IT-Branche hofft auf neuen Impuls durch den „Tablet PC“
Gates wittert Geschäft mit Notizblock-PC

Wenn Microsoft-Gründer Bill Gates das Betriebssystem Windows XP für den Tablet PC präsentiert, wird für ihn ein lange verfolgter Traum wahr: Software für einen Computer zu entwickeln, der so einfach zu handhaben ist wie ein Notizblock. Ob er der IT-Branche kurzfristig zu neuem Schwung verhilft, ist aber fraglich.

siri SAN FRANCISCO. "Ich glaube, der Tablet-PC ist unglaublich und reif für den Start", schwärmte Microsoft-Gründer Bill Gates in einem Interview mit dem US-Magazin "Business Week". Das Gerät, das Bill Gates zu solcher Begeisterung hinreißt, ist ein 1,5 Kilogramm leichter, tragbarer Computer, dessen Oberfläche wie ein Notizblock genutzt werden kann. Die Software ermöglicht es, Dokumente so zu bearbeiten, als seien sie aus Papier. So können beispielsweise Notizen an den Rand eines Textes geschrieben oder Passagen unterstrichen werden. Zudem sind die Geräte mit drahtlosem Internet-Zugang (Wi-Fi) ausgestattet. Der PC wird unter anderem von den Computerherstellern Acer, Hewlett Packard, Sony, Toshiba und Fujitsu gefertigt und wird zwischen 1 600 $ und 2 400 $ kosten. Microsoft liefert die Software: Windows XP für den Tablet PC.

Branchenbeobachter loben die Computer als wirkliche Innovation. "Die Technologie ist genial", preist die US-Zeitung "Boston Globe". Doch ob es durch das neue Gerät gelingt, die Nachfrage in der schwächelnden IT-Branche wieder zu beleben, bleibt fraglich. Frank Gillett vom Marktforscher Forrester Research räumt dem Notiz-PC langfristig gute Chancen ein. Kurzfristig glaubt er aber, dass die Kauflust für Technologie auch durch das neue Gerät nicht wieder angeregt wird. Im ersten Jahr werden nach Gilletts Einschätzung lediglich ein paar hundert der Tablet PCs verkauft werden. Analyst Alan Promisel vom Marktforscher IDC rechnet mit ähnlich schwacher Nachfrage. Er sagt voraus, dass im nächsten Jahr von den 13 Mill. insgesamt verkauften Notebook-Computern 570 000 bis 770 000 Tablet PCs sein werden.

Der Appetit der Kunden auf tragbare Geräte hat ohnehin nachgelassen. So sank die Zahl der verkauften Taschencomputer nach Berechnungen der Marktforschungsgesellschaft Gartner in den ersten neun Monaten des Jahres um 8,3 %. Während sich Privatkunden noch mit Sonderangeboten locken ließen, ist bei den gewerblichen Käufern der Bedarf stark gesunken. Doch gerade auf diese Zielgruppe setzt der neue Rechner. Der Mini-PC soll bei Besprechungen oder der Verwaltung von Lagerhäusern gute Dienste leisten.

Ein weiteres Hindernis für den erhofften Nachfrageschub: Die beiden großen Computerhersteller Dell und IBM sind nicht mit von der Partie. Sie wollen erst abwarten, wie sich der Markt entwickelt, bevor sie eigene Geräte auf den Markt bringen. Überraschend ist das nicht: Schließlich ist ein ähnliches Konzept wie der Tablet PC - das so genannte Pen-Computing - Anfang der 90er Jahre bereits gefloppt. Doch Microsoft-Gründer Gates ließ sich durch den Rückschlag nicht entmutigen und startete durch zum zweiten Versuch. Die Probleme des ersten Anlaufs wie kurze Batteriedauer und Software-Probleme mit der Erkennung der Handschriften seien behoben, sagte Gates. Bisher investierte Microsoft 400 Mill. $ in die Technologie. Weitere 70 Mill. $ sollen in die Vermarktung der neuen Software und der Geräte fließen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%