Italienischer Modehersteller glaubt an die Zukunft als Familienunternehmen
Herrenschneider Zegna lässt die Krise kalt

Es gibt nur wenige Unternehmer in der Modebranche, die angesichts der Konjunkturflaute cool bleiben - Ermenegildo Zegna gehört dazu. Obwohl sein gleichnamiges Unternehmen am Tropf des US-Marktes hängt, ist es im vergangenen Jahr kräftig gewachsen und schuldenfrei geblieben.

MAILAND. Italiens Herrenmode-Zar gibt sich gelassen. "Wer bereits vor dem 11. September hohe Schulden und organisatorische Probleme hatte, der sieht die Welt jetzt schwarz", sagt Ermenegildo Zegna. "Wer dagegen über eine solide Finanzlage und eine gute Strategie verfügt, erkennt zusätzliche Chancen."

Der Hersteller hochwertiger Herrenbekleidung hat gut Lachen. Sein Unternehmen ist schuldenfrei und trotz großer Abhängigkeit vom US-Markt, der 38 % zum Geschäftsvolumen beträgt, im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Der Konzernumsatz stieg nur geringfügig langsamer als angepeilt, und zwar um 7 % auf 677 Mill. Euro.

Starke Expansion in Asien

Der Einbruch in den USA, wo die Firma Ermenegildo Zegna ein Minus von rund 10 % verkraften musste, wurde durch eine starke Expansion in Asien mehr als ausgeglichen. Japan legte um 20 % zu, China gleich um 30 %. Ertragszahlen werden erst im Frühling veröffentlicht; seit Jahren liegt die Umsatzrendite aber im zweistelligen Prozentbereich. Zegna ist optimistisch, dass in Europa und Amerika bereits in der zweiten Jahreshälfte 2002 wieder mehr Dynamik aufkommen wird.

Für Branchenkenner steht fest: Die 1910 von Ermenegildos Urgroßvater in der nordostitalienischen Region Piemont gegründete Familien- Firma gehört heute zu den besten Unternehmen der Branche. Gemeinsam mit dem Stardesigner Armani teilt sich Zegna die Führerschaft im Top-Segment der Männermode.

Eine der wichtigsten Zutaten von Zegnas Erfolgsrezept ist die vollständige vertikale Integration aller Stufen der Wertschöpfung: Das Unternehmen importiert selbst die Rohstoffe aus den Ursprungsländern. Die Stoffe werden im Hause gewebt, die Anzüge vorwiegend in eigenen Fabriken genäht.

Verkauf erfolgt über Monomarkenshops

Vier von zehn Zegna-Kleidungsstücken verkauft der Modehersteller in seinen weltweit 391 Monomarkenshops. "Dieses Konzept ist für alle wichtigen Spieler der Branche die Zukunft", glaubt Zegna. Viele Wettbewerber haben hier noch Nachholbedarf. Zwar bemühen sich derzeit Armani, Gucci und Versace, bislang von Dritten ausgeführte Produktionsschritte unter eigene Regie zu bekommen. Keiner der Modeschöpfer stellt aber seine Stoffe selbst her. Dafür kaufen viele von ihnen bei Zegna ihr Grundmaterial, womit das Unternehmen rund 15 % seines Umsatzes macht.

Die Produktpalette will das Mailänder Unternehmen möglichst verbreitern. So hat Zegna 1999 Agnona, einen Hersteller hochwertiger Damenmode, gekauft. 2000 lancierte die Firma das in Amerika und Asien erfolgreiche Label "Zegna Sport".

Im Moment arbeitet Zegna daran, das Geschäft mit margenträchtigen Accessoires auszubauen. Bislang sind nur die Krawatten, von denen rund 2,5 Millionen jährlich hergestellt werden, erwähnenswert. Jetzt sollen auch Lederwaren und Schuhe hinzukommen. Außerdem wird Zegna in Zusammenarbeit mit der Gucci-Tochter YSL-Beauté im Jahr 2003 einen Herrenduft auf den Markt bringen. Geplant ist, diese Investitionen wie in der Vergangenheit vollständig aus dem Cash-Flow finanzieren. Daher strebt das Unternehmen keinen Börsengang an: "Wir haben das nicht nötig. Außerdem glauben wir tief an den Geist des Familienunternehmens."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%