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Italiens Banken erscheinen unterbewertet

Analysten glauben, dass die Kurse italienischer Bankaktien in den vergangenen Monaten zu tief gefallen sind. Angesichts ihres relativ defensiven Charakters könnten sie gerade in der Krise eine interessante Anlagealternative darstellen. Viele Analysten empfehlen derzeit die Aktien des Marktführers Intesa-Bci.

HB MAILAND. Finanztitel im Allgemeinen und Bankaktien im Besonderen waren im vergangenen Jahr die Stars an der Mailänder Börse. Auch im Vergleich zu ihren europäischen Konkurrenten schnitten die Titel überdurchschnittlich gut ab.

In diesem Jahr hat sich die Situation jedoch um 180 Grad gedreht: Hohe Kursverluste lassen die Branche miserabel aussehen. In den vergangenen drei Monaten haben sich italienische Banktitel nach Berechnungen von Credit Suisse First Boston (CSFB) um 8 % schlechter entwickelt als der europäische Branchenschnitt; in den vergangenen zwölf Monaten hinkten die Italiener sogar um 23 % hinterher.

Ist dies berechtigt? Nein, meint der Großteil der vom Handelsblatt befragten Experten. Zwar hätten sich die Ertragsaussichten durch die schwächere Konjunktur verschlechtert. So hat CSFB Anfang Oktober seine durchschnittliche Gewinnprognose für italienische Banken um 24 % zurückgeschraubt.

"Ein Einbruch der Aktienkurse in diesem Umfang erscheint mir aber zumindest in vielen Fällen übertrieben", sagt Manuela Meroni vom Wertpapierhaus Metzler Capital Markets in Mailand. Aus anderen europäischen Ländern seien schlimmere Gewinnwarnungen gekommen als aus Italien. Folge: Gemessen an gängigen Kennzahlen erscheinen italienische Institute heute attraktiv bewertet. CSFB glaubt an ein durchschnittliches Aufwärtspotenzial von rund 25 %.

Hinzu kommt eine Besonderheit der italienischen Bankenlandschaft, die in guten Zeiten eine Schwäche, in schwierigeren Zeiten hingegen eine Stärke darstellt: Die Institute aus Mailand, Turin und Rom konzentrieren sich in erster Linie auf ihren Heimatmarkt. 90 % der Umsätze entstehen im Inland.

Zudem sind Italiens Banken weniger kapitalmarktorientiert als viele Konkurrenten in Europa. Das äußert sich in der geringen Bedeutung des Investmentbankings. Auch ist ihre Abhängigkeit von Geschäften mit globalen Großkonzernen gering (Ausnahme: Intesa-Bci), wichtigste Einnahmequelle bleiben Privatkunden sowie der unternehmerische Mittelstand.

Somit verfolgen die meisten italienische Institute eine verhältnismäßig defensive Strategie. Die Analysten vom Wertpapierhandelshaus Centrosim vertreten daher die Meinung, einheimische Player seien von dem Risiko einer weltweiten Rezession weniger betroffen als deutsche, britische und spanische Konkurrenten. Doch Vorsicht ist angebracht. Gerade in Italien sei eine branchenbezogene Betrachtung nur bedingt aussagefähig, warnt der zuständige Branchenanalyst einer amerikanischen Investmentbank in Mailand: "Man muss sich stärker als anderswo die einzelnen Unternehmen anschauen", sagt er.

Häuser wie Italiens größtes Institut Intesa-Bci böten Anlegern gute Gewinnchancen, da im Markt diverse Geschäftsmanöver falsch verstanden worden seien und die Gefahren durch die Aktivitäten der Bank in Südamerika überbewertet würden. Auch CSFB sieht Intesa-Bci aktuell als eine der attraktivsten Aktien der Branche und glaubt an ein Kurspotenzial von 45 %.

Wesentlich zurückhaltender werden hingegen Banken beurteilt, die einen größeren Teil ihrer Einnahmen durch den Verkauf von Publikumsfonds generieren. Da der Markt in Italien in eine Phase der Reife eingetaucht ist, sind hohe Wachstumsraten, wie in der Vergangenheit, nicht mehr zu erwarten. Leidtragende sind beispielsweise San Paolo IMI, Banca Fideuram und Bipop-Carire. Letztere findet sich ohnedies bei praktisch allen Analysten auf der Verkaufsliste. Manuela Meroni von Metzler Capital Markets: "Man weiß so wenig über den tatsächlichen Zustand und die Strategie, dass es sich aktuell um einen reinen Zockertitel handelt." Neben Intesa-Bci werden vor allem solide Retail-Banken zum Kauf empfohlen: Unicredito, Rolo Banca und Monte Paschi di Siena. Spekulativen Anlegern rät Cetrosim, die Aktie von Banca di Roma zu kaufen. Nach schlechten Zahlen und einer Führungskrise seien die Titel zuletzt womöglich allzu schlimm unter die Räder gekommen.

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