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Italiens UMTS-Auktion krankt an schwindender Teilnehmerzahl

dpa/afx. Die Telefonfirmen sind in Sachen UMTS-Lizenzen vorsichtiger geworden. Nach Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland werden die begehrten "Eintrittskarten" für den Mobilfunkmarkt der Zukunft ab Donnerstag in Italien versteigert, doch die Schar der Bewerber lichtet sich. Von einst acht Kandidaten waren bis Dienstag sechs verblieben, und um einen weiteren rankten sich Rückzugs-Gerüchte. Das wären schlechte Neuigkeiten für das italienische Kommunikationsministerium, das die Zahl der Lizenzen automatisch von fünf auf vier verringern müsste, um überhaupt noch einen Bieterwettstreit zu ermöglichen. Die nach den Milliarden-Erlösen im Ausland hochfliegenden Einnahmeerwartungen Roms müssten dann ebenfalls nach unten korrigiert werden. Dabei gilt Italien als eine der Handy-verrücktesten Nationen Europas.

Mit von der Partie werden ab Donnerstag in den römischen Ministeriumshallen die bisherigen Mobilnetzbetreiber Omnitel Pronto Italia mit der Konzernmutter Vodafone, Telecom Italia Mobile als Mobilfunktochter des von Olivetti gekauften italienischen Ex-Monopolisten und Wind Telecomunicazioni des Stromversorgers Enel mit France Télécom sein. Auch mit den Bietergemeinschaften Andala und Ipse 2000 wird fest gerechnet. Andala wird maßgeblich vom Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa und dem sardischen Internetanbieter Tiscali getragen, hinter Ipse 2000 stehen unter anderem die spanische Telefónica , die finnische Sonera und die Banca di Roma.

Um das Konsortium Blu von British Telecom, Autostrada, Mediaset und der Holding Edizione gab es am Dienstag Presseberichte über einen geplanten Rückzug noch vor Auktionsbeginn. Angeblich scheut British Telecom davor zurück, den Großteil der Lizenzgebühr tragen zu müssen, sollte die Bietergemeinschaft zum Zuge kommen. Das Unternehmen musste bereits auf dem Heimatmarkt Großbritannien und bei der Lizenzversteigerung in Deutschland als VIAG-Interkom-Großaktionär tief in die Tasche greifen. Sollte Blu tatsächlich das Handtuch werfen, gibt es nur vier statt fünf UMTS-Lizenzen für den Aufbau multimedia- und internetfähiger Mobilfunknetze in Italien. Die Deutsche Telekom, die den italienischen Markt als zu klein für fünf Lizenzen erachtet und sich schon im Vorfeld ausgeklinkt hatte, dürfte sich dann ziemlich ärgern.

Eine Auktion hatte die italienische Regierung anfangs gar nicht geplant. Erst die Rekorderlöse in Großbritannien und schließlich auf dem deutschen Markt, wo die Telefonfirmen fast 100 Mrd. DM boten, führten zu einer Kombination aus "Schönheitswettbewerb" und Versteigerung. Potenzielle Bieter mussten den italienischen Behörden zunächst ausreichende Finanzkraft und ein schlüssiges Konzept vorweisen, bevor sie grünes Licht für eine Auktionsteilnahme erhielten. Zwei Konsortien - Anthill und TU Mobile - fielen dabei durch.

Kommunikationsminister Salvatore Cardinale sieht in der schwindenden Bewerberzahl "kein Problem", wie er den heimischen Medien versicherte. Schließlich seien mit Vodafone, Telefónica und Telecom Italia noch genügend Branchenriesen im Rennen, um eine spannende Versteigerung zu garantieren. "Sie machen sich in ganz Europa Konkurrenz, warum sollten sie hier in Italien jemandem freiwillig den Vortritt lassen?" Die Regierung hofft auf Einnahmen von mindestens 25 Billionen Lire (gut 25 Mrd. DM), dürfte damit nach Einschätzung von Analysten aber tiefstapeln. Bei fünf Lizenzen halten sie Erlöse bis zu 40 Mrd. DM für möglich.

Die UMTS-Lizenzen werden für 15 Jahre vergeben; erste Netze könnten bereits 2002 in Betrieb gehen. Der neue Technologiestandard "Universal Mobile Telecommunication System" (UMTS) ermöglicht es, Internet-Anwendungen und Muldimediadienste über das Handy zu nutzen und weltweit in einem Standard zu telefonieren.

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