Israelische Raketen treffen Gaza
Scharon wirft Arafat Terrorismus vor

Erst beschoss die israelische Armee das Hauptquartier von Jassir Arafat, zwei Hubschrauber wurden zerstört.Dann trat Ministerpräsident Scharon vor die Fernsehkameras und sagte dem Palästinenserpräsident den Kampf an. Er verglich die Situation Israels mit dem Kampf der USA gegen bin Laden.

ap JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat am Montagabend in einer Fernsehansprache den "Krieg gegen den Terrorismus" ausgerufen und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat die direkte Schuld an der jüngsten Anschlagsserie gegen Israel gegeben. Scharon kündigte an, Israel werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zurückschlagen. Wenige Stunden vor der Ansprache griffen israelische Kampfhubschrauber und Kriegsflugzeuge das Hautquartier Arafats in Gaza sowie Ziele im Westjordanland. Scharon verglich die israelische Reaktionen auf die Terroranschläge mit dem Kampf der USA gegen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden. "Genau wie die USA unter ihrem mutigen Führer Präsident Bush in ihrer Schlacht gegen den Weltterrorismus handeln, mit all ihrer Stärke, so werden wir es tun mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen."

Arafat bezeichnete er als Haupthindernis für Frieden und Stabilität im Nahen Osten. "Arafat hat den Weg des Terrors gewählt. Er versucht mit Morden diplomatische Gewinne zu erzielen", sagte Scharon. Die Fernsehansprache erfolgte kurz vor einem Kabinettstreffen, bei dem über weitere Vergeltungsmaßnahmen nach der Anschlagsserie vom Wochenende entschieden werden sollte, der 26 Israelis zum Opfer fielen. Welche Maßnahmen er im Einzelnen ergreifen wollte, sagte Scharon in der Ansprache nicht. Israelische Kampfhubschrauber beschossen am Montagnachmittag den Helikopterlandeplatz des Arafat-Hauptquartiers in Gaza und zerstörten zwei dort abgestellte Maschinen. Arafat selbst hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in Gaza sondern in seinem Regierungssitz in Ramallah im Westjordanland auf. Am Abend griffen israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 auch Ziele in der palästinensischen Stadt Dschenin im Westjordanland an. Ziel seien ein Büro Arafats und ein Polizeigebäude gewesen, erklärte die israelische Armee. Es war das erste Mal seit mehreren Monaten, dass die Israelis F-16-Kriegsflugzeuge für Angriffe auf palästinensische Ziele einsetzte. Nach palästinensischen Berichten gab es keine Verletzten oder Tote, da das Polizeigebäude schon vor dem Angriff evakuiert worden sei. Auch aus Bethlehem wurde eine gewaltige Explosion gemeldet. Die Detonation geht nach Zeugenberichten aber offenbar auf einen palästinensischen Extremisten zurück, der eine Bombe bauen wollte. Diese sei offenkundig vorzeitig detoniert. Der palästinensische Minister Hischam Abdel Rasek kritisierte die israelischen Angriffe. Sie schränkten die Möglichkeit Arafats ein, gegen militante Gruppen vorzugehen.

Israel spricht von taktischem Schachzug

Während die Autonomiebehörde bereits am Sonntagabend den Ausnahmezustand verhängte, sperrten die israelischen Streitkräfte die Autonomiegebiete ab. Am Montag nahm die Autonomiebehörde 110 Mitglieder der militanten Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad fest. Scharon tat diese größte Verhaftungswelle seit fünf Jahren als taktischen Schachzug und "Schaufensterpolitik" ab, mit dem Arafat israelischer Vergeltung entgehen wolle. US-Präsident George W. Bush äußerte sich bislang nicht zu der jüngsten Entwicklung. Sein Sprecher Ari Fleischer erklärte, für Arafat werde die Zeit knapp.

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