Italienische Bank übernimmt mit der Allianz die kroatische Bank
Unicredito drängt mit Macht nach Osteuropa

Die italienische Großbank Unicredito Italiano ist beim Aufbau ihrer Auslandsaktivitäten ein Stück weiter gekommen. Zusammen mit der Allianz übernimmt sie die kroatische Geschäftsbank Zagrebacka Banka. In Mittel-Osteuropa weist das Netz der Bank allerdings noch Lücken in wichtigen Ländern auf.

MAILAND. Licht und Schatten, liegen zurzeit im Hause des Unicredito Italiano, einer der drei führenden italienischen Banken, dicht beieinander. Nachdem der dynamische Vorstandschef Alessandro Profumo vor etwa sechs Wochen durch das Scheitern der Fusionsgespräche mit der Commerzbank eine herbe Niederlage hatte einstecken müssen, konnte er am Dienstag bezüglich seiner Expansionsstrategie nach Mittel- und Osteuropa einen weiteren Erfolg feiern.

Die größte kroatische Geschäftsbank, Zagrebacka Banka, hat einem gemeinschaftlichen Übernahmeangebot des Unicredito und des Münchener Allianz-Konzerns zugestimmt. Für 604 Mill. Euro in neuen Unicredito-Aktien und Bargeld erwerben die Partner jene 80 % des Kapitals der Bank, das sie noch nicht besitzen. Im Frühling waren sie mit einer Beteiligung von je 10 % bei der Zagrebacka eingestiegen. Am Ende der Operation wird Unicredito 85 %, die Allianz 15 % der Bank halten. Unicredito wird aus wettbewerbsrechtlichen Gründen seinen Mehrheitsanteil an der Splitska Banka, dem drittgrößten Institut des Landes, verkaufen müssen.

Damit haben Unicredito und Allianz zum dritten Mal gemeinsam in den Märkten Mittel- und Osteuropas zugeschlagen. Die zwei Konzerne kontrollieren bereits die größte bulgarische Bank, Bulbank, sowie das größte polnische Kreditinstitut, Pekao. Außerdem besitzt Unicredito noch ein kleineres Institut in der Slowakei namens Polnobanka.

Die Operationen erfolgen stets nach dem selben Muster: Unicredito übernimmt die unternehmerische Führung und den größeren Anteil der Aktien, die Allianz öffnet die Türen und nutzt die Banken als Vertriebnetz. Den Italienern nutzen die Erfahrungen in der Sanierung und Umstrukturierung von Banken auf dem heimischen Markt. Heute gilt die Gruppe mit einer Eigenkapitalrendite von 20 % und einem Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen von 50 % als eine der besten Banken Europas.

Die Märkte in den Regionen des ehemaligen Ostblocks sowie des Balkans sind Analysten zufolge äußerst attraktiv. Erstens wachsen die Umsätze der Finanzbranche dort um 5 % bis 7 % jährlich. Zweitens ist die Filialdichte bei weitem nicht so groß, wie in Westeuropa, was auf einen geringeren Wettbewerbsdruck schließen lasse.

Für den Unicredito ist die Übernahme der Zagrebacka Banka ein wichtiger Strategie-Baustein. Da eine weitere Expansion in Italien, das wie Deutschland als "overbanked" gilt, nicht möglich erscheint, muss dem bislang dominierenden Inlandsgeschäft ein adäquates ausländisches Standbein beigestellt werden. Aktuell summieren sich die Aktivitäten des Konzerns in "new europe", wie Vorstandschef Profumo die Region nennt, auf 15 % der Bilanzsumme. Bis 2003 soll das Gewicht auf 25 % wachsen.

Analysten weisen aber darauf hin, dass die italienische Bank auf der Landkarte Mittel- und Osteuropas noch große Lücken aufweist. So fehlen ihr vor allem Engagements in Ungarn und Tschechien, den neben Polen dynamischsten Ländern der Region. Größte Priorität wird daher im Unicredito dem Bieterkampf um die tschechische Großbank Komercni Banka eingeräumt, die in diesen Monaten privatisiert wird. Neben den Italienern interessieren sich die Hypovereinsbank sowie die französischen Institute Société Générale und Credit Agricole für die 60 % der Komercni Banka, die zum Verkauf stehen. Hypovereinsbank ist nach der Fusion mit der Bank Austria der wichtigste ausländische Player in Mittel- und Osteuropa.

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