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Ist die Fußball-Nationalmannschaft verantwortlich für den Erfolg von Mobile-Multimedia?

Da hilft das beste Spiel nichts, meint Stephan Sempert. Im Gegenteil, mit Glück kickt uns die Nationalelf in mobile Multimedia-Business, kontert Deininger.

Die Fussball-WM hätte die Chance für Portal-Anbieter sein können, ihr Angebot prominent zu vermarkten. Nur schade, dass sich die Content-Anbieter noch nicht so richtig für mobile Mehrwerte begeistern können - sagt Stephan Sempert

Ihr Kolumnist gehört zu jener seltenen Unterspezies Ihrer männlichen Artgenossen, die mit Fußball quasi gar nicht zu locken ist. Das beschert die Seligkeit der Ahnungslosen. Und in diesen Tagen so manche freie Minute.

Die man zum Beispiel für ein Wochenend-Seminar in einer anderen Stadt nutzen kann. Im ICE auf dem Weg schreckt mich dann eine Ansage aus meiner Lektüre: "Für alle Fußballinteressierten: Senegal führt gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich 1:0. Nächster Halt ist Göttingen." Oder während des Seminars: Ein Zuhörer nach dem anderen fand einen Grund den Raum zu verlassen. Um mit hochgerecktem Daumen den Spielstand gegen die Saudis flüsternd zurückzukehren.

Was lernen wir daraus? Wenn der Anlass wichtig genug ist, dann sind Menschen sehr wohl interessiert immer und überall auf dem Laufenden gehalten zu werden. Die schlechte Nachricht ist: Dafür scheint es keine mobilen Multimedia Anwendungen zu brauchen; die sozialen Netze arbeiten im Zweifel billiger und besser als die technologischen.

Daher fällt die Vorhersage, dass reine Newsduschen auch von der WM nicht wesentlich profitieren werden, nicht schwer. Interessant wird sein, ob es den Spezialisten gelungen sein wird, Angebote mit echtem Mobile Value zu entwickeln. Sowohl sports.com als auch Kicker haben sich mächtig ins Zeug gelegt. Denn der neidische Blick des Nachbarn auf das Handy mit dem WM-Mehrwert könnte ein starkes Motiv für den Abverkauf von Mobile Multimedia Handys sein.

Eine Ausrede jedenfalls wird nicht mehr gelten können. Nach dem 8:0, das ist sogar einem Fußball-Laien klar, wird es an der Nationalmannschaft nicht gelegen haben. In Deutschland jedenfalls, in Holland soll die Situation da ja eine andere sein ...

Die sind auch gar nicht nötig. Denn beim Fußball zählen Tore. Und so ist es auch im mobilen Geschäft - zumindest während er kommenden zwei Wochen, sagt Olaf Deininger.

Haben Sie einen Kofferradio? Sie erinnern sich sicher. Das Laptop-große Ding mit dem falschen Holzfurnier und dem Griff genannten Henkel, auf dem man früher Rundfunk empfing und das später vom Ghettoblaster abgelöst wurde, den man schon schultern musste, um es durch die weniger begüterten Stadtteile der Metropolen zu tragen ...

Sie haben recht: Ich habe ebenfalls kein solches Gerät mehr. Oder doch? Denn da ich mich nicht immer im Wagen (mit Autoradio) befinde, mich auch nicht immer auf einen fußballbegeisterten Schaffner mit Moderatorentalent verlassen will - es soll ja auch solche Zugführer geben, die über Fußball eher wie mein Kolumnen-Partner denken -, aus diesen Gründen habe ich einige WM-Dienste auf meinem Multimedia-Handy abonniert.

Und tatsächlich: Das brachte mir am Badesee am Wochenende bereits einige interessierte Blicke und Rückfragen ein. "Wie steht's denn?" und "Darf man mal gucken?" Einsam wird man während der Meisterschaft anscheinend nicht so schnell. Lästig wird einem dagegen eher, wie oft man erklären muss, was i-Mode ist, wie das funktioniert, was es kostet und was man sonst noch so davon hat. Da bekommt man richtig Mitleid mit dem Leuten auf den Messen, die den ganzen Tag auf die immer gleichen Fragen antworten müssen. Man wird jedenfalls - ob man das will oder nicht - zum Werbeträger und Multiplikator von mobile Multimedia.

Doch die Frage ist: Wird der mobile Mehrwert, der sich tatsächlich (noch) auf dem Niveau eines modernen Kofferradios bewegt (und Sie kennen sicher auch schon die Handy-Modelle mit eingebautem UKW-Empfänger für die sich in kürze die GEZ interessieren dürfte), nicht von der Attraktivität des Contents generell überlagert? Bietet i-Mode nicht eine Heimat für all die nomadisierenden Fußballfans?

Eindeutig ja! Die Telekommunikiationsbranche kann sich jedenfalls einstweilen bei Rudi Völler bedanken, der mitgeholfen hat, dass mobile Multimedia eine Runde weiter ist. Und sei es nur als rückkanalfähiges Kofferradio. Aber das ist doch schon was.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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