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Italien nach Schwedenspiel in Untergangsstimmung

Port (dpa) - «Addio Europa»: Italien verfällt nach dem verspielten Sieg gegen Schweden in Untergangstimmung. Der Gruppen-Erste steht hingegen nach dem 1:1 (1:0) gegen die «Azzurri» mit mehr als einem Bein im EM-Viertelfinale.

Port (dpa) - «Addio Europa»: Italien verfällt nach dem verspielten Sieg gegen Schweden in Untergangstimmung. Der Gruppen-Erste steht hingegen nach dem 1:1 (1:0) gegen die «Azzurri» mit mehr als einem Bein im EM-Viertelfinale.

«Das war's, wir sind so gut wie draußen», klagte «Il Secolo XIX». Der Vize-Europameister ist selbst bei einem Sieg gegen Bulgarien auf Schützenhilfe angewiesen. «Wir müssen auf die Fairness der Skandinavier hoffen», gibt Nationaltrainer Giovanni Trapattoni zu, der in Italien wegen seiner umstrittenen Auswechslungen zum großen Sündenbock für das nach fulminantem Start doch noch gescheiterte Comeback der «Azzurri» gebrandmarkt wurde.

Schon mit einem 2:2 im letzten Duell könnten Schweden und Dänemark gemeinsam in die nächste Runde einziehen. «Wir spielen aber, um zu siegen», betonte Zlatan Ibrahimovic, der mit seinem grandiosen Hackentor fünf Minuten vor Abpfiff die Italiener aus allen Träumen gerissen hatte. «Als der Ball reinging, habe ich mich wie auf einem anderen Planeten gefühlt», sagte der gebürtige Jugoslawe nach dem «wichtigsten Tor» seiner Nationalelf-Karriere. «Das war wunderbar», lobte Trainer Lars Lagerbäck seinen Stürmerstar. Der Coach gab aber zugleich zu, dass das Unentschieden für sein «Drei Kronen-Team» «etwas glücklich» war.

Eine Stunde lang hatten die im Auftaktspiel (0:0 gegen Dänemark) noch jämmerlich schwachen «Azzurri» grandiosen Angriffsfußball gezeigt und die fast 15 000 Schweden-Fans im Estadio do Dragao verstummen lassen. «Das war die beste Leistung aller Teams dieses Turniers», lobte Trapattoni. Ohne seinen nach der Spuck-Affäre gesperrten Spielmacher Francesco Totti kämpften die Italiener mit dem Mute der Verzweiflung. Die knapp 4000 Tifosi rieben sich verwundert die Augen: Die taktisch und personell umgestellten Italiener mit Milans Andrea Pirlo als Mittelfeld-Regisseur und AS Roms Antonio Cassano als Totti-Ersatz überrannten die Schweden über die Flügel.

Nachdem Trapattoni unter Pfiffen der Tifosi erst den Torschützen Cassano und dann Del Piero herausgenommen hatte, um mit Defensiv-Kräften auf Nummer sicher zu gehen, gerieten die dann eingeschnürten Italiener stärker unter Druck. «Nicht wir haben defensiver gespielt, der Gegner wurde stärker», rechtfertigte sich der attackierte «Trap». Den fleißigen Gennaro Gattuso habe er nur wegen einer Verletzung herausgenommen. Italiens Presse ließ die Erklärungen des früheren Bayern-Coaches aber nicht gelten und warf ihm den Rückfall in seinen alten «Angsthasen-Fußball» vor. Für das Gruppenfinale am Dienstag, in dem die Leistungsträger Fabio Cannavaro und Gattuso (Gelb-Sperren) fehlen, hilft den «Azzurri» nun nur noch eins - das Prinzip Hoffnung.

Die dänischen Spaßfußballer müssen trotz des ersten Erfolges, mit dem 2:0 (1:0)-Sieg im zweiten Gruppenspiel gegen die schon ausgeschiedenen Bulgaren bei der EM in Portugal, vor dem Nachbarschafts-Duell mit Schweden um den Einzug ins Viertelfinale bangen. Den Dänen droht im «Rechenschieber-Finale» der Gruppe C schlimmstenfalls das Turnier-Aus ohne Niederlage und Gegentor. «Das Unentschieden zwischen Italien und Schweden war nicht gut für uns. Jetzt sind wir in der Situation, dass eventuell ein Unentschieden gegen Schweden nicht reicht», meinte Mittelstürmer Ebbe Sand. Trainer Morten Olsen nahm es mit Humor und witzelte grinsend: «Wir wollen im letzten Spiel einen Deal machen und mit Schweden in die nächste Runde einziehen».

Die Lage vor dem «skandinavischen Derby» zum Gruppen-Ausklang ist klar: Vorausgesetzt, dass Italien gegen Bulgarien gewinnt, zieht der Sieger aus Dänemark - Schweden mit den Italienern in die nächste Runde ein. Bei einem Unentschieden zwischen den Nordländern zählt der direkte Vergleich aller drei Teams und somit das Torverhältnis untereinander. Schweden wäre dann auf jeden Fall qualifiziert. Dänemark auch, wenn es mindestens 2:2 ausgeht. Bei einem 0:0 scheidet Dänemark aus, bei einem 1:1 auch, wenn Italien höher gegen Bulgarien gewinnt als die Dänen dies beim 2:0 tat.

«Wir werden sehen, welches Ergebnis wir gegen Schweden brauchen. Es wäre in jedem Fall schöner, gegen sie im Finale zu spielen», sagte Olsen nach dem gelungenen Auftritt seines Teams, das als einziges noch ohne Gegentor im Turnier ist. Gegen die desolaten Bulgaren, die nach der 0:5-Auftaktpleite gegen Schweden völlig verunsichert waren, genügten dem Europameister von 1992 eine starke erste Halbzeit und die Führung durch Torjäger Jon Dahl Tomasson (44.), ehe ausgerechnet Jesper Grönkjaer in der Nachspielzeit der zweite Treffer gelang.

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