Italienischer Provider übernimmt Internet-Tochter von Viag-Interkom
Tiscali greift T-Online nun auch im deutschen Markt an

Mit der Übernahme von Planet Interkom rückt der in Deutschland noch wenig bekannte Internet-Anbieter Tiscali auf den vierten Platz. Europaweit ist Tiscali nach T-Online die Nummer zwei.

jojo/mab/tnt MAILAND. Der italienische Internetprovider Tiscali SpA, Cagliari, holt bei der Jagd auf Europas größten Internet-Anbieter T-Online weiter auf. In Deutschland übernimmt Tiscali mit dem Zugangsanbieter Planet-Interkom 685 000 aktive Nutzer und belegt mit nun rund 1,2 Millionen Nutzern den vierten Platz nach Marktführer T-Online, AOL sowie der Mobilcom-Tochter Freenet.

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hat Tiscali durch die Übernahme des niederländischen Providers World Online und Addcom rund 600 000 deutsche Kunden gekauft. "Unser erklärtes Ziel ist es, in allen europäischen Märkten zu den Top drei Anbietern zu gehören", sagte Tiscali-Chef Renato Soru noch vor wenigen Wochen auf der Computermesse Cebit. In den meisten der mittlerweile 16 Länder, in denen Tiscali präsent ist, scheint dies auch gelungen. Jedoch wird Tiscali von Analysten immer wieder die schwache Position in den wichtigen Märkten Deutschland und Großbritannien angekreidet. Mit einer aggressiven Übernahme- und Preispolitik will das Unternehmen nun in Deutschland aufholen.

Insgesamt verfügt Tiscali laut Unternehmensangaben nun europaweit über einen Kundenstamm von knapp 6 Mill. aktiven und über 13 Mill. registrierten Nutzern. Marktführer T-Online hat mit über 8 Mill. festen Zugangskunden noch einen Vorsprung von zwei Mill. Kunden.

Werbekampagne angekündigt

"Tiscali wird im 2. Halbjahr eine Kampagne starten, die unsere Marke in Deutschland bekannter machen soll", kündigte Tiscali-Deutschland-Chef Joachim Schlange an. "Doch im Gegensatz zur Konkurrenz werden wir unser Geld nicht für teure Kampagnen mit Stars wie Boris Becker hinauswerfen." Statt dessen setze man auf "intelligente Kooperationen". Tiscali kooperiert in Deutschland bereits mit der Drogeriemarkt-Kette Schlecker. Aber auch weitere Zukäufe will Schlange nicht ausschließen: "Es gibt durchaus noch den einen oder anderen Kandidaten".

Branchenbeobachter rechnen damit, dass mittelfristig alle Aktivitäten unter dem Tiscali-Dach gebündelt werden. Vorerst soll sich für die Planet-Interkom-Kunden durch den Eigentümerwechsel aber nichts ändern - Planet Interkom wird bis auf weiteres unabhängig auftreten.

Kriegskasse ist gefüllt

Den Erwerb der Online-Tochter von Viag Interkom durch Tiscali haben Mailänder Analysten als einen großen Wurf bezeichnet. Tiscali überwinde nun auch in Deutschland die kritische Masse. Der Preis von 77,1 Mill. Euro, davon 15 Mill. in bar, wurde als günstig bezeichnet. Analysten glauben, dass Soru nach der Operation in Deutschland nun England ins Visier nehmen wird. Im Markt kursieren Gerüchte, Soru habe bereits Gespräche mit dem Verlagshaus Trinity Mirror über die Übernahme des Internetunternehmens IC24 aufgenommen. Nach wie vor verfügt Tiscali über eine Kriegskasse von 1,1 Mrd. Euro.

Für Viag Interkom ist der Verkauf dagegen der letzte Schritt hin zum reinen Mobilfunk-Anbieter. Zuvor hatte die Tochter der British Telecom (BT) bereits ihre Beteiligungen an Stadtnetz-Betreibern veräußert und die Festnetz-Aktivitäten abgespalten. Viag Interkom will sich künftig nicht ganz aus dem Internet verabschieden, setzt allerdings nur noch auf mobile Datendienste, einschließlich des mobilen Internet-Zugangs.

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