IT-Konzerne arbeiten an Produkten für den neuen Multimedia-Standard MPEG-4
Mobile PC empfangen Videos

Die neue Kompressionstechnik MPEG-4 bringt nicht nur Videos mit hoher Qualität auf den Minicomputer, TV-Stationen können mit dem neuen Übertragungsstandard Werbeeinblendungen auf bestimmte Regionen zuschneiden. Und die Teilnehmer einer Videokonferenz treffen sich künftig in virtuellen Räumen.

ERLANGEN. Ein neuer Multimedia-Standard soll den Computer in eine universelle Kommunikations- und Entertainment-Maschine verwandeln. Mit dem Kompressionsverfahren MPEG-4 sollen Rechner künftig mehr Funktionen erhalten als Stereoanlage, Videokamera und Fernsehgerät zusammen. Die International Organisation for Standardisation (ISO) hat die Technik bereits abgesegnet.

Bereits heute werden Videoaufnahmen komprimiert, um Speicherplatz und Übertragungskapazität zu sparen. DVD- Player oder Settop-Box dekomprimieren die Bild- und Toninformationen dann beim Anschauen wieder. Bei der Kompression fasst der MPEG-Chip Daten-Doppler zusammen und sondert unnötige Informationen aus. Leise Töne werden herausgeschnitten, die ohnehin von lauten überdeckt werden. Zudem fällt alles weg, was unterhalb der Hörschwelle liegt. Zum Schluss werden die Bild- und Ton-Daten - die so genannten Objekte - mit Synchronisationsinformationen versehen und alternierend übertragen.

Anders als bei den älteren Kompressionstechniken kann die Videoinformation nun aus mehreren Objekten bestehen. "Dabei können natürliche und künstliche Bild- und Tondateien gemischt werden", erläutert Bernhard Grill, Abteilungsleiter am Erlanger Fraunhofer für Integrierte Schaltungen-Institut (IIS) den entscheidenden Unterschied.

Fernsehanstalten können sich neue Finanzierungsquellen erschließen

"Mit MPEG-4 ist beispielsweise ein Meeting in einem virtuellen Konferenzraum möglich", beschreibt Grill das beliebteste Szenario der MPEG-4-Visionäre. Den Teilnehmern an einer derartigen Konferenz erschließe sich der virtuelle Raum genauso wie ein realer. "Die Menschen bewegen sich frei, und man kann jeden einzelnen Teilnehmer orten", erläutert Grill.

Die Anwendungen des Standards gehen jedoch weit über den Büroalltag hinaus. Fernsehanstalten beispielsweise könnten sich mit MPEG-4 neue Finanzierungsquellen erschließen. Sie können regional unterschiedliche Werbe-Einblendungen ausstrahlen. So könnte bei einem Bundesligaspiel beispielsweise im Süden für bayerisches Starkbier und im Norden für Pils geworben werden.

Fast alle großen IT-Konzerne arbeiten derzeit an MPEG-4-Produkten. So hat Samsung beispielsweise Ende vergangenen Jahres ein Handy vorgestellt, das MPEG-4-Daten senden kann. Der US-Konzern Microsoft entwickelt Player- und Kompressions-Software und Toshiba entsprechende Chips. Die Aussichten sind viel versprechend. Die Marktforscher der In-Stat-Group in Scottsdale, Arizona, etwa rechnen für das Jahr 2004 mit einem weltweiten Absatz von 60 Millionen MPEG-4-Chips. Das wäre rund die Hälfte der Anzahl aller Intel-Prozessoren, die jährlich verkauft werden.

Bevor sich allerdings der Normalverbraucher die volle Multimedia-Pracht auf den Schreibtisch stellen kann, werden noch ein paar Jahre vergehen. "Um alle Funktionen von MPEG-4 nutzen zu können, müssen die Rechner leistungsfähiger werden", sagt Grill. Noch seien sie zu schwach, um alles bieten zu können, was der neue Multimedia-Standard theoretisch ermöglicht. Allerdings seien Vorzeigeanwendungen wie die virtuelle Konferenz mit realen Gesichtern oder auch eine Einblendung von regionaler Werbung bereits auf einem mobilen PC möglich.

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