Italiener überholen Bordeaux und Beaujolais
Italienische Weinberge bergen goldene Schätze

Noch nie war im Vorfeld des international beachteten Branchentreffens "Vinitaly", der heute in Verona seine Pforten öffnet, die Stimmung derart euphorisch. Zwar sinkt seit Jahren die Herstellungsmenge (2001: minus 4 %) italienischer Weine, was aber durch deutliche Qualitätsverbesserungen und den damit zusammenhängenden Preissteigerungen überkompensiert wird.

 

MAILAND. Der Umsatz des Weinsektors dürfte laut Schätzungen um gut 5 % auf über 9 Mrd. Euro gestiegen sein. Nach einer Studie des "Osservatorio Salone del Vino" haben sich rote Qualitätsweine aus Italien (DOC oder DOCG) im vergangenen Jahr durchschnittlich um 24 % verteuert. Die saftigsten Preiserhöhungen konnten die Hersteller des Chianti Colli Senesi, der um die Stadt Siena angebaut wird und jene des Exportschlagers Chianti Classico mit 92,5 % bzw. 70 % durchsetzen.

In dieses Bild passt, dass die Italiener im letzten Jahr die Franzosen auf dem wichtigen US-Markt überholt haben. Mit einem Wert von 515 Mill. $ haben Weine "Made in Italy" 15 Mill. $ mehr erlöst als französische Erzeugnisse. Der US-Importanteil ist um 11 % auf jetzt 37 % nach oben geschnellt, während Bordeaux und Co. bei eine Quote von 21 % stagniert. Die italienischen Winzer verdanken die Dynamik in erster Linie teuren, exklusiven Tropfen, die immer stärker von den Amerikanern geschätzt werden.

Auf den berühmt-berüchtigten Listen des amerikanischen "Weinpapstes" Robert Parker tauchen immer mehr italienische Etiketten jenseits der 90-Punkte-Grenze auf, was in der Regel sowohl den Absatz als auch den Preis in luftige Höhen befördert.

2001 hat das US-Branchenblatt "Wine Spectator" mit dem "Ornellaia" von Ludovico Antinori das zweite Jahr in Folge einen Wein aus der Toskana zum Besten der Welt auserkoren. 2000 stand der "Solaia" von den Marchesi Antinori auf dem Siegertreppchen. Angesichts so vieler Lorbeeren bleibt der wirtschaftliche Erfolg nicht aus. Laut einer Studie der Investmentbank Mediobanca hat sich die Eigenkapitalrendite renommierter italienischer Weinkellereien zwischen 1996 und heute von 4,2% auf 10,2% erhöht.

Diese Daten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt gespalten ist. Während die Kellereien mit Qualitätsanspruch immer höhere Margen durchsetzen, bricht die Nachfrage im Billigpreissegment der mengenmäßig dominierenden Tafelweine mehr und mehr ein. Ezio Rivellina - Präsident des Herstellerverbandes UIV - glaubt, dass dieses Ungleichgewicht die Branche in Zukunft vor ernste Probleme stellen wird: "Schließlich kann eine gesunde Weinwirtschaft nicht ausschließlich auf Spitzenprodukte bauen." Eine These, deren Richtigkeit aber von immer mehr italienischen Winzern angezweifelt wird. Denn sie wissen: Spätestens mit der Osterweiterung der EU wird der Markt von Massenweinen überschwemmt. Spätestens dann zählt nur noch Klasse.

Davon will auch Francesca Planeta aus dem sizilianischen Agrigent mit ihrem hochdekorierten Planeta-Chardonnay profitieren. Die Winzerin will ihren Umsatz von 4,6 Mill. Euro bis 2006 vervierfachen.

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