Italien
Chancentod Toni gerät in die Schusslinie

Vom Torschützenkönig zum Chancentod - der beste Stürmer der Bundesliga hat Ladehemmung. Weltmeister Luca Toni hat bei der Euro noch nicht für Italien getroffen. Die Kritik in der Heimat ist entsprechend groß.

Ob Flugkopfball, "Bicicletta" oder Gewaltschuss - Luca Toni kann derzeit anstellen, was er will: "Toni torlos" trifft einfach nicht mehr. Elf Chancen, aber keinen Treffer verzeichnen die Statistik-Datenbanken für den Bayern-Superstar nach der Vorrunde - doch Toni selbst hat längst eine ganz andere Rechnung präsentiert. "Ich habe gegen Frankreich einen Elfmeter herausgeholt, vorher habe ich den Ball super gestoppt. Dies zählt wie ein Tor für mich, daher bin ich zufrieden", sagt "Il Bomber".

Die Meinung hat er fast exklusiv: Denn auch die Lobeshymnen in der "Stampa", die Toni als "Panzer" und "Fußball-Kaiser" feierte, haben an Überschwang nachgelassen. Luca Toni, man wagt es nach einer herausragenden Bundesliga-Saison kaum zu sagen, steckt derzeit in einer kleinen Krise. "Luca hat gegen Frankreich wie ein Löwe gekämpft, aber zwei Riesenchancen auf dem Gewissen", schrieb die Gazzetta dello Sport, "er ist offensichtlich müde."

Jetzt wartet ganz Italien auf die große Explosion. "Wir haben eine Chance auf einen Triumph, auch wenn Toni nicht in bester Verfassung ist", sagte Ex-Nationaltrainer Dino Zoff nach dem Viertelfinaleinzug: "Besser wäre es jedoch, wenn er wieder mal treffen würde."

Bislang sind noch Abwehrspieler (Christian Panucci) oder Mittelfeldspieler (Andrea Pirlo, Daniele De Rossi) in die Bresche gesprungen, doch Toni weiß, dass man ohne einen Stürmer in Topform wohl nicht den EM-Titel gewinnen wird. "Ich muss treffen, damit wir Europameister werden", meint er. "Herr Luca" (Gazzetta dello Sport), der in Deutschland sensationelle 39 Tore in 46 Pflichtspielen erzielte, hat lange schon nicht mehr am rechten Ohr geschraubt.

416 Minuten ist er jetzt ohne Tor, oder nach seiner Rechnung 65, weil ja der Foulelfmeter kam, als er den Ball mit der Fußspitze in Kopfhöhe stoppte. Das letzte seiner 15 Tore für die "Nazionale" erzielte er am 6. Februar gegen Portugal, das 1:0 beim 3:1 in Zürich. Bei der EM hat er in der Vorrunde die meisten Fehlschüsse (9) abgegeben.

Toni in der Krise, oder, wie Allenatore Roberto Donadoni sagt, "in einer nicht einfachen Phase". Die Torflaute beunruhigt Donadoni nicht, die Diskussionen um die einzige Spitze schon gar nicht. "Ich glaube nicht, dass er seinen Mitspielern die Räume raubt, wie viele behaupten. Vielmehr hat er in der Meisterschaft Energien verbraucht, deswegen haben es viele Abwehrspieler einfacher." Für den Franzosen Eric Abidal gilt das nicht. Er konnte Toni nur per Foul stoppen und sah die Rote Karte.

Immerhin die Note sechs auf der Skala von eins bis zehn, da waren sich die Gazetten von Tuttosport bis zum Corriere dello Sport einig, hatte sich "Herr Toni" gegen Frankreich redlich verdient. Es ist nicht genug. Nicht für ihn, nicht für den Titel. Es muss nun mal der Knoten platzen, ein Stolpertor, ein Abstauber, irgendwas. "Dann treffe ich wieder wie vorher", verspricht Toni. Italien, schrieb der Corriere dello Sport vor Turnierbeginn, braucht ihn wie nie zuvor. Am besten im Viertelfinale, am Sonntag in Wien gegen Spanien.

© SID

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