IT-Branche
Kommentar: Ein Bit Hoffnung

Die deutsche IT-Branche sieht erstmals seit langem wieder einen Silberstreif am Horizont.

Die deutsche Informationstechnologie- und Telekommunikations-Branche ist bescheiden geworden. Nach dem schweren Einbruch in den vergangenen beiden Jahren freut sich die Industrie in diesen Tagen bereits darüber, dass es im kommenden Jahr nicht weiter bergab gehen soll. Der Branchenverband Bitkom verspricht für 2003 ein minimales Wachstum von 0,4 Prozent und sieht darin ein erstes Signal für den Aufschwung. Denn in diesem Jahr müssen die früher so erfolgsverwöhnten Firmen ein bitteres Minus von 1,3 % hinnehmen - noch vor zwei Jahren undenkbar.

Jetzt sieht Bitkom allerdings erstmals wieder einen Silberstreif am Horizont. Die verhalten positive Prognose hat ihren Grund: Es gibt Anzeichen, dass der tiefe Einbruch von Computerbauern, Internet-Firmen und Telekom-Anbietern gestoppt ist. Vor allem die Chip-Produzenten geben sich außergewöhnlich optimistisch. Die meisten Analysten und Hersteller rechnen für 2003 wieder mit einem kräftigen Wachstum, nachdem es im laufenden Jahr zum zweiten Mal in Folge in den Keller ging. Die Halbleiter-Branche ist ein wichtiger Zulieferer für die gesamte High-Tech-Industrie und gilt als zuverlässiger Frühindikator.

Allzu weit will sich allerdings auch Bitkom nicht nach vorne wagen: Erst 2004, meint Verbands-Vizepräsident Willi Berchtold, sei mit einer durchgreifenden Erholung und stärkerem Wachstum zu rechnen. Denn so recht glaubt auch Berchtold - im Hauptberuf Chef des Münchener Geldnotendruckers und Kartenspezialisten Giesecke & Devrient - nicht daran, dass die Firmen ihre Investitionszurückhaltung schnell aufgeben. Viel zu oft schon hat sich die Branche zuletzt damit Mut gemacht, dass Firmen und Privatleute endlich ihre veralteten Computersysteme austauschen müssten. Doch die Leidensfähigkeit ist angesichts leerer Kassen größer als erwartet. Das gilt auch für Investitionen in die Telekommunikation, die ein ums andere Mal verschoben werden. Vor allem für die Mobilfunk-Firmen ist das derzeit laufende Weihnachtsgeschäft Gradmesser, ob neue Angebote wie digitale Kameras im Handy wirklich gekauft werden. Es steht viel auf dem Spiel für die gesamte High-Tech-Branche: Verstauben die Mobiltelefone in den Regalen der Läden, brechen Produzenten und Halbleiter-Herstellern Anfang kommenden Jahres die Aufträge weg, weil zuerst die Lager geräumt werden.

Zudem kann die Branche mit 0,4 Prozent Wachstum absolut nicht zufrieden sein: Ende der 90er-Jahre ging es Jahr für Jahr um mehr als 10 % nach oben. Einzelne Branchen wie die Chipindustrie konnten noch weit stärker zulegen. Der Chef des Halbleiter-Produzenten Infineon, Ulrich Schumacher, sieht zwar in seiner Branche ein Wachstumspotenzial von jährlich 40 Prozent. Sein Unternehmen plant aber mit wesentlich kleineren Sprüngen und wäre schon froh, wenn der Umsatz überhaupt wieder nennenswert steigen würde.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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