Israels Außenminister Peres sieht keine Kriegsgefahr
Heftige Angriffe Israels auf Ziele im Gaza-Streifen

Israel hat in der Nacht zum Dienstag die heftigsten Angriffe gegen Ziele im Gaza-Streifen seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes ausgeführt. Heer, Marine und Luftwaffe griffen mehr als vier Stunden lang mindestens sieben Hauptziele an, darunter das Hauptquartier der Polizei in Gaza-Stadt und Einrichtungen der Elite-Einheit von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Unterdessen ist der israelische Außenminister Shimon Peres Befürchtungen entgegen getreten, die jüngsten Eskalationen im Konflikt mit den Palästinensern und mit Syrien könnten zu einem neuen Nahost-Krieg führen.

rtr GAZA-STADT/JERUSALEM. Im israelischen Armee-Rundfunk sagte Peres am Dienstag, wenn von Krieg die Rede sei, dächten die Menschen an historische Ereignisse wie den Sechs-Tage-Krieg von 1967 oder den Jom-Kippur-Konflikt von 1973. Dies seien Ereignisse in einer Zeit gewesen, die vom Kalten Krieg bestimmt gewesen sei. Die Konflikte heute hätten indes einen völlig anderen Charakter, was ihre Ursachen, die Art ihrer Austragung und die eingesetzten Waffen angehe, sagte Peres.

Peres hatte für seine Bemühungen um Verständigung mit den Palästinensern zusammen mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat 1994 den Friedensnobelpreis erhalten. Er gehört als Sozialdemokrat der konservativen Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon an.

Der Gaza-Streifen wurde in der Nacht abgeriegelt und israelische Soldaten stießen vor. Nach ersten Angaben aus Palästinenser-Kreisen wurden mindestens eine Person getötet und 27 verletzt. Stunden zuvor hatten die Palästinenser die israelische Stadt Sderot mit Granaten beschossen.

Gaza-Streifen wird nicht auf Dauer besetzt

Nach Angaben aus Palästinenser-Kreisen schlugen Raketen in Gebäude der Elite-Einheit "Force 17" (Gruppe 17) an der Küste und in dem Flüchtlingslager in Dier el Balah ein. Auch die Lager Chan Junis und Rafah an der Grenze zu Ägypten wurden angegriffen. Planierraupen zerstörten Häuser oder mit Sandsäcken ausgebaute Stellungen der Palästinenser, von denen aus Israel zufolge jüdische Siedler angegriffen worden waren. Die Armee teilte mit, der Gaza-Streifen werde nicht auf Dauer besetzt. Die Truppen sollten nach dem Ende des Einsatzes wieder abziehen.

Der palästinensische Kabinettminister Hassan Asfur warf Israel dagegen vor, Teile des Gaza-Streifens wieder einnehmen zu wollen. Es sei klar, dass Israel das Kriegsgebiet ausgedehnt habe, sagte Asfur. Israel habe damit einen neuen und gefährlichen Schritt getan.

"Feuerwerk aus der Hölle"

"Das ist der brutalste Angriff, den wir ertagen mussten", sagte der Leiter des palästinensischen Katastrophenschutzes Muauijah Hassnein. Ein Einwohner von Gaza-Stadt sprach von einem "Feuerwerk aus der Hölle". Die genaue Opferzahl werde erst feststellen, wenn Krankenwagen in die von den Kämpfen abgesperrten Gebiete vordringen könnten, hieß es in Krankenhauskreisen. Bei der anhaltenden Gewaltwelle in den Palästinenser-Gebieten sind seit Ende September mehr als 460 Menschen getötet worden, die Mehrzahl von ihnen Palästinenser.

Die USA und die Vereinten Nationen (UNO) hatten vor den jüngsten Angriffen alle beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. Die Lage im Nahen Osten hatte sich in der Nacht zum Montag verschärft, als Israel erstmals seit fünf Jahren wieder Stellungen der Syrer im Libanon beschoss. Bei den Luftangriffen auf eine Radar-Stellung waren drei syrische Soldaten getötet und sechs verletzt worden. Syrien und andere arabische Länder sprachen von einer neuen Aggression Israels. Syrien setzte seine 35 000 Soldaten im Libanon in Alarmbereitschaft. Israel dagegen sprach von Vergeltung wegen jüngster Angriffe der von Syrien unterstützten radikal-islamischen Hisbollah-Miliz.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte, Israel und die Hisbollah verletzten Vereinbarungen über die israelisch-libanesische Grenze. Er sei besonders bestürzt über Israels Bombenabwürfe auf die syrische Radar-Station. Dies verstoße gegen UNO-Resolutionen. Annan rief beide Seiten auf, die im Juni eingerichtete Grenzlinie, die so genannte Blaue Linie, einzuhalten.

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