Itanium 2 kommt nächste Woche auf den Markt
Intel: Panne als Glücksfall

Der Chipriese startet die Attacke auf den Rivalen Sun verspätet und vermutlich dennoch früh genug.

SILICON VALLEY. Depression in der High-Tech-Branche? Mörderische Preiskämpfe um schrumpfende Technikbudgets, bröselnde Profite? Alles halb so wild, findet Craig Barrett. "Ich bin so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr", frohlockt der Intel-Chef - und feuert eine Salve Powerpoint-Folien ab. Auf der Analystentagung im Technikmuseum von San Jose hat der Ex-Stanford-Professor die gesamte Führungsriege aufgeboten. Und die nickt beschwörend beifällig; auch der 65-jährige Aufsichtsratschef Andy Grove, die Personifizierung des PC-Booms der Neunzigerjahre, das waren Intels goldene Zeiten.

Um daran wieder anzuknüpfen, braucht Barrett gute Stimmung. Er muss den Boden bereiten für die wichtigste Produktinnovation dieses Jahres: Anfang kommender Woche startet der Vertrieb des Itanium 2 - Intels brandneuem Hochleistungsprozessor. Terminiert war der Marktstart der seit mittlerweile acht Jahren entwickelten Datenpumpe schon fürs vergangene Jahr.

Doch technische Probleme sorgten für immer neue Verzögerungen. Das schmerzt umso mehr, als das seit Mai 2001 ausgelieferte Vorgängermodell, der Itanium 1, am Markt enttäuschte. Daran waren nicht nur klamme Technikbudgets schuld, sondern auch technische Unzulänglichkeiten wie die geringe Geschwindigkeit.

Nun setzt Barrett also mit dem Itanium 2 - bisher besser bekannt unter seinem Codenamen McKinley - zum zweiten Mal zum Sturm an auf die Vormachtstellung des Erzrivalen Sun Microsystems. Der dominiert das besonders margenträchtige Geschäft mit den superschnellen Hochleistungschips für Großrechnersysteme, die - etwa bei Banken, Telefongesellschaften Regierungen, oder Medienunternehmen - tagtäglich Billionen von Daten abwickeln.

Zwar liefert Intel schon heute mit Abstand die meisten Server-Prozessoren aus - vorwiegend jedoch für die Einsteigerklasse. Mit einem massiven Leistungsschub soll der Itanium 2 Intel nun endlich den Sprung auf Rang eins ermöglichen. Immerhin kann der Chip - in der Branche "64-Bit-Technologie" genannt - in einem Rechenschritt doppelt so viel Daten bearbeiten, wie die heutigen (32-Bit-)Pentium-Prozessoren.

Eile tut Not

Denn die Antidepressiva-Dosen, die Fisters Chef Barrett seit Monaten aussprüht - verlieren rasant ihre Wirkung. Seit Intels Spitzenmann Anfang Juni überraschend die Umsatz- und Gewinnprognose senken musste, hat er massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt. "Damit hat er den Optimisten den Teppich unter dem Boden weggezogen", beschwert sich Merrill Lynch Analyst Joe Osha. Die bittere Realität lässt sich an Intels Aktienkurs ablesen. Die Aktie dümpelt auf dem Stand von August 1998. Für Osha ist das immer noch zu teuer, um in nächster Zeit signifikant zuzulegen. "Und einen Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr haben wir sogar schon einkalkuliert", gibt sich Osha ernüchtert.

Aus gutem Grund: Immerhin krachte der weltweite Umsatz mit Halbleitern vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent auf 140 Milliarden Dollar ein. Der PC-Absatz, einst Wachstumsgarant Intels, bleibt zäh. Gleichzeitig trifft die Flaute auch das 50 Milliarden Dollar Server-Geschäft, das 2001 um 19 Prozent nachgab. Dort aber konnte Intel seinen Markanteil von Intel-basierten Servern um mehr als zehn Prozent auf 80 Prozent steigern. Die Prognosen des US-Marktforschungshauses IDCgegen Anlass zu Hoffnung. Nach einer enttäuschenden ersten Jahreshälfte soll das Geschäft im zweiten Halbjahr wieder anziehen, prognostiziert IDC-Analyst Vernon Turner.

Damit könnten sich die technischen Pannen, die bisher den Verkaufsstart des Turboprozessors verzögerten, im Nachhinein für Intel-Chef Barrett als Glücksfall erweisen. Denn in der Flaute hätte Intel die milliardenteuren Fertigungsanlagen für den High-End-Chip gar nicht auslasten können. Nun aber könnte die Fertigung genau zum richtigen Zeitpunkt anlaufen.

"Wir erwarten ab dem nächsten Jahr wieder Wachstum, mit einer jährlichen Rate von etwa 3,8 Prozent", so IDC-Mann Turner. Geht die Prognose auf, können die Server-Anbieter im Jahr 2006 mit einem weltweiten Marktvolumen von rund 67 Milliarden Dollar rechnen.

Quelle: WirtschaftsWoche

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