Israelische Soldaten erschießen neunjährigen Jungen
Trotz Fristverlängerung: Erneute Unruhen im Nahen-Osten

Ungeachtet israelischer Appelle zur Beendigung der Gewalt und der Verlängerung des Ultimatums an die Palästinenser ist es am Dienstag erneut zu Unruhen im Nahen Osten gekommen.

afp JERUSALEM/WASHINGTON. Im Süden des Gazastreifens erschossen israelische Soldaten einen neunjährigen Jungen. Israels Ministerpräsident Ehud Barak drohte erneut mit Vergeltung für die Entführung dreier Soldaten in den Libanon. UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich trotz der anhaltenden Gewalt zufrieden über die Verlängerung der israelischen Frist. Der palästinensische Minister für internationale Zusammenarbeit, Nabil Schaath, bezeichnete das Verhalten Israels als "Kriegserklärung". Das Weiße Haus in Washington betonte erneut die Möglichkeit eines weiteren Nahost-Gipfels. Die Vereinten Nationen kündigten eine Sondersitzung des Menschenrechtsausschusses an.



Unbeteiligter Junge wurde getötet

Ärzte im Krankenhaus von Rafah erklärten den neunjährigen Sami Abu Dschasar am Nachmittag für klinisch tot. Der Junge war bei Zusammenstößen zwischen Steine werfenden Palästinensern und der israelischen Armee von Schüssen getroffen worden. Ein Fotograf berichtete, das Kind habe sich nicht an den Steinwürfen beteiligt und trug seine Schuluniform, als er von der tödlichen Kugel am Kopf getroffen wurde. Insgesamt wurden damit bei den blutigen Kämpfen seit dem 28. September 99 Menschen getötet. Israelische Soldaten verletzten in Rafah und mehreren anderen Orten im Westjordanland und im Gazastreifen zudem mindestens 16 weitere Palästinenser durch Gummigeschosse.

Barak sagte nach einem einstündigen Treffen mit Annan in Jerusalem, Israel behalte sich das Recht vor, "zu geeigneter Zeit, am richtigen Ort und mit passenden Mitteln" auf die Entführung der drei Soldaten zu reagieren. Annan sagte, den Entführten gehe es "gut". Allerdings müsse dies noch bestätigt werden. Zu seinen beiden Treffen mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat sagte Annan, er habe den Eindruck, Arafat wolle ernsthaft eine Beruhigung der Lage. Gleichzeitig begrüßte der UN-Generalsekretär die Verlängerung der israelischen Frist an die Palästinenser, die Barak in der Nacht zu Dienstag bekannt gegeben hatte. Dies sei "nützlich" für den weiteren Prozess. Der Regierungschef gab den Palästinensern nach internationalem Druck weitere "drei oder vier Tage" Zeit, um ihrerseits Signale der Entspannung zu senden.

Am Abend traf nach Annan auch der außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, in Jerusalem ein. Der Sprecher von US-Präsident Bill Clinton, Jake Siewert, sagte in Washington, ungeachtet gegenteiliger Signale aus Ägypten gehöre ein Gipfeltreffen zwischen Clinton, Barak und Arafat weiterhin zu den "Optionen, die zur Debatte stehen".



Chirac empfängt Mittwoch israelischen Minister

Schaath kritisierte das neue Ultimatum Baraks scharf. Die Politik des Regierungschefs und Verteidigungsministers diene nicht dem Friedensprozess. Die derzeitige "Logik der Gewalt" käme einer "Kriegserklärung" gleich. In Paris kündigte derweil eine Präsidentensprecherin an, der französische Staatschef Jacques Chirac werde am Mittwochnachmittag den israelischen Minister für regionale Zusammenarbeit, Schimon Peres, zu Vermittlungsbemühungen empfangen. Dies erfolge auf eine Bitte Baraks.

Unterdessen bestätigte die UNO Pläne für eine Sondersitzung ihres Menschenrechtsausschusses. Die Sitzung auf Antrag der arabischen Liga könne kommende Woche stattfinden und zwei Tage dauern, teilten Diplomaten mit. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, könne nach der Sitzung ins Krisengebiet reisen.

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