Italienischer Stromkonzern strebt Führungsrolle in der Telekommunikation an
Enel konzentriert sich auf den Heimatmarkt

Der italienische Stromkonzern Enel hält sich bei der internationalen Expansion zurück. Das Unternehmen will sich vielmehr auf dem Heimatmarkt als Rundum-Versorger profilieren und dafür seine Telekommunikationstochter Wind stärken.

ROM. Der zweitgrößte europäische Stromkonzern Enel wird sich nach den Worten von Vorstandschef Franco Tatò in Zukunft auf den Heimatmarkt konzentrieren. Anders als die internationalen Konkurrenten RWE oder Eon wird der italienische Ex-Monopolist bei der Expansion ins Ausland strikt Vorsicht walten lassen. "Wir bleiben an Märkten wie Mittel- und Osteuropa interessiert. Käufe werden wir aber nur tätigen, wenn die Preise vernünftig sind," sagte der Vorstandschef im Rahmen einer Analystenkonferenz in Rom.

Vor kurzem war Enel bei der Privatisierung des tschechischen Versorgers Cez ausgebremst worden. In Deutschland hatten die Italiener zwar bis zur Endrunde um die ostdeutschen Versorgungsunternehmen Veag, Laubag und Envia mit geboten - dann aber HEW den Vortritt gelassen. Lediglich beim Verkauf des spanischen Versorgers Viesgo kam Enel im letzten September für 2,1 Mrd. Euro zum Zuge.

Analysten begrüßten es, dass Enel sich künftig international zurückhalten möchte. Eine offensive Strategie passe nach der Enron-Pleite nicht in das Strategiekonzept am Energiemarkt. Oberstes Ziel müsse es momentan sein, die Verschuldung zu begrenzen. 2001 war die Verschuldung nur leicht auf 22,1 Mrd. Euro gesunken.

Während die Internationalisierung in der mittelfristigen Strategie keine große Rolle spielt, baut Tatò Enel konsequent zu einem "Multi-Utility-Konzern" - einem Rundum-Versorger - um. Dafür ist die Telekommunikationstochter Wind, an der Enel knapp 74 % hält (der Rest gehört France Télécom), von herausragender Bedeutung. Bis 2006 soll Wind bereits ein Drittel der konzernübergreifenden Erträge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einbringen. Die anwesenden Marktbeobachter nahmen die Expansionsstrategie im Telekombereich positiv auf. Schließlich weise Wind bereits eine positive Bilanz auf, hieß es.

2001 hatte Wind erstmals ein positives Ebitda erzielt und sich damit nur drei Jahre nach der Unternehmensgründung als dynamischstes europäisches Telefon-Start-Up etabliert - auch dank der Übernahme der Vodafone-Tochter Infostrada im letzten Jahr. Die Kundenzahl von heute 23,8 Mill. soll jährlich um über 4 % wachsen; die Erträge um 20 %. Wind strebt in den kommenden zwei Jahren sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk einen Marktanteil von 20 % an, was von Analysten als machbar bezeichnet wird. Zur Jahresmitte oder eventuell etwas später sollen 20 bis 25 % des Unternehmens an die Börse gebracht werden.

Neben der Telefonie spielen für Tatò?s Multi-Utility-Pläne die Gasversorgung und das Geschäft mit Wasser eine Rolle - letzteres aber wesentlich schwächer als in der Vergangenheit. Denn sowohl auf dem heimischen Markt als auch international ist es Enel bislang nicht gelungen, angepeilte Akquisitionen in trockene Tücher zu bringen.

Im Kerngeschäft Strom steht trotz zunehmender Liberalisierung die Verteidigung einer möglichst hohen Quote auf dem heimischen Markt im Mittelpunkt. Dies soll durch Ersparnisse und eine Modernisierung der bestehenden Kraftwerke gelingen. Dadurch soll die Effizienz bis 2006 um 9 % steigen, während die Personalkosten um 30 % gedrückt werden. Im wachstumsträchtigen Markt mit erneuerbaren Energien will Enel seine Führungsrolle als weltgrößter Anbieter ausbauen. In vier Jahren soll die Menge des aus Wasser, Wind und anderen "grünen" Energieträgern gewonnenen Stroms um 61 % auf 15 Terrawattstunden wachsen.

Unter dem Strich gibt Franco Tatò für die Phase 2002 bis 2006 ein Ziel vor, das für einen Versorger sehr ehrgeizig erscheint: Durchschnittlich soll das Ebitda jährlich um 8 bis 9 % wachsen. Die Ausschüttungsquote wird mit einem Seitenblick auf die immer geldhungrige Regierung mit 50 bis 60 % auf hohem Niveau verbleiben. Wann es zu einem zweiten Börsengang kommen wird, der die Staatsquote von 68 % unter 50 % drücken würde, bleibt weiter offen. Im letzten Jahr hatte Enel trotz verstärktem Konkurrenzdrucks im Stromsektor den Umsatz um 7 % auf 28,8 Mrd. Euro gesteigert. Das Ebitda stieg um 3 % auf 8,5 Mrd. Euro.

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