ist Managing Partner von Linklaters Oppenhoff & Rädler
Markus Hartung: Der Anwalt ohne Mandanten

Er ist ein Exot in Deutschland. Hartung ist einer der ersten Vollzeitmanager in einer Großkanzlei - ein Job, der viel diplomatisches Geschick erfordert.

Die Tür geht auf. Ein Mann im hellen Trenchcoat erscheint. "Hallo, ich bin Markus Hartung. Einen Moment noch." Wenige Minuten später ist er zurück: im schlichten grauen Geschäftsanzug. "Der Flieger hatte Verspätung", entschuldigt sich der groß gewachsene Anwalt mit der dünnrandigen Brille und der hohen Denkerstirn.

Hartung sieht müde aus. Blass und mit Stoppelbart sitzt er im Konferenzraum auf der 31. Etage eines Büroturms im Frankfurter Bankenviertel. Er kommt gerade aus London, aus der Zentrale von Linklaters Oppenhoff & Rädler. Es gibt viel Abstimmungsbedarf zwischen der britischen Kanzlei Linklaters und der deutschen Oppenhoff & Rädler, die sich Anfang des Jahres zu einer der größten Sozietäten weltweit zusammengeschlossen haben.

Und Markus Hartung ist hier in Frankfurt, in der deutschen Zentrale, eine Art Koordinator oder, wie es auf seiner Visitenkarte steht: "Managing Partner". Der 43-Jährige hat einen für Deutschland ungewöhnlichen Job. Er ist einer der ersten Anwälte, die in einer Kanzlei arbeiten und keinen Mandanten betreuen, sondern sich nur auf das Management konzentrieren.

"Ich bin zum Teil Chief Operating Officer und zum Teil Chief Executive Officer für das deutsche Geschäft von Linklaters", beschreibt er seine Aufgabe. Hartung kümmert sich um Personal, Marketing, Finanzbuchhaltung, allgemeine Verwaltung und die strategische Geschäftsentwicklung.

Revolution in der Anwaltsszene

Sein Job bedeutet eine Revolution in der Anwaltsszene. Jahrzehntelang gehörte es zur Berufsehre, selbstständig zu arbeiten und sämtliche Verwaltungsarbeit selbst zu organisieren. Außerdem mögen die Partner in Sozietäten keine Hierarchien und lassen sich nicht gerne von einem anderen Partner etwas sagen. So führt Hartungs Arbeit zwangsläufig zu Konflikten. Er spricht von einem "großen Kommunikationsbedarf" in der Kanzlei. Gegenüber den Staranwälten seines Hauses definiert er seine Rolle als "eine Art Dienstleistungsverhältnis" mit extrem anspruchsvollen Kunden.

Da sind diplomatische Fähigkeiten gefragt. Die bringt der Fachmann für Prozessführung und Schiedsgerichtsbarkeit anscheinend mit. "Ich kann gut zuhören, bin nicht konfliktscheu und habe Humor", charakterisiert er sich selbst. Hilfreich dürfte auch seine Zeit beim Landschaftsverband Rheinland sein, wo er vor seinem Jurastudium als Verwaltungsbeamter arbeitete.

Der Rheinländer hat alle Stationen durchlaufen, die es in seinem Beruf gibt. Nach dem Jurastudium in Berlin lässt er sich 1989 als Einzelanwalt im Multikulti-Stadtteil Kreuzberg nieder. "Das war meine Zeit als Liebling Kreuzberg", plaudert der Mann, der über ähnlich wenig Haupthaar verfügt wie der Star der TV-Serie, Manfred Krug.

Sozialplan als erste Bewährungsprobe

Damals will ein Freund ihn in eine Sozietät locken. "Du spinnst wohl, habe ich ihm gesagt", erzählt er heute, holt seinen Tabak heraus und dreht sich in aller Ruhe eine Drum. Aber später ändert Hartung seine Meinung. Er wechselt 1993 in eine Großkanzlei, der Vorgängersozietät von Oppenhoff & Rädler. Sechs Jahre später wird er Managing Partner weltweit.

Vor der Fusion mit Linklaters hat er seine erste Bewährungsprobe im neuen Job. Die Kanzlei will sich von einigen Partnern trennen. Hartung muss mit ihnen eine Art Sozialplan aushandeln. Das ist neu in einer Branche, in der es üblich war, einer Sozietät ein Leben lang treu zu bleiben.

Seit dem Zusammenschluss hat sich einiges verändert, auch für Hartung ("Ja, das ist wohl so"). Er ist zwar noch Managing Partner, jedoch nur noch für das deutsche Geschäft zuständig. Für das weltweite Geschäft gibt es einen britischen Kollegen. Seit wenigen Tagen hat die Riesenkanzlei zusätzlich einen Chief Operating Officer weltweit. Es gibt also für Hartung, der im obersten internationalen Gremium der Sozietät sitzt, einen Grund mehr, nach London in die Zentrale zu reisen.

Bereits jetzt pendelt er zwischen London, Berlin und Frankfurt. Nur am Wochenende ist Markus Hartung, der früher einmal Kontrabass spielte, bei seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin. "Ich bin ein Wochenendvater", sagt er, und er bedauert das.

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