Ist der Nutzen der Corporate Universities messbar?
Arbeitgeber als Uni

Hochschulen und Akademien von Unternehmen sind in den USA beliebt - auch in Deutschland gibt es sie.

Manche nennen sich "Akademie", andere "Training Center", wieder andere entscheiden sich fürs akademisch klingende "University": Unternehmenseigene Hochschulen ("Corporate Universities"), die sich die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zum Ziel gesetzt haben - allerdings kein Diplom oder Examen zum Abschluss bieten.

Wie das geschieht, ist allerdings höchst unterschiedlich. Mal handelt es sich nur um virtuelle Trainingseinheiten am Computer, mal werden Manager rund um den Globus geflogen, um mit den Kollegen von der anderen Seite der Erde Erfahrungsaustausch zu betreiben. Der Kreis der Adressaten ist ebenfalls weit gefasst: vom Mitarbeiter im Call Center bis zum IT-Experten in der Computerzentrale.

In den USA und England erfreuen sich Corporate Universities steigender Beliebtheit: Nach einer Studie des englischen Henley Management Colleges gibt es bereits heute mehr als 1 600 firmeneigene Hochschulen in den USA und etwa 200 in England. Nach Schätzungen der Studie werden bis zum Jahr 2010 mehr Menschen in den USA an Corporate Universities studieren als an traditionellen Hochschulen.

Investitions ins Wissen der Mitarbeiter

Auch in Deutschland sind immer mehr Firmen davon überzeugt, stärker in das Wissen ihrer Mitarbeiter investieren zu müssen - jenseits von Englisch- oder EDV-Kursen. McDonalds, Disney, SAP, Daimler-Chrysler, Opel, Reemtsma und Motorola sind nur einige Global Players, die ihre Leute auf eigene Universitäten und Akademien schicken, um sie fit für den Aufstieg zu machen. Zu den Zielen dort gehört unter anderem: Harmonisierung der Fort- und Weiterbildung, Aufbau von intellektuellem Kapital und Fachwissen, Bindung der besten und fähigsten Mitarbeiter. Unterrichtet werden Fächer wie Leadership, Organisation, Marketing, Wissensmanagement. Nicht zuletzt dienen unternehmenseigene Akademien als Aushängeschilder der Werbung in eigener Sache.

Anders als in den USA oder England, gibt es für Deutschland jedoch keine gesicherten Zahlen über Art und Aufbau der Einrichtungen. "Sie sind nicht erfasst. Wir wissen nur sporadisch von einigen", sagt Felix Griegat vom Deutschen Hochschulverband. "Prinzipiell begrüßen wir verstärkte Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen", so Griegat. "Wir haben nur etwas dagegen, wenn sie das Wort ,Universität im Namen tragen." Das verweise nämlich auf einen "gewissen Fächerkanon und Interdisziplinarität". Wenn dagegen nur Leute zugelassen würden, die ein ganz bestimmtes Profil aufwiesen und lediglich einseitige Schulungen erhielten, dann sei der Ausdruck "Universität" nicht angebracht. Das stellt auch die Studie des Henley Management Colleges fest. Der Begriff "Akademie" sei oft besser am Platz.

Denn: "Nur wenige Corporate Universities werden völlig selbstständig oder unabhängig sein, und nur wenige werden die nötigen Schritte zur Verleihung ihrer eigenen akademischen Grade unternehmen."

Externe Dienstleister

Der Trend zur hauseigenen Universität ruft auch externe Dienstleister auf den Plan. Unternehmen, deren Aus- und Weiterbildungsabteilungen die notwendigen Schulungsprogramme, Curricula oder Lehrer nicht organisieren können oder wollen, schalten gern Bildungs-"Provider" ein. Als einziger Anbieter für beides - Inhalte plus technisches Equipment für Corporate Universities - sieht sich derzeit die Raytheon Training International GmbH (Rüsselsheim). Zu den Kunden der Tochter eines britischen Rüstungsunternehmens gehören weltweit operierende Konzerne. "Ausgerichtet an den jeweiligen Unternehmenszielen bauen wir Lernprogramme auf und gliedern sie in Trainingsabschnitte", so Christina Bolduan, Senior Consultant bei Raytheon.

