IT-Unternehmen hoffen auf Outsourcing-Projekte
Die Suche nach dem Guten in der Krise

Das vergangene Jahr hat in der IT-Branche die Spreu vom Weizen getrennt. Die Wirtschaft hat nur noch in solche Projekte investiert, die ihr eine schnelle Kosten-Ersparnis brachten. Ein deutlicher Aufschwung ist für das laufende Jahr nicht in Sicht. Die Branche hofft vor allem auf ein Wachstum bei den Outsourcing-Aufträgen.

HB DÜSSELDORF. Schrumpfende Märkte, sinkende Umsätze und jede Menge rote Zahlen - für die Informations- und Telekommunikationsindustrie war 2002 ein schweres Jahr. Bitkom-Chef Bernhard Rohleder bemüht sich dennoch um Gelassenheit. "Aus Erfahrungen allgemein, aber gerade aus den schlechten, wird man klüger", sagt der Geschäftsführer des Branchenverbandes für die IT-Industrie.

Wenn das stimmt, dürften die von ihm vertretenen Unternehmen im vergangenen Jahr überproportional dazugelernt haben. Neuinvestitionen? Fehlanzeige. Potenzielle Auftraggeber hielten ihre Kassen fest verschlossen.

Eine Insolvenzwelle schwappte über die deutsche High-Tech-Welt und riss Größen wie die Heyde AG , Elsa, SER Systems, Bäurer oder das Systemhaus M+S Elektronik mit sich. Dazu gesellten sich weltweit Megapleiten wie die des Glasfaser-Riesen Global Crossing und großer IP-Carrier wie Worldcom und Genuity, die auch wegen der Selbstbedienungsmentalität gieriger Top-Manager das Zeitliche segneten.

Der blamable Abgang des UMTS-Lizenznehmers Quam verfestigte die Gewissheit, dass die mobile Datenübertragung per Handy auch 2003 keine Lizenz zum Gelddrucken wird. "Ein Jahr geht zu Ende, das so niemand mehr erleben will", fasst das Fachmagazin Computerwoche die Entwicklung zusammen.

Nicht nur Schaden

Doch der Informationstechnologie an sich hat die magere wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres nicht nur geschadet. 2002 war das Jahr der Konsolidierung, in dem die IT tatsächlich beweisen konnte, dass sie sich auszahlt. Elektronische Beschaffung ist beispielsweise mittlerweile die Regel in der deutschen Industrie - auch bei kleineren Unternehmen.

Der Autozulieferermarktplatz Supply On schloss den 1000sten Zuliefererkunden an. Unternehmen bis 500 Mitarbeiter stellen hier die Mehrheit.

Viel Neues schoben die Unternehmen im vergangenen Jahr nicht an - aber dafür mussten sie sich auch weniger mit Kinderkrankheiten von nicht ausgereiften Systemen herumschlagen. Stattdessen konnten sie etliche Projekte endlich abschließen. Beispiel Bayer AG: Nach sieben Jahren E-Procurement stellten die Leverkusener endgültig ihr Beschaffungsnetzwerk fertig. Die Einkäufer vor Ort handeln damit eigenverantwortlich, können über ein halbes Dutzend unterschiedliche B2B-Plattformen einkaufen und über das Internet auf die Stammdaten des Pharmaherstellers zugreifen.

Eine Milliarde Euro will Bayer seit Projekt-Beginn mit Hilfe der elektronischen Beschaffung eingespart haben. Allerdings: Genau zu beziffern, wie schnell sich solche Investitionen amortisieren und was der Unterhalt der Systeme tatsächlich kostet, ist bei solchen Riesenprojekten kaum möglich.

"Unsere E-Business-Aktivitäten sind allein schon durch die Prozessoptimierung, die wir damit erreichen, ein Erfolg", meint Hans-Jochen Meuer, Vice President E-Commerce bei dem Chemieunternehmen. "Zum Beispiel bei der webgestützten Beschaffung, papierlosen Rechnungsanerkennung und Online-Auftragsverfolgung. Aber solche Erfolge sind eben nicht sexy für die Medien und für die Börse."

Sparpotenzial bei internen Abläufen

Viele Unternehmen haben mittlerweile begriffen, dass webbasierte Lösungen eher dazu geeignet sind, bei internen Abläufen Geld zu sparen, als mit spektakulären Online-Shops zusätzlichen Umsatz zu machen. Und: Statt teure Standard-Softwarepakete zu kaufen, ist es oft besser, die vorhandenen Prozesse im Unternehmen genau zu analysieren und schrittweise zu verbessern.

Wie man das macht, beweist die Firma Union Technik aus Duisburg. Der 65-Mann-Betrieb kümmert sich um die Wartung und Reparatur von Tankstellen und ihrer Einrichtung. Früher fuhr gerade der Servicetechniker zu einem Kunden, der am Telefon zugab, in der Nähe zu sein. Bei den Ersatzteilen musste er hoffen, das richtige im Auto zu haben. Und die Berichte für Rechnungsstellung und die eigene Stundenabrechnung schrieb er hinterher mit der Hand.

Heute übermittelt eine webgestützte Datenbank alle Auftragsdaten mit Hilfe der Highspeed-Mobilfunktechnik GPRS an WBA, einer Mischung aus Handheld und Telefon. Und zwar genau an das Servicefahrzeug, das dem Kunden am nächsten ist. Anhand der übermittelten Informationen weiß der Techniker - jedenfalls bei Stammkunden -, welche Geräte in der betreffenden Tankstelle installiert sind. Hat er das vermutlich benötigte Teil nicht an Bord, wird es per Kurier direkt zum Kunden geschickt.

Ist der Job beendet, erstellt der Mitarbeiter in seinem WBA über ein Ankreuzformular einen Bericht, den das System sowohl für die Stundenabrechnung als auch die Rechnungsstellung an den Kunden nutzt.

Seit das Projekt vor zwei Jahren gestartet wurde, hat Union Technik die Zahl seiner Kunden um 150 Prozent gesteigert, die Zahl der Mitarbeiter lediglich um 60 Prozent. Entscheidend für den Erfolg waren zwei Systemadministratoren, die zwei Jahre lang nichts anderes gemacht haben, als die Prozesse im Unternehmen zu optimieren.

An diesem Schritt fehlt es bei vielen Konzeptionen: Bis zu sechs Prozent ihres IT-Budgets werfen deutsche Unternehmen durch schlechte Planung aus dem Fenster, ermittelte Mummert Consulting.

Auslagerung von IT-Prozessen gefragt

Neben Integrationsprojekten verspricht in 2003 vor allem die weitere Auslagerung von IT-Prozessen gute Geschäfte. IBM Global Services zum Beispiel wird in Zukunft große Teile der europäischen Infrastruktur der Deutschen Bank betreiben und erhält dafür in den kommenden zehn Jahren rund 2,5 Milliarden Euro. Laut Deutsche- Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti ist das rund eine Milliarde weniger, als das Geldhaus selbst für diese Leistungen aufwenden müsste.

Für dieses Jahr erwarten die Marktforscher der Garnter Group einen Outsourcing-Boom, auch wenn sie davon ausgehen, dass die IT-Verantwortlichen noch mindestens bis Jahresmitte knauserig mit ihren Etats umgehen. Sorgenkind bleibt laut Bitkom der Markt für Netzinfrastruktur. Insgesamt soll der deutsche ITK-Markt 2003 leicht um 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro wachsen.

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