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Israelischer Außenminister spricht von "Krieg"

Drei israelische Soldaten bei Gefechten mit Palästinensern getötet - Barak kündigt entschlossene Reaktion an.

ap WASHINGTON/JERUSALEM. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist nach den Worten des israelischen Außenministers Schlomo Ben Ami zu einer kriegerischen Auseinandersetzung eskaliert. Zum Tod von drei israelischen Soldaten und insgesamt sechs Palästinensern bei Gefechten am Mittwoch sagte Ben Ami vor Journalisten in Washington: "Das ist keine Intifada (Aufstand). Das ist ein Krieg, oder ein Minikrieg, wenn Sie das bevorzugen." Ben Ami äußerte sich nach einem Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright.

Die israelischen Truppen erlitten zuvor in schweren Gefechten mit palästinensischen Kämpfern ihre schwersten Verluste seit Beginn der Unruhen. Bei Kämpfen in der Nähe des Dorfes Al Chader bei Bethelehem sowie bei Jericho wurden drei israelische Soldaten getötet. Auch drei Palästinenser wurden in dem Gefecht, in dem Israel Kampfhubschrauber und Panzer einsetzte, getötet. Im Gazastreifen waren bei anderen Zusammenstößen zuvor weitere drei Palästinenser getötet worden.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak erklärte nach einer Krisensitzung seines Kabinetts, die Streitkräfte würden "entschlossen handeln, ohne sich in Abenteurertum hineinziehen zu lassen". Der arabische Dienst des israelischen Rundfunks forderte Bewohner in zwei Vierteln von Hebron und Bethlehem auf, ihre Häuser zu verlassen. Zwei dort ansässige Fernsehsender teilten mit, ihnen sei gesagt worden, dass sie mögliche Ziele von Vergeltungsschlägen werden könnten. Barak sagte auf einer Pressekonferenz: "Israel wird angesichts der ernsten Eskalation, die von der palästinensischen Autonomiebehörde herbeigeführt wurde, nicht tatenlos herumsitzen."

Ben Ami versicherte, Israel wünsche "offene Kanäle" zu den Palästinensern. "Wir haben auch in der Vergangenheit Krisen durchgemacht und haben Lösungen gefunden." Man habe es aber nun nicht mit einen zivilen Aufstand, sondern mit einer militärischen Konfrontation zu tun. Mit Albright habe er Möglichkeiten diskutiert, Bedingungen für die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen zu finden.

Der israelische Kabinettsminister Schimon Peres und Baraks Vertrauter Gilead Scher sprachen am Abend drei Stunden lang mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Doch Peres, wie Arafat für den Oslo-Friedensprozess mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, verließ Gaza anschließend, ohne einen Kommentar abzugeben. Barak hatte zuvor erklärt, Peres habe keinen Verhandlungsauftrag. Wegen der Unruhen in den palästinensischen Autonomiegebieten werden die israelischen Streitkräfte die Reservisten einberufen, wie aus Militärkreisen verlautete.

Die jüngsten Unruhen in den palästinensischen Gebieten begannen nach einem Besuch des rechtsgerichteten israelischen Politikers Ariel Scharon am 28. September auf dem Tempelberg in Jerusalem. Mindestens 160 Menschen wurden seither getötet; bei den Opfern handelt es sich zumeist um Palästinenser.

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