IT-Dienstleister rechnet mit weiterem Umsatzrückgang
Siemens-Tochter SBS speckt weiter ab

Bei Siemens Business Services (SBS) weht ein eisiger Wind: Nach dem kräftigen Arbeitsplatz-Abbau in den letzten Monaten werden die Kapazitäten weiter stark ausgedünnt.

jojo MÜNCHEN. Die 33 600 Mitarbeiter der Siemens-Tochter SBS müssen sich auf anhaltend magere Zeiten einstellen. Wegen der schwachen Auftragslage will SBS-Chef Paul Stodden im gerade begonnenen Geschäftsjahr 2002/03 nochmals 2 500 so genannte Mannjahre streichen. Entlassungen soll es zwar nicht geben. Dafür müssen die Beschäftigten aber mit geringerer Arbeitszeit auskommen: Sie dürfen weniger Überstunden machen und müssen auf Urlaub verzichten. Außerdem werden weniger Leistungen von außen eingekauft. Im vergangenen Geschäftsjahr hat SBS bereits 2 600 Jobs abgebaut.

SBS leidet wie die meisten anderen IT-Dienstleister weltweit unter einer seit Monaten andauernden Auftragsflaute. So fiel der Umsatz der Münchener im abgelaufenen Geschäftsjahr um 4 % auf knapp 5,8 Mrd. Euro. Konkurrenten wie der US-Konzern EDS leiden unter ähnlichen Einbrüchen. Die Amerikaner haben auf den Rückgang mit dem Abbau mehrerer tausend Stellen reagiert. Auch deutsche Konkurrenten wie T-Systems oder SAP SI haben angekündigt, in den kommenden Monaten massenweise Jobs zu streichen.

Niemand in der Branche erwartet eine schnelle Belebung des Geschäfts - im Gegenteil: "Die zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit sind im Markt momentan nicht mehr zu erkennen", zeigt sich Stodden pessimistisch. Der frühere Chef des Computerbauers Fujitsu Siemens rechnet deshalb für das laufende Geschäftsjahr mit einem weiter fallenden Umsatz. Einen Einbruch werde es aber nicht geben, hofft Stodden.

SBS zählt in Deutschland zu den drei größten IT-Dienstleistern (siehe Tabelle), liegt weltweit aber nur auf Rang acht. Größter Wettbewerber ist die Beratungssparte IBM vor EDS und dem Service-Geschäft des Computer-Produzenten Hewlett-Packard. Ursprünglich wollte der Technologie-Konzern Siemens seine IT-Sparte unter die Top-Fünf der Branche bringen. Doch daran ist das Management gescheitert: Im Geschäftsjahr 2000/01 lief ein Verlust von 259 Mill. Euro auf. Daraufhin wurde Sanierer Stodden geholt, der seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr die Sparte neu aufstellt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete SBS wieder einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 101 Mill. Euro.

Die Marge von 1,7 % liegt zwar nach wie vor weit unter dem Branchenschnitt von rund 8 %. Stodden sieht sich aber auf gutem Weg, das von Konzern-Chef Heinrich von Pierer ausgegebene Ziel von 5 bis 6 % im Jahr 2004 zu erreichen. "Wir haben kein befriedigendes Ergebnis erzielt", betonte Stodden gestern in München, "aber immerhin den Turn-around geschafft." Eigentlich sollte SBS die Marge bereits im kommenden Jahr erreichen. Angesichts der Branchenschwäche im IT-Bereich hat von Pierer SBS wie auch schon anderen Sparten des Konzerns ein Jahr länger Zeit gegeben, den hausinternen Anforderungen zu genügen.

SBS konzentriert sich seit Stoddens Umbau auf drei Bereiche: IT-Beratung, Outsourcing von Rechenzentren und den Betrieb von Call Centern sowie die Wartung von Hard- und Software. Die Siemens-Sparte beschränkt sich mittlerweile auf Europa und Nordamerika und gibt das Geschäft in anderen Regionen an Partner ab. Knapp ein Viertel der Einnahmen stammen aus internen Aufträgen des Siemens-Konzerns.

Einen Zusammenschluss mit anderen IT-Dienstleistern lehnt Stodden ausdrücklich ab: "Größe ist bei uns weniger bedeutend als im Produktgeschäft." Die großen Zusammenschlüsse der vergangenen Jahre seien wenig erfolgreich gewesen, unterstrich Stodden. Derzeit ist unter anderem die Telekom-Tochter T-Systems auf Partnersuche, um ihr internationales Geschäft zu verstärken. Außerhalb Deutschlands ist Siemens gut unterwegs: Gestern meldete SBS einen Auftrag über 136 Mill. Euro aus Südafrika. Das Unternehmen wird zehn Jahre lang die Informationstechnologie des Arbeitsamts des Landes betreiben.

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