IT- und Medienbranche haben am meisten mit dem Workaholic-Syndrom zu kämpfen
Blaue Macher

Wenn Führungskräfte zur Flasche greifen, schaden sie auch ihrem Unternehmen. Ein Therapeut passt seine Beratungen individuell an.

Bei Erfolg gibt es Schampus, bei Misserfolg Schnaps. Manchmal auch mal mehr - und schnell wird aus dem gelegentlichen Schluck eine Gewohnheit. Rund zehn Millionen Deutsche sind der Volkskrankheit Alkohol erlegen. Eine Sucht, die nicht nur ihr Privatleben bestimmt, sondern auch den Arbeitsalltag.

Wenn Führungskräfte zur Flasche greifen, dann hat dies besonders böse Folgen. "Ich hatte mal einen Manager, der mir erzählte, dass er im Laufe einiger Jahre rund 30 Millionen DM Schaden durch sein Saufen verursacht hat", erzählt Walter Jankowski. Der Suchtberater aus Essen betreut seit Anfang 2000 als Selbstständiger vorwiegend alkoholkranke Manager und Personen des öffentlichen Lebens.

Eine Marktnische, denn das Gros der Konkurrenz arbeitet in öffentlichen Einrichtungen, etwa städtischen Suchtberatungsstellen. Deren Angebot ist jedoch laut Jankowski nicht auf die Bedürfnisse von Führungskräften zugeschnitten. Zum einen sind sie oft zu unflexibel und bieten Kurse nur zu fest gelegten Zeiten an. Zum anderen dauern Therapien häufig drei bis vier Monate. Viele Entscheider können sich eine so lange Auszeit von ihrem Job nicht leisten. "Manche befürchten zudem auch, sie könnten einen Kollegen in einer öffentlichen Suchtberatung treffen", sagt Jankowski.

Therapien sind individuell abgestimmt

Der Therapeut dagegen berät ausschließlich Einzelpersonen, in Notfällen ist er innerhalb von 24 Stunden zur Stelle. Auch mit seiner Therapie passt er sich den individuellen Bedürfnissen seiner Patienten flexibel an: Wann haben sie Zeit? Wie häufig im Monat können sie sich treffen und wann passt es am besten? "Für die Entziehungskur muss man allerdings drei Wochen am Stück mindestens planen", sagt er.

Den Patienten bietet Jankowski dabei einen besonderen Service: "Ich begleite sie auf Wunsch in jede Klinik, ob in Thüringen, auf Teneriffa oder auch in die Privatklinik von Eric Clapton auf den Bahamas." Was auf den ersten Blick wie Urlaub aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit: Während der ersten Phase steht vor allem die Entziehungskur auf dem Programm. "Nach außen können das meine Patienten aber besser vor sich und anderen vertreten, wenn sie sagen ,Ich fahre jetzt für ein paar Wochen in die Karibik?."

Jankowski bietet seinen Patienten dabei so etwas wie ein Pauschalpaket an, denn er organisiert für sie den Aufenthalt in der Klinik, betreut sie während der Entziehungskur und leitet anschließend die Therapie. Wer sich möglichst weit entfernt von Kollegen, Freunden und Bekannten von seiner Sucht befreien will, hat den Vorteil, dass er Jankowski auch in seinem Heimatort jederzeit wieder treffen kann.

Workaholic - die Sucht besonders in der Medien- und IT-Branche

Spezialisiert hat sich der 56-Jährige mittlerweile auf die Medien- und IT-Branche. Dort steht eine besondere Sucht an erster Stelle der Sorgenliste, hat Jankowski festgestellt. "In der IT-Branche ist bald jeder Fünfte ein Workaholic." Arbeitssüchtige Mitarbeiter, die zur anfänglichen Freude ihres Unternehmens täglich vierzehn Stunden und mehr schuften, werden nach einigen Jahren zum Problem: Ausgebrannt scheiden sie aus dem Betrieb aus - und nehmen ihr Know-how mit.

"Eine Fachkraft in einer Therapie von seiner Sucht zu heilen, ist viel billiger, als zu warten bis es zu spät ist", argumentiert Jankowski bei seinen Kunden. "Rechnet man die Kosten für meine Dienstleistung gegen jene einer Neueinstellung und Qualifizierung hoch, dann liegt die Rendite bei etwa 300 Prozent." Das besagt auch das Ergebnis einer Studie der evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe.

15 Jahre lang sammelte Jankowski Erfahrungen als Suchtberater bei kommunalen Beratungen. Dabei stellte er fest, dass es Probleme mit Alkohol, Drogen, Medikamenten und Arbeitssucht in jedem Betrieb gibt - dass sich aber nur die großen Unternehmen einen eigenen Suchtberater leisten konnten und in Führungsetagen das Thema ein Tabu blieb.

Geschäftskonzept ist bislang aufgegangen

"Als Angestellter konnte ich nichts an dieser Situation ändern, was mich immer ärgerte", erinnert sich Jankowski. "Ich hatte die Wahl, das hinzunehmen und bis zur Rente Angestellter zu bleiben oder noch mal in die Selbstständigkeit durchzustarten."

Der Essener entschied sich für den zweiten Weg und gründete sein Beratungsunternehmen opti.net. Startgelder gab es hierfür keine. Die Banken konnten die Geschäftsidee nicht so recht einschätzen. Das sei aber kein Problem gewesen, beteuert der quirlige Mann. "Ich brauchte ja keine großen Anschaffungen" - ein Büro, Telefon, Fax, Handy und eine Sitzecke, das war alles.

Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 180 Beratungsstellen für Süchtige. "Teilweise kosten die Beratungen nur wenige Euro", sagt Wolfgang Rometsch, Leiter der Koordinierungsstelle Sucht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Doch trotz der Konkurrenz ist Jankowski zuversichtlich. Für ihn hat sich das Konzept der individuellen Beraterung bisher gelohnt. Bei einem Tagessatz von 1 300 Euro erwirtschaftete er im letzten Jahr ein Umsatzplus. Den Break-even hat er auf Grund der niedrigen Investitionskosten bereits erreicht. "Momentan reichen die Rücklagen für ein paar Monate, das ist ein gutes Gefühl."

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