Archiv
Israelische Panzer rücken in Palästinenser-Gebiete ein

Einen Tag nach dem tödlichen Attentat auf Israels Tourismus-Minister Rehawam Seewi ist die israelische Armee am Donnerstag mit Panzern in Palästinenser- Gebiete vorgerückt. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge drei Menschen getötet.

Reuters JERUSALEM. Israel drohte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat mit Vergeltung, sollte er die Attentäter Seewis nicht ausliefern. Nach Angaben der Extremisten-Gruppe PFLP nahm die palästinensische Polizei vier Mitglieder der Organisation fest. Die PFLP hatte sich zu dem Anschlag auf Seewi bekannt. In Jerusalem nahmen hunderte Israelis Abschied von dem Getöteten. Ein Arafat-Berater warf Israel vor, die Ermordung Arafats zu planen.

Noch vor dem Morgengrauen fuhr die israelische Armee mit Panzern in Ramallah und um die Stadt Dschenin im Westjordanland auf. Palästinensischen Sicherheitskreisen zufolge wurde ein Schulhof in Dschenin von einem Panzergeschoss getroffen. Dabei sei ein zehnjähriges Mädchen getötet, sechs Menschen seien verletzt worden. Während des Einmarsches in Ramallah seien zwei palästinensische Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.

Mit Blick auf die US-Militärschläge gegen die Taliban- Regierung in Afghanistan sagte Israels Kabinetts-Minister Gideon Saar, Israel werde "auf die Weise gegen die Palästinenser- Regierung vorgehen, die derzeit von der internationalen Gemeinschaft akzeptiert wird". Arafat müsse alle Verantwortlichen der Tötung Seewis an Israel überstellen. Arafat-Berater Nabil Abu Rdainah warf Israel vor, einen "kompletten Plan" zur Ermordung des Palästinenser-Präsidenten und anderer Politiker zu haben. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Seewi, der einer strikt palästinenser-feindlichen Splitterpartei angehörte, war am Mittwoch in einem Hotel in Jerusalem erschossen worden. Zu dem Anschlag bekannte sich die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Sie bezeichnete das Attentat als Rache für den Tod ihres Anführers Abu Ali Mustafa im August bei einem israelischen Raketenangriff. Aus PFLP-Kreisen verlautete, die palästinensische Polizei habe in Gaza-Stadt vier Mitglieder der Organisation festgenommen.

In Palästinenser-Kreisen hatte es zuvor geheißen, Arafat habe alle Sicherheitskräfte angewiesen, die für das Attentat auf Seewi Verantwortlichen zu suchen und festzunehmen. Arafat habe auch angeordnet, hart gegen alle vorzugehen, die gegen die Waffenruhe mit Israel verstießen.

Der mit der israelischen Fahne drapierte Sarg Seewis war vor dem Parlamentsgebäude in Jerusalem aufgebahrt. Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, er nehme "mit großem Schmerz" Abschied von einem Freund. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach den Angehörigen Seewis sowie der israelischen Regierung sein Beileid aus. Im Bundestag sagte er, das Lebensrecht Israels in gesicherten Grenzen stehe außerhalb jeder Frage. Seewi sollte im Laufe des Tages auf einem Militärfriedhof in Jerusalem beigesetzt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%