Italienischer Stromversorger macht französischer EDF Konkurrenz
Enel will auf deutschen Strommarkt vordringen

Der italienische Stromkonzern hat ein Auge auf den zur Privatisierung anstehenden tschechischen Stromriesen Cez geworfen. Nach Ansicht von Enel-Manager Franco Tatò passen die Tschechen hervorragend zur Wachstumsstrategie der Römer. Mit Hilfe von Cez peilt Enel auch den Einstieg auf dem deutschen Markt an.

HB PRAG. Italiens führender Stromkonzern Enel SpA hat seine Teilnahme an der Privatisierung des dominanten tschechischen Stromkonzerns Cez AS bekräftigt. Enel-Hauptgeschäftsführer Franco Tatò sagte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt und der tschechischen Tageszeitung Hospodarske Noviny, nach einer Übernahme von Cez könne Tschechien "zur Basis unserer Operationen in der Region werden, auch um auf den deutschen Markt vorzustoßen."

Tatò zufolge geht es dem Konzern weniger um regionale Expansion als um Umsatz-Wachstum: "Wir haben keinen Eroberungsstrategie. Uns geht es darum, selektiv zu wachsen." Dabei werde sich die in Rom ansässige Enel nur Ziele suchen, die die Gewinnverhältnisse der Römer nicht schadeten. Tatò: "Wir wollen Cez als eine Gesellschaft mit starker Kompetenz, die mit uns wachsen kann." Enel habe ein "mehrfaches Interesse" an dem Engagement in Tschechien. So verfüge der Konzern über Nuklear-Kompetenz. Zwar sei Italien aus der Atomenergie ausgestiegen, doch glaube Enel, dass die Atomenergie wegen der weltweiten Entwicklungen erneut interessant werde. Zweitens betreibe Cez Kohlekraftwerke mit einer starken Bergbau-Basis. Dies mache Cez für den Brennstoffhandel der Enel interessant.

Zuguterletzt liege Tschechien in der Mitte Europas, sagt Tatò auch mit Blick auf den deutschen Markt. Derzeit sei es schwierig, in so geschützten Märkten wie Deutschland zu operieren. "Aber wir denken, dass wir über Tschechien Zugang zum deutschen Markt erhalten." Dadurch werde auch der Wettbewerb in der Region bereichert, der bisher von deutschen und französischen Firmen dominiert werde, fügt Tatò hinzu.

Die tschechische Regierung will ihre bisherige Zweidrittel-Mehrheit in Cez bis auf einen 3-prozentigen Restanteil privatisieren. Teil des Verkaufs sind auch staatliche Beteiligungen an regionalen Stromversorgern. Angebote können bis zum 3. Dezember abgegeben werden. Als Favorit galt noch im Sommer der französische Stromkonzern EDF. Seitdem hat sich dies Regierungsquellen zufolge geändert: "EDF hat Cez keinesfalls sicher", sagt ein hoher Beamter in Prag.

Tatò will sich noch nicht zu Eckpunkten des verbindlichen Enel-Angebots äußern, das zurzeit vorbereitet werde. Um den Franzosen entgegenzutreten, will Enel gemeinsam mit dem spanischen Stromkonzern Iberdrola bieten. Damit wollen die Italiener einen Schwachpunkt der Bewerbung beseitigen: Die Spanier bringen Nuklear-Know-how mit, der Enel seit dem Atomausstieg fehle, so Tatò.

Für Prag ist diese Atom-Kompetenz unabdingbar, weil auch Tschechien langfristig an der Kernkraft festhalten will und laut Industrieminister Miroslav Gregr vom neuen Cez-Investor "eine Schirmherrschaft" für die umstrittenen Atomkraftwerke Temelin und Dukovany erwartet. Die Kritik Österreichs und Deutschlands, das AKW Temelin weise Sicherheitsmängel auf, wiegelt Tatò ab: "Wir halten Temelin für sicher. Bei uns wird es damit keine Probleme geben."

Auch die deutsche Eon hat auf die Atomfrage reagiert und daher eine Allianz mit der britischen International Power und der amerikanischen NRG erwogen. Eon tritt bei der Cez-Privatisierung zurzeit nur als Berater des britisch-amerikanischen Konsortiums auf, soll dafür aber später Vorkaufsrechte bei regionalen Versorgern erhalten, heißt es aus Kreisen der NRG. Eon hat sich bereits an mehreren regionalen Stromunternehmen beteiligt.

Wie Enel nach einem Sieg im Poker um Cez mit Eon und anderen Großaktionären regionaler Versorger umgehen wird, ließ Tatò offen: "Wir sind als kooperatives Unternehmen bekannt"".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%