Italien fürchtet WM-Aus
Schicksalstag für "Trap"

Italien zittert um den Einzug ins Achtelfinale. Nach dem Ausscheiden der Favoriten Frankreich und Argentinien werden Erinnerungen an das Fiasko von 1966 wach. Damals reisten die Italiener nach einer 0:1-Niederlage gegen Nordkorea vorzeitig nach Hause und wurden dort von wütenden Fans mit Tomaten und Eiern beworfen. Spielmacher Totti beschwört unterdessen den Zusammenhalt der "Squadra Azzurra" - vor allem gegen die Vorschusskritik der Medien.

dpa OITA. Schicksalstag für den "Maestro". Eine Niederlage im letzten WM-Gruppenspiel am Donnerstag in Oita gegen Mexiko (13.30 Uhr MESZ) würde nicht nur das erstmalige Vorrunden-Aus Italiens seit 28 Jahren bedeuten und nach Frankreich und Argentinien die dritte Fußball-Großmacht in Trauer stürzen. Sie würde gleichzeitig wohl auch die Ära von Nationaltrainer Giovanni Trapattoni beenden.

Italien benötigt einen Sieg zur sicheren Achtelfinal- Qualifikation, den bereits zwei Mal erfolgreichen Mexikanern genügt ein Unentschieden. Der 63-jährige Trapattoni hat seinen Stuhl bei einem Scheitern bereits angeboten. Doch an ein Fiasko wie 1966, als die Italiener durch eine 0:1-Niederlage gegen Nordkorea nach der Vorrunde die Koffer packen mussten und auf Geheimwegen nach Hause zurückkehrten, wo sie von wütenden Fans mit Tomaten und Eiern beworfen wurden, verschwendet Trapattoni keinen Gedanken.

Vielmehr beschwört Italiens erfolgreichster Coach permanent den Teamgeist der sich selbst zum Titel-Favoriten erklärten "Squadra Azzurra" und will erstmals mit drei Offensiv-Kräften zur großen Tat schreiten. "Ihr müsst euch opfern", fordert der in der Heimat nach der 1:2-Niederlage gegen Kroatien heftig attackierte Coach, dessen sanfte Gesichtszüge scharfen Konturen gewichen sind. Was auch daran liegt, dass "Trap" erneut nicht seine Bestbesetzung aufbieten kann. Spielmacher Luigi Di Biagio (Inter Mailand) fehlt wegen einer Zerrung in der rechten Wade.

Während Kapitän Paolo Maldini und die Mittelfeldspieler Cristiano Zanetti sowie Christian Panucci wieder fit sind, ist der Einsatz von Abwehrchef Alessandro Nesta weiter ungewiss. Das Abschlusstraining absolvierte der am linken Fuß verletzte Verteidiger mit einem orthopädischen Spezialschuh. "Von seinem Mitwirken wird die endgültige Aufstellung abhängig sein. Meine Entscheidung werde ich erst in allerletzter Minute fällen", erklärte Trapattoni, dessen Team-Leitung vom Nesta-Club unerwartet unter Druck gesetzt wurde.

Einen Tag vor dem Match flatterte ins Hotel ein Fax aus Rom. Darin forderte der Verein, dass Nesta nicht fit gespritzt werden dürfe. Die finanziell klammen Römer wollen Nesta unbedingt verkaufen. Summen bis zu 30 Millionen Euro stehen im Raum, Angebote liegen vor von Real Madrid, Juventus Turin sowie Inter und AC Mailand.

"Ein zweites Frankreich wird es nicht geben. Für uns wird das Abenteuer nicht in Oita enden", beruhigte Mittelfeldstratege Francesco Totti die geschundenen Fußballseelen seiner Landsleute und versprach: "Das Spiel gewinnen wir und ziehen ins Achtelfinale ein."

Von den provozierenden Tönen in den Medien lassen sich die abgezockten Profis jedenfalls nicht verrückt machen. "Der Tag des Urteils ist gekommen", titelte die "La Repubblica", was bei Maldini das trotzige "Jetzt-erst-Recht-Gefühl" noch zusätzlich anstachelte. "Wir sind eine verschworene Truppe, wir haben einen Pakt, wir stehen zusammen bis zum Ende", propagiert Totti.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%