Die Angebote sind sprachlich und kulturell auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt. Gelernt wird mittels Tutoren, Planspielen, im Selbstlernprogramm, web- oder computerbasiert. Als Trainer fungieren externe Experten oder Führungskräfte aus dem jeweiligen Unternehmen, die Teile ihrer praktischen Erfahrung weitergeben.

Motorola University

Wie groß ist aber der Nutzen, den Mitarbeiter aus Instituten wie der "Disney University" oder der "Hamburger University" von McDonalds tatsächlich ziehen? Das Beispiel der "Motorola University" zeigt, wie die Einrichtung als verlängerter Arm der Fort- und Weiterbildungsabteilung arbeitet. "Differenzierte Fort- und Weiterbildungsangebote gibt es bei Motorola seit rund 20 Jahren. 1998 dann haben wir unser gesamtes Training und Education-Programm unter dem Label "Motorola University subsumiert", erzählt Frieder Schrade. Er ist bei der University zuständig für Nord- und Mitteleuropa.

Allen 140 000 Mitarbeitern weltweit steht das Angebot offen, vom Englischkurs bis hin zum anspruchsvollen Curriculum, in denen Marketing-Mitarbeiter über neueste Technologien auf dem Laufenden gehalten werden. Bei der Motorola University können nicht nur die eigenen Leute vom Insiderwissen profitieren, sondern auch Großkunden, Distributoren, Key Accounts und Händler anderer Unternehmen. Im Zentrum stehe immer "die Suche nach kundenspezifischen Ideen, passgenauen Lösungen aus dem internen Wissen und von externen Quellen", sagt ein Unternehmenssprecher. "Universitätsstandort" ist bei Motorola eine der weltweit 100 Niederlassungen.

Reemtsma Marketing Akademie

Ähnliche Schwerpunkte setzt die vor drei Jahren ins Leben gerufene Reemtsma Marketing Akademie. Hier besteht die "Studentenschaft" ausschließlich aus Reemtsma-Managern aus dem Marketing, die international zusammengewürfelt werden. Dozenten sind interne wie externe Fachleute, die sich durch Qualität und Expertenwissen auszeichnen. Die Akademie findet an zehn Tagen im Jahr in der Nähe von Hamburg statt. "Networking, Erfahrungsaustausch, Wissensmanagement werden hier groß geschrieben", sagt Vera Deeg von der Personalentwicklung. Diese Art von Wissensmanagement gewinnt immer mehr an Bedeutung, weil Unternehmen erkannt haben, dass ein Großteil des tatsächlich vorhandenen Erfahrungsschatzes der Mitarbeiter nicht transparent und damit auch für andere nicht unmittelbar nutzbar ist. Das kostet Milliarden. Für den Teilnehmer der Reemtsma-Kurse liegt "ein besonderer Reiz darin, von den Kollegen anderer Unternehmensstandorte zu lernen." Gemeinsam entwickeln sie Probleme, Projekte und Planspiellösungen.

Daimler-Chrysler Corporate University

Ein anderes Beispiel einer noch jungen firmeneigenen Hochschule ist die Daimler-Chrysler "Corporate University": Dort, wo große und renommierte Universitäten ihren Sitz haben, treffen sich mehrmals im Jahr ausgewählte Manager, etwa in Harvard. "Unser Ziel ist, Führungskräfte aus allen Ebenen und aus aller Welt zusammenzubringen. Konzernziele wie Weiterentwicklung oder Leadership-Qualitäten wollen wir so implementieren", sagt Konzernsprecherin Julia Knittel. Zielgruppe sind Führungskräfte ab Bereichsleiterebene. Alle Seminare werden von externen Fachleuten geleitet, vorzugsweise Professoren der Gastgeber-Universitäten. Sie dozieren vorrangig über aktuelle Themen wie E-Commerce, Globalisierung oder das Asien-Geschäft.

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