Italienischer Konzern will durch Kapitalmaßnahmen 17 Mrd. Euro einnehmen
Olivetti reißt Pirelli mit in die Tiefe

Pläne, die drückende Schuldenlast von Olivetti radikal zu reduzieren, haben panische Marktreaktionen ausgelöst. Die Papiere, die mit einem Anteil von 55 % Telecom Italia (TI) kontrolliert, stürzten an der Mailänder Börse zwischenzeitlich um über 13 % ab und mussten mehrmals vom Handel ausgesetzt werden.

HB MAILAND. Seit der gemeinschaftlichen Übernahme des Unternehmens durch den Reifen- und Kabelkonzern Pirelli und den Textilfabrikanten Benetton vor knapp sechs Wochen, hat sich der Börsenwert von Olivetti nahezu halbiert.

Auslöser der gestrigen Verkaufswelle war eine Mitteilung Olivettis, das Gesellschaftskapital um 7 Mrd. Euro zu erhöhen sowie Wandelschuldverschreibungen (convertible bonds) im Wert von 10 Mrd. Euro zu platzieren.

Die beiden Maßnahmen im Gesamtvolumen von 17 Mrd. Euro sollen von einer außerordentlichen Hauptversammlung Mitte Oktober abgesegnet und innerhalb der kommenden fünf Jahre umgesetzt werden. Beobachter gehen aber von wesentlich kürzeren Fristen aus.

Ziel ist der fast vollständige Abbau des hohen Schuldenbergs von Olivetti, der aktuell mit 17,5 Mrd. Euro beziffert wird. Größtenteils resultieren die Verbindlichkeiten aus der fremdfinanzierten feindlichen Übernahme der Telecom Italia im Frühjahr 1999. Als mittelfristige Perspektive schließen der Holding nahestehende Kreise eine Fusion von Olivetti mit der Konzerntochter Telecom Italia nicht mehr aus.

"Die Märkte reagieren enttäuscht, weil sie auf den Einstieg eines ausländischen Telefonkonzerns gehofft haben. Nun scheint es, als wollten Pirelli und Benetton die Probleme allein mit Hilfe der Finanzmärkte angehen," kommentiert Marco Opipari von Metzler Capital Markets in Mailand die Vorgänge. In den letzten Wochen war wiederholt spekuliert worden, die Deutsche Telekom könne von den Italienern als industrieller Partner ins Boot geholt werden. Vor allem im Mobilfunk würden sich beide Konzerne hervorragend ergänzen.

Sanierung wir ein teures Unterfangen

Nun aber wird die Sanierung für die Olivetti-Aktionäre ein teures Unterfangen: da durch die Kapitalaufstockung die Anzahl der Aktien in etwa verdoppelt wird, muss jeder Anteilseigner seine Investition in die Holding im selben Maße erhöhen. Tut er das nicht, ist er gezwungen eine 50%-ige Verwässerung seiner Beteiligung hinzunehmen.

Für die relativen Mehrheitsaktionäre Pirelli, Benetton und zwei Großbanken, die ihre 27 % an Olivetti in der Finanzierungsgesellschaft Olimpia gebündelt haben, wird allein diese Maßnahme 1,9 Mrd. Euro kosten. Zählt man die Auszahlung für die Zeichnung der geplanten Wandelschuldverschreibung hinzu, kommt auf Olimpia eine zusätzliche Belastung von 4,7 Mrd. Euro zu (über den Kaufpreis von 7,2 Mrd. Euro für den 27 %-igen Kontrollanteil hinaus).

Pirelli hofft auf Einnahmen aus dem Verkauf seiner Sparten Energiekabel und LKW-Reifen von 2 Mrd. Euro und kann daher nach Meinung von Analysten verhältnismäßig optimistisch in die Zukunft blicken. Beunruhigen dürfte Pirelli- und Telecom-Präsident Marco Trochetti Provera aber die beispiellose Vernichtung von Aktionärskapital in den letzten Wochen.

Der Gesamtwert aller an der Mailänder Börse gelisteten Unternehmen, die in die Operation einbezogen waren (Telecom Italia, TIM, Seat Pagine Gialle, Olivetti, Pirelli SpA, Pirelli&C, Camfin) hat sich seit der komplexen Übernahme um fast 35 Mrd. Euro verringert. Von einem industriellen Plan für Telecom Italia fehlt jedoch noch immer jede Spur.

Lediglich Gerüchte, der Konzern könne die Internet- und Gelbe Seiten-Tochter Seat Pagine Gialle zerschlagen und die Directorysparte sowie den Fernsehkanal "La Sette" verkaufen, machen die Runde. Außerdem glauben Analysten, Trochetti Provera werde stärker als sein Vorgänger Roberto Colannino auf Partnerschaften im Ausland setzen.

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