Israels Ministerpräsident würde Hauptstadt der Palästinenser akzeptieren
Barak: Zwei Hauptstädte in Jerusalem

Israels Ministerpräsident Ehud Barak ist bereit, in Jerusalem eine Hauptstadt derPalästinenser zu akzeptieren. Die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post" zitierte Barak am Donnerstag mit den Worten, bei einem Friedensschluss zwischen Israel und den Palästinensern werde es in Jerusalem zwei Hauptstädte nebeneinander geben.

Reuters JERUSALEM. Barak gab das Interview, während in den USA Spitzendelegationen beider Seiten einen neuen Anlauf für die Schlussphase der Friedensverhandlungen versuchen. In Jerusalem kam es unterdessen bei einem Besuch des israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem unter arabischer Verwaltung stehenden Tempelberg in Jerusalem zu Ausschreitungen.

Barak habe erstmals öffentlich die Möglichkeit einer palästinensischen Hauptstadt in Jerusalem ausgesprochen, berichtete die "Jerusalem Post". Barak sagte, "es wird Jerusalem und El Kuds geben, eins neben dem anderen, als zwei Hauptstädte". El Kuds ist der arabische Name für Jerusalem, unter dem die Palästinenser auf den Ostteil der Stadt mit den heiligen Stätten des Islams, des Christen- und Judentums Anspruch erheben. Es werde ein Jerusalem mit Dutzenden Botschaften aus aller Welt sein, "und ein Jerusalem unter Richtlinien, die wir vorgeben haben", sagte Barak. Ob eine Hauptstadt El Kuds wie von den Palästinensern gefordert den gesamten arabischen Ostteil der Stadt umfasst, sagte Barak nicht.

Barak sei zudem nicht auf den Vorschlag einer UNO-Hoheit für den Bereich des Tempelbergs in der Altstadt eingegangen, berichtete die Zeitung, sondern habe wiederholt, dass kein jüdischer Ministerpräsident die Souveränität über den Tempelberg an Palästinenser oder ein moslemisches Gremium übertragen werde. In den vergangenen Wochen gab es nach Medienberichten den Kompromissvorschlag, die UNO könne die Hoheit über den Tempelberg ausüben und Teile der Souveränitätsrechte dann an die Palästinenser übertragen. Arafat lehnte seinerseits eine jüdische Hoheit über die heiligen Stätten des Islams ab.

Nach der Tradition des Islams trat Religionsstifter Mohammed vom Tempelberg aus seine Himmelsreise an. Nach der Tradition des Judentums stand an dieser Stelle jedoch zu biblischen Zeiten dessen zentrales Heiligtum, der jüdische Tempel. Israel eroberte Ost-Jerusalem mit dem Tempelberg 1967 und annektierte es später. Die Palästinenser fordern auf der Grundlage der UNO-Resolution 242 den Rückzug der Israelis aus allen 1967 besetzten Gebieten.

Gummigeschosse und Tränengas

Mit dem "Recht jedes Juden, den Tempelberg zu besuchen", begründete der Führer des rechts-konservativen Likud, Scharon, am Donnerstag seinen Besuch auf dem Tempelberg. Bei den sich daran anschließenden Zusammenstößen zwischen hunderten protestierenden Palästinensern und der israelischen Polizei wurden nach Angaben der Polizei mindestens 25 Sicherheitskräfte und nach einem Bericht des israelischen Rundfunks zudem mindestens vier Palästinenser verletzt. Die Polizei ging mit Gummigeschossen und Tränengas gegen die aufgebrachte Menge vor, die nach Augenzeugenberichten Steine, Stühle und Metallteile auf die Polizisten warf.

Auch in Ramallah im Westjordanland gab es Zusammenstöße zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern. In der nördlich von Jerusalem gelegenen und unter palästinensischer Kontrolle stehenden Stadt schoss die Polizei mit Gummigeschossen auf eine Menge von rund 200 Palästinensern, die mit Steinen auf die Polizisten warfen und Autoreifen in Brand steckten.

Scharon warf Barak erneut zu große Nachgiebigkeit gegenüber den Palästinensern vor. Der Likud ist die größte Oppositionspartei im israelischen Parlament, in dem Baraks Minderheitsregierung wegen seiner Friedenspolitik vor mehr als zwei Monaten die Mehrheit verloren hat.

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