IWF bestätigt Plan für neues Türkei-Hilfspaket
IWF erwartet 2001 eine globale Wachstumdelle

Das Weltwirtschaftswachstum wird sich dem IWF zufolge 2001 deutlich abkühlen und könnte 2002 jedoch wieder anziehen, falls der US-Konjunktureinbruch schnell überwunden wird. In dem am Donnerstag in Washington vorgelegten Weltwirtschaftsausblick (WEO) prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Abschwächung auf 3,2 (2000: 4,8) Prozent und begründet dies vor allem mit dem schwachen US-Wachstum.

Reuters WASHINGTON. 2002 dürfte die Weltkonjunktur mit einem Plus von 3,9 Prozent wieder Fahrt aufnehmen. IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa forderte von der EZB eine Zinssenkung, damit die Euro-Zone "Teil der Lösung und nicht Teil des globalen Wachstumsproblems" werde. Der IWF bestätigte zudem Angaben des türkischen Wirtschaftsministers, wonach ein neues Kreditpaket für die Türkei in Höhe von 10 Milliarden Dollar kurz bevorstehe.

Am Wochenende beginnt in Washington die Frühjahrstagung von IWF und Weltbank, zugleich treffen sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben großen Industrienationen (G-7) am Samstag in Washington.

Die Weltwirtschaft verlangsame sich stärker als wünschenswert und bisher angenommen, sagte Mussa, der jedoch offenbar keine Rezession befürchtet. "Wir sehen in diesem Jahr ganz klar eine deutliche und breite Verlangsamung des weltweiten Wachstums, aber wenigstens keine Rezession."

Vor allem in den USA dürfte die Konjunktur extrem in die Knie gehen, und zwar auf 1,5 Prozent von 5,0 Prozent im vergangenen Jahr. Damit müssten die USA das geringste Wachstum seit zehn Jahren hinnehmen. Dabei gebe unter anderem das hohe Leistungsbilanzdefizit und die Überbewertung des Dollar und das immer noch hohe Kursniveau am Aktienmarkt Anlass zur Sorge, heißt es im WEO. Erst im dritten Quartal 2001 rechnet Mussa in den USA mit einer verbesserten Lage. 2002 sieht der IWF ein US-Wachstum von 2,5 Prozent. Die US-Notenbank Fed habe ungeachtet der bereits vier Leitzinssenkungen Raum für weitere geldpolitische Lockerungen. Auch hält der IWF maßvolle Steuersenkungen in den USA für hilfreich.

Mit einem prognostizierten Wachstum von 2,4 Prozent könnte das Wachstum in der Euro-Zone und der EU 2001 erstmals seit zehn Jahren das der USA übertreffen. Der Fonds nahm seine bisherige Prognose für das Wachstum in der Euro-Zone um einen Prozentpunkt zurück, für 2002 wird ein Plus von 2,8 Prozent unterstellt. Die IWF-Prognose für Deutschland liegt sogar um 1,4 Prozentpunkte niedriger als noch in der Schätzung vom Herbst 2000. Das deutsche Wachstum werde demnach 2001 nur noch 1,9 Prozent betragen. Für 2002 geht der IWF aber wieder von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,6 Prozent aus.

Während Mussa die Leitzinssenkungen der US-Notenbank begrüßte, forderte er die EZB ungewöhnlich deutlich auf, mit Leitzinssenkungen auf die eingetrübten globalen Wachstumsaussichten zu reagieren. Die Inflation in der Euro-Zone sei nicht das Hauptproblem, deshalb solle die EZB mit Leitzinssenkungen beginnen und hätte dies schon vor einem Monat tun können. Die Kritik, er greife damit in die Angelegenheiten der geldpolitisch unabhängigen EZB ein, ließ Mussa nicht gelten. "Hier beim IWF nennen wir das nicht Eingriff, sondern Überwachung." Die EZB hat die Zinsen seit Herbst 2000 unverändert gelassen und trotz der zunehmenden Forderungen nach Zinssenkungen auch am Donnerstag erwartungsgemäß den Schlüsselzins in der Euro-Zone von 4,75 nicht reduziert. Auf die Frage, wie groß die Zinssenkung durch die EZB ausfallen sollte, sagte Mussa, er würde mit einer Senkung um 25 Basispunkte auf dann 4,50 im Schlüsselzins beginnen.

Für Asien sagt der IWF ein Wachstum von 5,9 Prozent in diesem Jahr und 6,3 Prozent 2002 voraus und sieht in Lateinamerika Wachstumsraten von 3,7 und 4,4 Prozent im selben Zeitraum.

IWF und Weltbank werden der Türkei offenbar einen neuen Milliarden-Kredit gewähren, damit das Land seine Wirtschafts- und Finanzkrise bewältigen kann. Eine Einigung über das neue Hilfspaket in Höhe von zehn Milliarden Dollar stehe bevor, teilte der IWF mit. Das IWF-Exekutivdirektorium habe über das neue Programm diskutiert, wobei einige Details der Abmachung noch offen seien, sagte eine IWF-Sprecherin weiter und bestätigte damit frühere Angaben des türkischen Wirtschaftsministers Kemal Dervis. Dieser hatte gesagt, er rechne in den nächsten zehn bis 14 Tagen mit einer endgültigen Einigung über das Paket, in dem auch 1,5 Milliarden Dollar von der Weltbank enthalten seien. Die neuen Mittel kämen zusätzlich zu dem Ende 2000 vereinbarten IWF-Hilfspaket in Höhe von gut elf Milliarden Dollar.

Über die Lage im ebenfalls angeschlagenen Argentinien sagte Mussa, die Politik in dem Land müsse das Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Krise zu meistern, wieder herstellen.

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