Italien leidet und hofft
„In Hochachtung, Verehrung und Freundschaft“

Italien argwöhnt, Italien leidet, Italien hofft. Und die Azzurri-Anhänger umschmeicheln den niederländischen Trainer und Ex-Mailänder Marco van Basten - weil es wie Frankreich eine Verschwörung zugunsten der Rumänen fürchtet. Und natürlich hat sich auch der Lehrmeister aus gemeinsamen Tagen zu Wort gemeldet.

TENERO. Italien argwöhnt, Italien leidet, Italien hofft, und natürlich hat sich auch der Lehrmeister aus gemeinsamen Tagen zu Wort gemeldet. "Lieber Marco", schrieb Arrigo Sacchi in einer Kolumne für die "Gazzetta dello Sport", "wir hoffen, dir nicht nur für den schönen Fußball deiner Mannschaft zu danken, sondern auch für den Gefallen, den du deinem alten Weggefährten Roberto und all deinen italienischen Bewunderern tun könntest. In Hochachtung, Verehrung und Freundschaft, Arrigo."

1987 kamen sie gemeinsam zum AC Mailand, der Trainer Arrigo Sacchi und der Spieler Marco van Basten. Roberto Donadoni, heute (noch) Italiens Nationaltrainer, war da schon ein Jahr da. Unter Sacchi revolutionierte Milan den Fußball, mit dem Stürmer van Basten, mit dem Flügelspieler Donadoni, mit Gullit, Rijkaard und Baresi. Eine stilbildende Mannschaft, so nah an der Perfektion wie keine andere seitdem, getragen zumal von einem Geist der Freundschaft. An all das soll sich Marco van Basten gefälligst erinnern, jetzt, da das Schicksal Italiens in seinen Händen liegt.

Van Basten ist mittlerweile Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, die heute gegen Rumänien ihr letztes Gruppenspiel bestreitet. Bedeutungslos für sie, bedeutungsschwanger für van Bastens alte Wahlheimat. Verlieren die Holländer, sind Italien und Frankreich definitiv ausgeschieden, egal, was sie gegeneinander anstellen. Und weil die Italiener, aus Erfahrung mit ihrem eigenen Fußball wie mit vergangenen Turnieren, nicht unbedingt an den sauberen Sport glauben, kursieren die Verschwörungstheorien.

"Ein neuerliches Ausscheiden wegen eines Kombinats wie vor vier Jahren beim 2:2 zwischen Schweden und Dänemark wäre schwer zu verdauen", sagt Torwart Gianluigi Buffon. Damals, bei der Euro 2004, erzielten die beiden Skandinavier exakt jenes Resultat, das sie unabhängig vom parallelen Sieg der Italiener gegen Bulgarien ins Viertelfinale brachte. "Das Ganze scheint mir wie ein Film, den ich bereits kenne", sagt Giovanni Trapattoni, damals Nationaltrainer.

Es gibt einen naheliegenden Grund, warum die Niederlande heute lieber verlieren könnten - ihr eigenes Interesse. Verhelfen sie Italien oder Frankreich ins Viertelfinale, würden sie nach dem geänderten Turniermodus womöglich schon im Halbfinale wieder auf den Welt- oder Vize-Weltmeister treffen. Zwar schwächelten beide bisher, aber es handelt sich um Turniermannschaften mit dem Gespür für den Moment. Kaum vorstellbar, dass Holland sich ihrer wieder so locker entledigen könnte wie in der Vorrunde.

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