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Ivanisevic feiert in Wimbledon perfekten AbschiedDPA-Datum: 2004-06-26 12:08:05

London (dpa) - Goran Ivanisevic strahlte, streifte das rot-weiß karierte kroatische Fußballtrikot mit der Nummer 10 über und verließ zum letzten Mal den Center Court in Wimbledon.

London (dpa) - Goran Ivanisevic strahlte, streifte das rot-weiß karierte kroatische Fußballtrikot mit der Nummer 10 über und verließ zum letzten Mal den Center Court in Wimbledon.

«Mein Gott, wie werde ich das alles vermissen», sagte der Kroate und feierte mit den 14 000 Zuschauern, die sich von ihren Sitzen erhoben hatten, seinen Abschied vom Tennis, der perfekter nicht hätte inszeniert werden können.

Die Sonne strahlte erstmals wieder vom Himmel über London, im Drittrundenmatch stand ihm in Lleyton Hewitt sein Nachfolger als Wimbledon-Champion gegenüber, und der altehrwürdige Center Court war die angemessene Bühne für das finale Match einer großen Karriere, die mit dem Triumph auf dem «Heiligen Rasen» 2001 ihren spektakulären Höhepunkt hatte. Nach drei verlorenen Endspielen gelang es Ivanisevic als bisher Einzigem, mit einer Wildcard die All England Championships zu gewinnen.

Obwohl das Match gegen Hewitt glatt in drei Sätzen verloren ging, fühlte sich der 32-Jährige wie ein Gewinner. «Für mich ist es schon ein Sieg gewesen, wieder hier sein zu können.» Zwei Mal musste er auf die Titelverteidigung verzichten, weil ihn diverse Verletzungen davon abgehalten hatten, weiter Tennis zu spielen. Eine Schulteroperation brachte keine Linderung, sondern verlängerte die Leidenszeit nur noch. «Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zu kommt, hätte ich mich nicht operieren lassen.»

Aber so wollte Ivanisevic nicht aufhören. Verbissen kämpfte er um sein Comeback, das ihn ein letztes Mal nach Wimbledon führen sollte. «Ich bin stolz auf mich, dass ich es geschafft habe», sagte er. Den ersten Titel holte der Hitzkopf aus Split 1990 in Stuttgart auf dem Weissenhof, den letzten und wichtigsten seiner 22 Turniersiege (27 Finals gingen verloren) feierte er vor drei Jahren in Wimbledon. Es war sein einziger Grand-Slam-Erfolg.

«Mein Kopf sagt mir, dass es vorbei ist. Aber begreifen kann ich es noch nicht.» Glücklich und traurig sei er gleichermaßen, dass die 15 Jahre an einem so schönen Tag zu Ende gegangen sind. «Es war eine tolle Zeit», sagte Ivanisevic, der seinem Gegner Hewitt einen weiteren Wimbledon-Sieg zutraut. Auch wenn Titelverteidiger Roger Federer der Favorit sei: «Er ist der talentierteste von allen.»

Ivanisevic hat gegen alle Großen seiner Zeit gespielt: Von John McEnroe über Jimmy Connors bis hin zu Pete Sampras, der ihm in Wimbledon den Traum vom Titel gleich zwei Mal (1994/98) verdorben hat. Nun sind Schinderei und Quälerei vorbei. «Kein Training mehr, keine Behandlungen mehr und vor allem keine Schmerztabletten mehr», meinte Ivanisevic. Aber auch keine Diskussionen mehr mit dem Referee, die mal lustig und mal böse waren, und keine Zwangspausen mehr in Wimbledon. «Ich werde die Warterei vermissen, dass der Regen endlich aufhört», sagte der Kroate und grinste spitzbübisch.

Unzählige Rackets hat der Heißsporn zertrümmert und sich durch manchen Wutausbruch selbst um den Lohn seiner Arbeit gebracht. «Ich habe viel Unsinn in meinem Leben gemacht, aber trotzdem mag ich mich so, wie ich bin.» Legendär sind seine Aufschläge, die ihm den Beinamen «Herr der Asse» eingebracht haben. «Seine Kanonen-Aufschläge habe nicht nur ich gefürchtet», sagte Boris Becker.

Ivanisevic soll nun Kapitän des kroatischen Daviscup-Teams werden und in dieser Funktion Niki Pilic ablösen, der mit Deutschland drei Mal den Pokal geholt hat. «Vielleicht spiele ich auch noch ein letztes Einzel für Kroatien. Aber nur, wenn wir gegen Belgien uneinholbar führen.» Nach Wimbledon will er im kommenden Jahr natürlich wieder kommen: Dann allerdings wird er im feinen Zwirn in der Loge der Champions auf dem Center Court sitzen und Punkt fünf den gereichten Tee schlürfen.

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