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IWF lobt Ungarn, Polen und Tschechien

Die osteuropäischen Staaten haben in der jüngsten Zeit bei der Vorbereitung auf den Beitritt zur Europäischen Union (EU) bemerkenswerte Fortschritte erzielt.

vwd PRAG. Ungarn und Polen hätten sich allerdings auf unterschiedliche Weise einer marktorientierten Wirtschaftsweise angenähert: Während Polen dies über einen makroökonomischen Schock erreicht habe, habe Ungarn vor allem die Privatisierung von Unternehmen erfolgreich vorangetrieben. Das sagte Max Watson, leitender Berater beim Internationalen Währungsfonds (IWF), in einem Pressegespräch auf der IWF-Jahrestagung in Prag.

Lob für die Rentensysteme

Der Schlüssel zur Annäherung an einen Beitritt zur EU sei für die Beitrittskandidaten vor allem ein Produktivitätswachstum, sagte Watson. Er schloss sich damit der Aussage des vom IWF jüngst herausgegebenen World Economic Outlook an. Wichtiger Faktor im Übergang zu einer marktwirtschaftlichen Wirkungsweise sei die Fiskalpolitik. Die ehemaligen Ostblock-Staaten wiesen typischerweise eine sehr hohe Steuerlast auf. Eine feste Hand bei den Budgetausgaben sei daher sehr wichtig.

Größeren Herausforderungen sähen die Beitrittskandidaten bei der Flexibilisierung ihrer Wechselkurssysteme entgegen, prophezeite Watson. "Flexibilität löst nicht alle Probleme", warnte er, und wies auf das Problem möglicher immenser Kapitalabflüsse bei einer Freigabe des Kapitalverkehrs hin. Ein gesundes Finanzsystem könne dies verhindern und dessen Etablierung daher sehr wichtig. Lob zollte Watson Ungarn und Polen für ihre Alterssicherungssysteme.Im Bereich der Pensionsfonds hätten diese Staaten mehr Fortschritte gemacht als manche EU-Mitglieder.

Tschechien soll Reformen weiter vorantreiben

Tschechien kann in naher Zukunft ein Wirtschaftswachstum von demselben Ausmaß erreichen, wie es Ungarn und Polen aufweisen. Das sagte Roger Nord, IWF-Vertreter für Tschechien und Ungarn. Voraussetzung dafür sei, dass Tschechien die Reformen weiter vorantreibe, die es bereits angestoßen habe.

Tschechien habe zwar, gemessen an der Preisstabilität, sein Inflationsziel erfolgreich implementiert. Die tschechische Regierung müsse aber noch an der Glaubwürdigkeit ihrer Wirtschaftspolitik arbeiten und die Qualität ihrer veröffentlichten Wirtschaftsdaten verbessern, heißt es in einer Nords Ausführungen begleitenden Publikation des IWF. So könne künftig ein Unterschießen des Wechselkurses der tschechischen Krone, wie jüngst zu verzeichnen, vermieden werden. Tschechien hat weitgehend freie Wechselkurse und so gut wie keine Kapitalverkehrskontrollen.

Das Inflationsziel liegt dem IWF zufolge für das Ende dieses Jahres bei 3,5 bis 5,5 %. Der Vertreter der internationalen Organisation wies darauf hin, dass Tschechien von einem wesentlich höheren Niveau aus nach einem Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum strebe als Ungarn und Polen. Tschechien habe, abgesehen von Slowenien, das höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf aller derzeitigen EU-Beitrittskandidaten, so sein Hinweis.

Dem IWF zufolge wuchs die ungarische Wirtschaft 1998 um 3,3 %, die polnische Wirtschaft um 5,7 % und die tschechische Wirtschaft um 1,6 %. Das BIP pro Kopf betrug im selben Zeitraum in Ungarn 21 % vom EU-Niveau, in Polen 18 %, in Tschechien 24 % und in Slowenien 43 % des EU-Niveaus.

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