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Israelische Luftangriffe auf palästinensische Ziele

Israelische Kampfflugzeuge haben am Sonntag Angriffe auf Palästinenser-Posten im Gaza-Streifen und im Westjordanland geflogen. Dabei handele es sich um Vergeltung für die jüngsten Angriffe militanter Palästinenser, bei denen am Samstag mindestens fünf Israelis ums Leben kamen, teilte die israelische Armee mit.

Reuters GAZA-STADT. Wenige Stunden vor den Luftangriffen drangen israelische Truppen vorübergehend in palästinensisches Autonomiegebiet bei Rafah im Gaza-Streifen ein. Dabei kam nach Krankenhausangaben ein Palästinenser- Polizist ums Leben.

Aus palästinensischen Regierungskreisen verlautete, israelische Kampfjets vom Typ F-16 seien im Tiefflug über Gaza-Stadt geflogen und hätten zwei Raketen auf das Hauptquartier der palästinensischen Sicherheitskräfte abgefeuert. Dabei seien drei Polizisten verletzt worden. Zudem sei ein erheblicher Sachschaden entstanden. Die israelische Armee teilte mit, die Flugzeuge hätten mit Erfolg das Polizei-Hauptquartier von Gaza-Stadt und weiter südlich ein Militär- und ein Polizeigebäude in Deir el Balah angegriffen. Im Westjordanland sei das Polizeihauptquartier von Salfit südlich von Nablus getroffen worden.

Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, die Luftangriffe seien eine "sehr ernste Aggression", die zu einer bedrohlichen Situation in der Region führten. Die israelische Armee bezeichnete die Angriffe als Antwort auf die Zwischenfälle am Vortag. Am Samstag hatten zwei militante Palästinenser beim Überfall auf einen israelischen Stützpunkt im Gaza-Streifen drei Soldaten getötet. Zu dem Überfall, bei dem auch die beiden Palästinenser getötet wurden, hatte sich der radikale Flügel der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP) bekannt und ihn als Vergeltung für "Israels schmutzigen Krieg der Aggression ... gegen unser Volk" bezeichnet. Nach dem Überfall hatten die Palästinenser aus Furcht vor Vergeltungsschlägen Israels alle Büros im Gaza-Streifen geräumt.

Am Samstagabend erschossen palästinensische Heckenschützen ein jüdisches Siedlerpaar, das in seinem Wagen nahe Ramallah im Westjordanland unterwegs war. Drei Menschen, darunter die beiden Kinder des Paares, wurden verletzt. Zu dem Angriff bekannte sich der militärische Flügel der Fatah-Bewegung von Palästinenser- Präsident Jassir Arafat, die El-Aksa-Brigaden. Der Sprecher der israelischen Regierung, Dore Gold, sagte, Israel werde Übergriffe gegen Zivilisten nicht dulden. Die israelische Regierung mache Arafat und die Palästinenser-Regierung direkt für die Gewalt verantwortlich.

Bei dem Vorstoß auf Rafah brachte die Armee palästinensischen Angaben zufolge mindestens sechs palästinensische Stellungen unter ihre Kontrolle. Palästinensische Sicherheitskräfte in Rafah berichteten, die Armee sei von Süden, Osten und Westen her auf Autonomiegebiet vorgedrungen und habe mit Panzern und Bulldozern drei Gebäude zerstört, darunter auch das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Rafah. Der palästinensische Polizist sei bei den Gefechten infolge des israelischen Vorstoßes getötet worden. Zwei Palästinenser hätten Verletzungen erlitten. Drei der nun von israelischen Truppen kontrollierten Palästinenser-Stellungen lägen nahe dem Grenzübergang zu Ägypten, hieß es weiter. Augenzeugen berichteten von heftigen Schusswechseln. Bei Sonnenaufgang zog sich die israelische Armee wieder zurück.

Bei dem seit rund elf Monaten anhaltenden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung starben bislang mehr als 530 Palästinenser und über 150 Israelis. Der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana, kündigte eine Schlüsselrolle der EU bei den Friedensbemühungen im Nahen Osten an. Schon in den vergangenen Monaten hätten sich die Europäer in zunehmendem Maße um die Suche nach einer gerechten und dauerhaften Lösung in der Nahost-Krise bemüht, schrieb Solana in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Um dieses Ziel zu erreichen, werde sich die EU an die Spitze der internationalen Bemühungen setzen. Der jüngste Besuch von Bundesaußenminister Joschka Fischer im Nahen Osten sei von großem Nutzen gewesen, fügt Solana hinzu. Dies bestätige die Rolle der EU in den Friedensvermittlungen.

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