Israels Armee plant "Reaktion" nach Anschlag auf Panzerbesatzung
Fischers Nahost-Mission von Anschlag überschattet

Die israelische Armee plant nach dem tödlichen Bombenanschlag auf die Besatzung eines Panzers im Gazastreifen am Donnerstagabend eine "militärische Reaktion" gegen palästinensische Extremisten.

dpa/afp GAZA/RAMALLAH. Dies berichteten die israelischen Medien am Freitag. Bei der Explosion einer etwa hundert Kilogramm schweren Bombe war bei der jüdischen Siedlung Nezarim im Gazastreifen ein israelischer Panzer zerrissen worden. Dabei starben drei Mitglieder seiner Besatzung.

Es war der schwerste Bombenanschlag in den Palästinensergebieten seit Beginn des Aufstands vor mehr als 16 Monaten. Die radikal- islamische Hamas-Organisation und eine bewaffnete Gruppe der Fatah - Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat bekannten sich zu dem Attentat.

Israelische Infanterie und Panzereinheiten waren am frühen Freitagmorgen in den Ort Seida im Westjordanland auf autonomem Palästinensergebiet eingedrungen. Sie zerstörten das Haus eines mutmaßlichen palästinensischen Extremisten und töteten ihn, als er sich weigerte, das Haus zu verlassen. Am Morgen setzten israelische Truppen ihre Suchaktion in dem palästinensischen Dorf bei Tulkarem fort.

Nach Angaben der israelischen Armee ereignete sich eine erste Explosion, als ein Konvoi mit israelischen Zivilisten nahe der jüdischen Siedlung Nezarim vorbeifuhr. Die zweite Detonation erfolgte, als ein zur Verstärkung gerufener Panzer anrückte. Die Explosionen ereigneten sich nach Fernsehangaben auf einer Straße, die Nezarim und den Grenzübergang Karni zwischen dem Gazastreifen und israelischem Gebiet verbindet.

Israelische Kampfhubschrauber überflogen in der Nacht Gaza, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Eine Panzerkolonne und Bulldozer rückten derweil nach Augenzeugenberichten vom Süden her etwa einen Kilometer weit in die autonome Palästinenserstadt vor.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) war am Donnerstagnachmittag in Israel eingetroffen, um dort über Wege zur Beendigung der Gewalt zu verhandeln. Er forderte Israelis und Palästinenser in einem Vortrag in der Universität von Tel Aviv dazu auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zu politischen Verhandlungen gebe es keine Alternative. "Ich sehe keine militärische Lösung", betonte der Außenminister, dessen Friedensmission in Israel und den Autonomiegebieten noch bis Samstag dauert. Die Gespräche müssten auf Grundlage der Verhandlungen von Camp David im Juli 2000 und im ägyptischen Taba vom Januar 2001 wieder aufgenommen werden.

Die für Israel erforderliche Sicherheit könne nicht erzwungen werden, sagte Fischer. Sie hänge vom Frieden ab. Dazu müsse das gegenseitige Vertrauen wieder hergestellt werden. Fischer warnte zugleich davor, auf eine neue Palästinenserführung spekuliert werden. Am Ende seiner Reise wollte Fischer auch mit Arafat in Ramallah im Westjordanland zusammentreffen. Nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak hatte Fischer am Donnerstagmorgen in Scharm el Scheich erneut eine gemeinsame europäische Initiative im Nahen Osten gefordert.

Der isarelische Parlamentspräsident Avraham Burg begrüßte den Vorschlag und äußerte seine Hoffnung auf eine "kreative Rolle" Europas. Er glaube an eine Lösung, sagte Burg am Donnerstag bei einem Besuch in Griechenland. Er persönlich sei "bereit für einen Dialog", betonte der Präsident der Knesset.

In New York zeigten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats besorgt über die Fortsetzung der Gewalt im Nahen Osten. Sie hätten sich der Einschätzung von UN-Generalsekretär Kofi Annan angeschlossen, der die israelischen Angriffe auf Gaza am Montag verurteilt hatte, sagte der mexikanische Ratsvorsitzende Adolfo Aguilar Zinser am Donnerstag vor Journalisten. Annan hatte gefordert, Israel und Palästinenser sollten die "Spirale der Gewalt" stoppen und an den Verhandlungstisch zurückkehren.

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