IT-Branche hofft auf Investitionen
Elektronische Hundemarke soll Wachstum bringen

Als wichtigste Wachstumsauslöser für die nächsten Jahre sehen die Marktforscher von IDC elektronische Etiketten, das Telefonieren im Internet, ein verstärktes Auslagern von Prozessen der Datenverarbeitung sowie der Austausch von Email-Nachrichten im Dialog - Instant Messaging genannt. Die dafür notwendigen Infrastrukturen brauchen neue Serverrechner.

HB/ruk MÜNCHEN. John Gantz ist zuversichtlich: Die Branche der Informationstechnik wird dank neuer Techniken wieder wachsen. Dabei hat der Chefforscher von International Data Communication (IDC) aus Framingham in Massachusetts vor allem die neuen "elektronischen Hundemarken" Visier, die künftig als "Funketiketten" den Strichcode auf Paketen und Verpackungen ersetzen sollen.

Noch vor zwei Jahren Gegenstand reiner Zukunftsforschung beginnen RFID genannte, preiswerte Massenchips langsam Handel und Logistik zu erobern. Mit aktuellen Entstehungskosten zwischen 50 und 10 Cents werden die elektronischen Etiketten schon bei der Kennzeichnung von Herdentieren oder Kleidungsstücken genutzt. Das RF im Fachausdruck steht für "Radio Frequency". Das bedeutet, dass diese Chips in Funknetzen angesteuert oder abgelesen werden können.

Potential zur "Killeranwendung"

Mit einem Preis unter einem Cent werden bald sie so günstig sein, dass sie praktische auch in einfache Verpackungen wie etwa eine Milchtüte oder ein Nudelpäckchen integriert werden können. Fachleute rechnen nach heutigem Stand damit, dass jährlich bis zu 500 Milliarden Güter so markiert werden können. RFID-Chips könnte somit die "Killeranwendung", auf die in einem Investitionsstau gefangenen IT-Branche so sehnsüchtig wartet. Die dafür notwendige Infrastruktur - Server, Services und Datenbanken - würde endlich einen Weg aus dem derzeitigen Jammertal weisen.

Doch dieser Ausbau der Infrastruktur dürfte der IT-Branche erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts den erhofften warmen Regen bescheren. Bis dahin heißt es durchhalten, glauben die Marktbeobachter. Diese Einschätzung war erstmals Ende vergangener Woche auf der Fachkonferenz IDC Enterprise Server-Vision in der Silicon Valley Hauptstadt San Jose zu hören. Bis dahin darf die Branche zumindest auf ein kleines Zwischenhoch hoffen. So sei in den Jahren 2004/2005 - ausgelöst durch eine dringende notwendige Aufrüstung der IT-Systeme - eine leichte Wiederbelebung zu erwarten.

Großrechner im Hintertreffen

Die Kunden der IT-Branche setzten wegen der angespannten Lage derzeit stark auf Server des unteren und mittleren Preissegments mit Prozessoren von Intel (Xeon und Itanium) oder AMD (Opteron) an Bord. Als Betriebssystem dienen entweder die Windows Server Editionen von Microsoft oder Linux. Vor allem das Wachstum von Linux-Severn fällt auf. Nach Angaben von IDC-Analystin Jean Bozman stieg die Auslieferung von Linux-Rechnern von 173.000 im Jahr 1999 auf 598.000 in 2002. Als Umsatz ausgedrückt kletterte dieses Marktsegment von 749 Mill.$ auf zwei Milliarden Dollar.

Dabei finden sich beide Betriebssysteme - Windows und Linux - derzeit in einer Übergangsphase. Trotz allen Wachstums müssen sie erst noch beweisen, dass ihre Architektur so weiterentwickelt wurde, dass sie auch für den kritischen Einsatz in Unternehmen geeignet ist. Dabei geht es in erster Linie um die Zuverlässigkeit bei Transaktionen wie etwa Banküberweisungen, das Bezahlen mit Kredit- oder Debitkarten oder deren Überprüfung. Auch das gesamte Bestell- und Lieferwesen fällt unter diese Rubik, bei der IT in Echtzeit ausgeführt werden muss.

Das war bisher eine unangefochtene Domäne von Großrechner - IBM Mainframes oder große Unix-Maschinen von Sun oder HP. Dabei sind die Investitionszyklen deutlich länger als bei den kleineren PC-Server. Großrechner werden im Schnitt nur alle acht bis zehn Jahre ausgewechselt, während die Lebenszeit der kleineren und mittleren eher bei drei bis vier Jahren liegt. Doch die Bedeutung wächst: Hatten 1994 nur vier Prozent aller Server Windows als Betriebssystem an Bord, waren es 2002 schon stolze 60%. Eine weitere interessante Zahl aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass 2002 bereits 15% aller Datenbanken auf der Basis von Windows liefen.

Investitionsstau bei den Kunden

IDC-Forscher Gantz sieht derzeit zwei Gründe für den Investitionsstau bei den Kunden der Informationstechnik. So seien die Unternehmen nach den massiven Investitionen bis zum Jahr 2000 in neuen Maschinen nun zu einem Trend übergegangen, bei dem der eher eine Überarbeitung der bestehenden komplexen Netze im Mittelpunkt steht. Zusätzlich hätten eine Reihe besonderer Ereignisse wie Terrorismus, Krieg oder Seuchengefahr wie SARS die Finanzpläne der Unternehmen verändert.

Als wichtigste Wachstumsauslöser für die nächsten Jahre sieht IDC-Chefforscher John Gantz neben der Entwicklung der elektronischen Etiketten, das Telefonieren im Internet (Voice over IP), ein verstärktes Auslagern von Prozessen der Datenverarbeitung sowie die Netzung von Instant Messaging (Austausch von Email-Nachrichten im Dialog).

Derzeit werden nach Angaben von Gantz täglich 300 Petabits an Daten (das sind 300 Billionen) im Austausch verarbeitet. Bis 2007 sollen das bereits 5000 Petabits sein. Mit einer durchgängigen Einführung von RFID könnte diese Zahl bis 2013 dann auf unvorstellbare 100 000 Petabits pro Tag steigen.

Bei Instant Messaging rechnet IDC damit, dass sich die Zahl der Nutzer in Unternehmen von heute 20 Millionen auf 280 Millionen bis 2007 steigern. EDV-Chef hassen diesen Trend. Doch er sei, so Gantz, nicht aufzuhalten. Diese Technik wird in aufsteigender Zahl in immer mehr Anwendungsprogramme integriert.

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