IT-Branche
Kommentar: Konkurrenz nimmt HP in die Zange

Entsprechend der Lage der Branche hält sich der Jubel über die ersten gemeinsamen Quartalsergebnisse des frisch fusionierten IT-Riesen HP/Compaq in Grenzen. Massive Einbrüche im PC-Geschäft sowie der lahmende Absatz von Netzwerkrechnern haben ihre Spuren auch im Zahlenwerk des weltweit zweitgrößten IT-Konzerns hinterlassen.

Zwar lassen die verantwortlichen Manager kaum eine Gelegenheit aus, auf die Punktlandung der Fusion zwischen HP und Compaq hinzuweisen. Doch nachdem sich der Pulverdampf allmählich lichtet, zeigt sich auch, dass es der "neuen HP" an einem eindeutigen Profil noch mangelt. So läuft HP Gefahr, dass spezialisierte Konkurrenten den Technologieriesen in seinen verschiedenen Geschäftsbereichen regelrecht in die Zange nehmen werden.

So trimmt der seit Frühjahr amtierende IBM-Chef Sam Palmisano den weltweit größten IT-Konzern noch stärker auf den Kurs als IT-Dienstleister für Unternehmen. Nahezu jeder zweite Dollar wird bei Big Blue nach der Übernahme von PwC aus dem Bereich der IT-Dienstleistungen stammen. Aus dem Bereich Hardware zieht sich IBM dagegen immer mehr zurück.

Bei HP ist es heute gerade einmal jeder fünfte Dollar, der mit Dienstleistungen umgesetzt wird. In drei Jahren soll es immerhin jeder vierte sein. Doch der Weg dorthin wird steinig sein. Denn die Dienstleistungen von HP und Compaq waren bisher eng an den Produkten der beiden Technologieschmieden ausgerichtet.

Im anvisierten Geschäft mit Outsourcing-Dienstleitungen für Unternehmen geben dagegen andere mächtige Konzerne wie IBM, EDS und CSC den Ton an. Und im Gegensatz zur Konkurrenz ist HP auf diesem Markt ein relativer Neuling. Dabei steht nicht in Frage, ob HP-Services mit mehr als 60 000 Mitarbeitern technologisch in der Lage ist, auf diesem Markt mitzumischen. Kritisch ist vielmehr, ob HP es schnell genug gelingen wird, sich als großer Anbieter im Markt zu positionieren.

Denn bei vielen Großunternehmen wird die Entscheidungen über eine Auslagerung der IT-Abteilung wegen des wirtschaftlichen Drucks in den nächsten Monaten fallen. Da solche Verträge mit Laufzeiten über mehrere Jahre geschlossen werden, dürften die größten Happen in absehbarer Zeit verteilt sein.

Ein ganz anderer Wettbewerber macht HP dagegen im Hardwarebereich zu schaffen. Im Verluste erwirtschaftenden Geschäftsfeld PC und Server nimmt der ausschließlich auf Computerbau spezialisierte Konkurrent Dell dem Marktführer HP/Compaq kontinuierlich Marktanteile ab. So ist es durchaus möglich, dass die weltweite Spitzenposition bei PCs Ende des Jahres an Dell verloren geht.

Weit gefährlicher könnte Dell für HP aber auf einem ganz anderen Feld werden. Auf die Ankündigung der Texaner, in den Druckermarkt einsteigen zu wollen, hat HP nicht ohne Grund mit einem sofortigen Abbruch der Geschäftsbeziehungen beantwortet. Der Geschäftsbereich Printing und Imaging erwirtschaftet derzeit weit mehr als die Hälfte aller Gewinne von HP. Sollte in diesem Geschäftsfeld ähnliche Konkurrenz erwachsen wie im Bereich der PC- und Serversparte, wäre es um die Zukunft des noch mitten im Zusammenschluss befindlichen IT-Riesen schlecht bestellt.

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