radikalen Palästinenser-Gruppe Hamas. Darunter war israelischen Sicherheitskreisen zufolge auch der Drahtzieher des Selbstmordanschlags in Netanja am 27. März. Die israelische Regierung hatte mit dem Anschlag ihre am Karfreitag begonnene Militär-Offensive begründet, in deren Verlauf die Armee bis auf Jericho alle größeren Palästinenser-Städte im Westjordanland besetzte.

Das Treffen Zinnis und Arafats in dem von der Armee teilweise zerstörten Gebäudekomplex fand einen Tag nachdem US-Präsident George W. Bush eine neue Friedensinitiative angekündigt hatte, statt. Bush hatte Israel zum Rückzug aus den besetzten Palästinenser-Städten aufgefordert und will kommende Woche Außenminister Colin Powell in die Region entsenden. Zinni bemüht sich bereits seit Wochen um eine Waffenruhe.

Arafat, der wie Israels Ministerpräsident Ariel Scharon telefonisch von Powell über die US-Initiative informiert wurde, erklärte, die Palästinenser schlössen sich bedingungslos dem Vorschlag Bushs an, dass einem israelischen Abzug eine Waffenruhe und Verhandlungen folgen sollten. Israels Außenminister Schimon Peres begrüßte Bushs Forderung nach einem Stopp palästinensischer Anschläge. Man werde alles tun, damit der Besuch Powells ein Erfolg werde.

Ein genauer Termin für Powells Reise war zunächst unbekannt. Der palästinensische Minister Jasser Abed Rabbo sagte, Israel habe nun eine weitere Woche Zeit, um seine Verbrechen gegen die Palästinenser zu verüben. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete in Berlin Bushs Rede als gute Grundlage, um zu Fortschritten im Nahen Osten zu kommen. Ein gemeinsames Vorgehen Europas, Russlands, der Vereinten Nationen und der USA sei die einzige Chance auf Deeskalation und Hoffnung auf Frieden in der Region. Auch die EU-Kommission lobte die US-Initiative. Der UNO-Sicherheitsrat unterstützte die Initiative in einer Resolution.

In dem Dorf Tubas griff die israelische Armee mit Hubschraubern und Panzern ein Haus an. Dabei seien sechs Angehörige der Hamas getötet worden, sagte ein Sprecher der radikal-islamischen Bewegung. Er kündigte grausame Vergeltung an. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, unter den Toten sei auch der Drahtzieher des Anschlages im israelischen Netanja, bei dem 26 Israelis getötet worden waren. Aus mehreren Städten und Flüchtlingslagern wurden zudem Gefechte gemeldet. Bei den heftigsten wurden in Nablus neun, in Dschenin fünf Palästinenser getötet.

In Bethlehem hielten sich weiter etwa 200 Palästinenser in der Geburtskirche Jesu verschanzt, in der sich auch Zivilisten befanden. Vier Priester verließen nach Armeeangaben mit Hilfe von Soldaten und von den Palästinensern unbemerkt die Kirche. Der Franziskanerorden teilte in Rom mit, er befürchte, dass Israel die übrigen Geistlichen in der Kirche zu Geiseln erkläre und eine Erstürmung der Kirche kurz bevorstehe. Die geistlichen seien aber keine Geiseln. Sie seien freiwillig in ihrer Kirche.

Im Gaza-Streifen, im Libanon, in Jordanien, Ägypten und anderen arabischen Staaten protestierten Zehntausende nach den Freitagsgebeten gegen Israel und die USA.

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