IT-Branche
SAP vertröstet auf das zweite Halbjahr

Das deutsche Softwarehaus SAP bekommt zu spüren, dass die Unternehmenskunden Investitionen auf die lange Bank schieben. Im ersten Quartal liegen die Softwareverkäufe unter den Erwartungen der Experten.

 

tnt FRANKFURT/M. Sinkende Softwareverkäufe haben bei der Walldorfer SAP AG im ersten Quartal für einen Gewinnrückgang gesorgt. Zwar stieg der Umsatz des größten europäischen Herstellers von Unternehmenssoftware dank höherer Wartungs- und Beratungserlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 % auf 1,66 Mrd. Euro. Doch mit 186 Mill. Euro enttäuschte das operative Ergebnis.

"Das erste Quartal von SAP war schlechter als vom Markt erwartet", urteilt Theo Kitz, Analyst beim Bankhaus Merck Finck & Co. Daher sei es "sehr mutig" von SAP, an der bisherigen Prognose für das Gesamtjahr festzuhalten. "Für SAP wird es sehr schwierig, die Planzahlen für 2002 einzuhalten", glaubt auch Stella Dombrowsky, Analystin bei der BHF-Bank.

Doch SAP-Vorstandsprecher Henning Kagermann setzt auf "ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr". Konkrete Anhaltspunkte, worauf sich diese Hoffnung gründet, blieb Kagermann den Analysten zwar schuldig. Doch erneuerte SAP die Prognose "den Umsatz im Gesamtjahr 2002 um rund 15 % zu steigern" und die Umsatzmarge in diesem Jahr auf einen Wert höher als 20 % steigern zu wollen. Traditionell gehören das 1. und 3. Quartal zu den schwächeren Perioden im Geschäftsjahr des Softwarehauses, im 2. und 4. Quartal stiegen die Umsätze in den Vorjahren dagegen an.

Gleichzeitig räumte Kagermann ein, dass "Unternehmen in der Region Amerika Investitionen sehr vorsichtig angegangen sind". So sind die Softwareumsätze in den USA, dem nach Deutschland zweitgrößten Ländermarkt der SAP, im Vergleich zum Vorjahr um 28 % auf 70 Mill. Euro zurückgegangen. In Deutschland sanken die Softwareerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 % auf 99 Mill. Euro. Mit einem hauchdünnen Plus von 1 % schnitt SAP allein in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika ab.

Die Höhe der Softwareumsätze sind für SAP deshalb so wichtig, da sie auf alle anderen Geschäftsbereiche der SAP wie Wartung, Beratung und Schulung mit zeitlicher Verzögerung Auswirkungen haben. So rechnet Analyst Kitz damit, dass das sich das starke Wachstum im Beratungsgeschäft "in Folge der schwachen Softwareumsätze im Laufe des Jahres abschwächen wird".

Doch trotz wachsender Skepsis, ob die hoch gesteckten Ziele in diesem Jahr erreicht werden, sind sich Experten darüber einig, dass das Unternehmen innerhalb der Branche gut positioniert ist. So konnte SAP in dem noch relativ neuen Geschäftsbereich Kundenmanagement (CRM) im ersten Quartal bei den Softwareverkäufen zulegen, während Konkurrent Siebel im selben Zeitraum rund ein Viertel weniger Software abgesetzt hat. "Vieles deute darauf hin, dass es SAP gelungen ist, Konkurrenten Marktanteile abzunehmen", sagt ein Analyst. Durch die enorm große Kundenbasis von 18 000 Unternehmen gelinge es SAP immer öfter, Konkurrenten, die sich nur auf bestimmte Teilbereiche von E-Business-Software spezialisiert haben, "an die Wand zu drücken".

Belastet hat das SAP-Ergebnis im ersten Quartal erneut die 20-prozentige Beteiligung am US-Softwarehaus Commerce One. Der Verlust des Spezialisten für elektronische Marktplätze schlug sich im Finanzergebnis von SAP mit einem Minus von 52 Mill. Euro nieder. SAP-Vorstandschef Hasso Plattner bezeichnete die Technologie von Commerce One zwar als "weiterhin hilfreiches Werkzeug". Doch der von SAP unabhängige Softwareumsatz von Commerce One ist im ersten Quartal nach Schätzungen eines Branchekenners "fast zum Erliegen gekommen". Sollte Commerce One nicht mehr zu retten sein, würden bei SAP "Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe fällig", sagt ein Analyst.

Die eigene Marktplatztochter SAP-Marktes wird zusammen mit der Tochtergesellschaft SAP-Portals nun in einen neuen Geschäftsbereich innerhalb der SAP AG mit dem Namen "Collaborative Applications" wieder eingegliedert.

Quelle: Handelsblatt

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