Italienischer Teigwarenkonzern vor Übernahme der größten europäischen Backgruppe
Kamps backt bald für Barilla

Mit dem Übernahmeangebot der italienischen Barilla zerplatzt im Hause Heiner Kamps auch ein Lebenstraum: Europas größter Bäcker zu bleiben. Am Ende steht der Verkauf an einen Nudelkonzern. Auch wenn Kamps dies persönlich als Niederlage empfinden dürfte, gibt es dafür doch gute betriebswirtschaftliche Gründe.

DÜSSELDORF. Nun muss Heiner Kamps wohl doch Italienisch lernen. Der Nudelkonzern Barilla hat den Aktionären der Düsseldorfer Backgruppe (85 % Streubesitz) am Montag ein Übernahmeangebot unterbreitet. "Der Kamps-Vorstand spricht nach wie vor Deutsch, Englisch, Französisch und Holländisch. Eine neue Sprache aus Südeuropa ist nicht dazugekommen", hatte Kamps kürzlich noch die sich seit Monaten haltenden Übernahmegerüchte kommentiert.

Mit dem rund 1 Mrd. Euro teuren Übernahmeangebot zerplatzt ein Lebenstraum: erst Europas größter Bäcker zu werden - und es dann auch zu bleiben. Die Erfolgsgeschichte des Heiner Kamps, die jetzt wahrscheinlich mit dem Verkauf an den italienischen Nudelkonzern endet, erweist sich letztlich als Höhenflug ohne Bodenhaftung. Der mächtigste deutsche Bäcker zu sein reichte ihm nicht. Kamps träumte von einer internationalen Karriere und machte sich auf, Europas Backmarkt zu erobern. Dass aber auch in dieser Branche die Bäume nicht in den Himmel wachsen, wurde schnell klar.

Mit dem Einstieg in das Industriebackgeschäft und der Übernahme der französischen Backgruppe Harry?s hatte sich Kamps übernommen. Der Konzern wuchs zu schnell. Es wurde vernachlässigt, die Übernahmen zu integrieren. Der Bäcker baute sein Imperium mit Krediten auf. Die Schuldenlast wiegt heute so schwer, dass sie ihn erdrücken könnte. Auf jeden Fall ist die unternehmerische Handlungsfreiheit stark eingeschränkt. Ohne einen finanzstarken Partner droht der in Schieflage geratene Konzern zu kentern. Der Finanzvorstand heuerte bereits ab.

Mit der Korrektur der Ergebnisprognose nach unten erschütterte Kamps im Sommer 2001 endgültig das Vertrauen der Anleger. Die Börse kannte keine Gnade. Der Kurs der Aktie stürzte nach einem Höhenflug gnadenlos in den Keller. Kamps war von heute auf morgen ein Übernahmekandidat.

Wachstum um jeden Preis reicht als Unternehmensziel eben nicht aus - eine schmerzliche Erfahrung für den Sohn eines westfälischen Bäckers. Heiner Kamps wollte schon immer mehr, als nur die elterliche Bäckerei in Bocholt fortzuführen. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft eröffnete er 1982 in Düsseldorf seinen ersten eigenen Back-Shop. Nach zehn Jahren besaß er bereits 20 Geschäfte. Aus dem Bäckermeister war ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer geworden. Doch damit nicht genug: 1992 wechselte Kamps in das Investmentgeschäft und verkaufte seine Brötchen-Gruppe an einen US-Investor.

Doch auch das war Kamps noch zu wenig: 1996 holte er sich seine Back-Gruppe mit Hilfe von Investoren zurück. Nun begann der eigentliche Aufstieg, der aber ohne die damals euphorische Stimmung an der Börse wohl weniger spektakulär ausgefallen wäre.

1998 ging Kamps an die Börse. Mit voller Kasse startete der Bäcker danach eine Einkaufstour, die es in sich hatte. Kamps kaufte einen Backshop nach dem anderen. Analysten jubelten Kamps als Erfolgsstory hoch. Binnen eines Jahres stieg das Papier auf das Dreieinhalbfache des Ausgabekurses.

Und Heiner Kamps bediente seine Kundschaft weiter. Mit Wendeln kaufte er Ende 1999 einen Industriebäcker. Aus der Ladenkette mit 700 Mill. DM Umsatz wurde über Nacht ein Drei-Milliarden-Mark-Backkonzern. "Das war der Anfang vom Ende", sagen Marktkenner heute. Von Synergieeffekten zwischen Shop- und Industriegeschäft war bald keine Rede mehr. Der Verkauf von Brötchen an der Ladentheke hat nur wenig gemeinsam mit der Belieferung von McDonald?s oder Aldi. So manche groß angekündigte neue Geschäftsidee platzte wie eine Seifenblase.

Doch der Erfolg an der Börse vernebelte Kamps die Sicht. Er wollte Europas größter Bäcker werden. Mit westfälischer Sturheit kaufte er in den Niederlanden die Brotkette Quality Bakers und später den französischen Industriebäcker Harry?s. Im Konzern versäumte er dagegen, die Hausaufgaben zu erledigen. "Verschnaufpause" nannte er die eingeleitete Restrukturierung des Konzerns. Auf diese Gelegenheit hat Barilla nur gewartet.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%